Warum stellt ein rumänischer Autobauer sein Fahrzeug in der Wüste vor? Und nicht in der heimischen Walachei? Ganz einfach: Weil Marokko quasi die zweite Heimat von Dacia ist. Vor zehn Jahren eröffnete die Dacia-Mutter Renault in Tanger das größte Automobilwerk südlich des Mittelmeers. 8000 Mitarbeiter, Export in 73 Länder.

Die Marokkaner sind stolz darauf. Das fällt schon bei der Landung am Flughafen in Marrakesch auf, wo ein Großteil der Taxifahrer in Dacia-Limousinen auf Fahrgäste wartet. Wer genau hinschaut, erkennt die Stufenheckversion des Sandero. Auch Logan Pick-up, bei uns eine Rarität, fahren herum.
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Der Duster wurde 2010 das dritte Modell der rumänischen Marke. Die Preise starteten bei extrem günstigen 11 900 Euro – ohne Seitenairbags oder elektrische Fensterheber, mit einem nicht gerade durchzugsstarken 1,6-Liter-Sauger, 105 PS, verpackt in einem 4,31 Meter langen Auto.

Der Duster hat einen Vorgänger, den keiner kennt

So sieht das zumindest durch die deutsche Brille aus. Auf anderen Märkten gab's den Duster bereits, bevor irgendwelche Marketing-Strategen das Wort SUV überhaupt erfanden. In England zum Beispiel war ab 1985 ein kleiner Geländewagen zu haben, der fast den gleichen Namen trug: Dacia Duster 4x4. Die Kollegen des Magazins "Autocar" schrieben damals in britisch ironischer Tonart: "Acceleration is quite pedestrian." Oder auf Deutsch: "Die Beschleunigung ist ziemlich fußgängerhaft." Kein Wunder, mit seinen 65 Pferdchen brauchte der 4x4 stattliche 22,6 Sekunden bis auf 60 Meilen, was nicht einmal ganz 100 km/h entspricht. Der Motor stammte von Renault. Auch damals, vor dem Kauf der Marke im Jahr 1999, hatten die Franzosen bereits ihre Finger im Spiel.
Den Ur-"Duster 4x4" gab's als sowohl mit festem Dach...
Bild: Renault Deutschland AG

... als auch mit Stoffverdeck.
Bild: Renault Deutschland AG

Der Duster schnitt im Dauertest gut ab

Wir setzen uns in Bewegung. Es geht raus aus Marrakesch, rein in die Steinwüste Agafay. Die zweite Generation des Duster hat man gerade noch einmal renoviert, bevor 2024 der ganz neue kommt. Der Grill ist frisch, die Logos und die Lüftungsdüsen im Innenraum auch. Am weichen Fahrwerk und an der leichtgängigen Lenkung hat sich nichts geändert.
Die Lüftungsdüsen waren ehemals rund, sind nun eckig. Infotainment mit neuer Benutzeroberfläche.
Bild: Renault Deutschland AG

Ein wenig habe ich noch unseren Dauertest-Duster im Fuß, der die 100000 Kilometer mit Note 2 beendete. Ausgerüstet war der mit einem 1,6-Liter-Saugbenziner. Der 115-PS-Diesel in diesem Exemplar wirkt durchzugsstärker, bleibt selbst in kaltem Zustand recht leise. Beiden gemein ist die kurze Übersetzung: Der erste Gang reicht nicht mal bis Tempo 50. Der Gedanke dabei ist, dass er so im Gelände als Ersatz für eine richtige Untersetzung fungieren kann.

Die Bergabfahrhilfe ist mehr als nur ein Gimmick

Jetzt, da die ersten, steinigen Steigungen auftauchen, kommt mir jedes Offroad-Feature gerade recht. Drehknopf auf "4WD AUTO" gedreht – jetzt sollte die Elektronik alles alleine machen. Bergauf? Check! 260 Newtonmeter und die großzügig bemessenen Böschungswinkel (30 Grad vorn, 33 Grad hinten) reichen, um fast alle Steigungen im zweiten Gang zu erklimmen. Solange man nicht stehen bleibt natürlich.
Wenn's rutschig wird, hilft die Bergabfahrhilfe: Einfach Knopf drücken und die Elektronik regelt das Tempo.
Bild: Renault Deutschland AG

Bergab hilft – Überraschung – die Bergabfahrhilfe, wobei wegen des höheren Motorschleppmoments der erste Gang hermuss. Bei bestimmt 20 Grad Gefälle dem Auto die Kontrolle zu überlassen – dazu muss ich mich doch ganz erheblich überwinden. Aber die Elektronik macht ihren Job, und das sogar besser, als ich es könnte. Schließlich bliebe mir nur übrig, stumpf aufs Pedal zu treten. Das System kann von vornherein entscheiden, mehr Bremskraft auf die Hinterachse zu geben, damit die Vorderräder nicht überlastet werden. Keine Raketenwissenschaft, aber funktioniert.
30 Grad Böschungswinkel vorne, 33 Grad hinten, 18 Grad Rampenwinkel. Für ein SUV sind das solide Werte.
Bild: Renault Deutschland AG

Natürlich fordert der Preis Kompromisse

Dieser letzte Satz fasst im Grunde den ganzen Duster prima zusammen. Ja, natürlich wird an der ein oder anderen Stelle der Rotstift sichtbar. Der 90-PS-Benziner mit Frontantrieb startet – besser ausgestattet als damals der Duster I – bei 15.000 Euro. Dieser Preis muss irgendwo herkommen. Die Radhäuser sind von innen nicht richtig verkleidet, im Cockpit grüßt Hartplastik, und die Lautsprecher klingen dünn. Rabatt gibt's auch kaum, Listenpreis ist annähernd gleich Endpreis.
Voll ausgestattet, so wie er hier steht, kostet der Duster um und bei 25.000 Euro. Dafür nervt er nicht mit Assistenz-Overload, die Schaltung ist direkt. Man spürt das Autofahren noch – irgendwie schön. Und alles wirkt insgesamt ausreichend wertig und so vernünftig montiert, dass ich mich wohlfühle. "Brauche ich wirklich mehr Auto als das hier?", frage ich mich, als wir wieder auf den Parkplatz rollen. Und das dürfte wohl so ziemlich das größte Kompliment sein, das ich als Autotester einem Auto wie dem Duster machen kann.
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Dacia. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit