Dauertest: Mercedes AMG C 63 S E Performance
680 PS, 1020 Nm – aber warum fehlt der Funke?

Wir wollten den AMG C 63 S E Performance besser verstehen. Ihm eine Chance geben. Über 30.000 Kilometer im Redaktionsalltag. Und? Es ist und bleibt kein V8-Ersatz!
Bild: Lena Willgalis
Zu komplex, zu schwer, zu teuer, zu wenig Emotionen. So der Tenor der Fangemeinde, als man den Mercedes-AMG C 63 S E-Performance vor drei Jahren vorstellte. Hybridisierung, Downsizing, extreme Literleistung – was auf den ersten Blick wie ein Technologiesprung aussah, kam beim Kunden nie an. Trotz der 680 PS und bis zu 1020 Newtonmeter, die auf dem Papier reichlich Eindruck machten. Emotionales Fahren kam dabei jedoch nur selten herum. Das Gewicht zu hoch (2190 kg), der Sound zu synthetisch und die elektrische Reichweite mit rund 13 Kilometern noch nicht einmal praxistauglich.
Auch wir runzelten damals ganz schön die Stirn. Okay, der Supertest anfangs mit der Limousine beeindruckte uns schon irgendwie. Trotz des Gewichts war das Handling wirklich gut, die Rundenzeit solide; nur das mit dem Boost-Plan kam uns anfangs spanischer vor als manche Fremdsprachen-Stunde. Außerdem mussten wir uns oft fragen lassen, warum wir denn immer wieder den V8-Motoren hinterherschreiben würden. Schließlich stünde hier die Zukunft, mit handfesten Anleihen an den legendären Hypercars. Dass so ein Achtzylinder besser klingt und anhaltender performt, ging in der Diskussion häufig unter …

Volle Punktzahl für das Cockpit. Tiefe und komfortable Sitzposition, schnelles Infotainment, wertige Materialien.
Bild: Lena Willgalis
Wie dem auch sei, ein Interview mit dem damaligen AMG-Boss Michael Schiebe kam nie zustande. Stattdessen schlug man uns vor, den C 63 S E Performance einmal ausführlicher und länger auszuprobieren. Nach dem Motto: Im zweiwöchigen Testzeitraum kann man sicher nicht jedes Detail eines Autos erfahren. Und außerdem würde man mit mehr Zeit vielleicht auch den Sinn dieses Autos besser verstehen. Na ja, wir haben uns darauf eingelassen, Anfang März 2025 rollte „S-MA 6333“ zu uns in die Redaktion.
Fahrzeugdaten | Mercedes-AMG C 63 S E Performance |
|---|---|
Motorbauart/Aufladung | R4 + E-Motor/Turbo |
Hubraum | 1991 cm3 |
Energieinhalt brutto/netto | 6,1/4,8 kWh |
Leistung Verbrenner | 350 kW (476 PS) |
Leistung E-Motor | 150 kW (204 PS) |
Systemleistung | 500 kW (680 PS) |
Drehmoment Verbrenner | 545 Nm |
Drehmoment E-Motor | 320 Nm |
Systemdrehmoment | 1020 Nm |
Getriebe | 9-Stufen-Automatik |
Antriebsart | Allrad |
Reifengröße | 265/35 ZR 20 - 275/35 ZR 20 |
Maße L/B/H | 4842/2033/1474 mm |
Radstand | 2875 mm |
Leergewicht/Zuladung | 2190/485 kg |
Tank-/Kofferraumvolumen | 60/324-1510 l |
0-100 km/h | 3,4 s |
Höchstgeschwindigkeit | 280 km/h (abgeregelt) |
WLTP-Verbrauch/100 km | 6,9 l Super Plus |
Grundpreis | ab 116.959 € |
Und wir nehmen es mal vorweg, die sechs Monate und rund 35.000 Kilometer taten gar nicht so weh. Ganz im Gegenteil. Wer mental imstande war, die legendären V8-Vorgänger auszublenden, der erlebte einen meist sehr souveränen, vor allem aber auch sehr wandlungsfähigen Antrieb. Hinzu kam, dass man mit dem Auto wirklich immer gut angezogen war. Auch am Wohlfühlambiente im Cockpit gab es nichts zu meckern. Das große Mitteldisplay für Navi und Co ist intuitiv bedienbar, die Sprachführung versteht jeden. Leicht nervige Assistenzsysteme ausschalten? Auch das geht im sprichwörtlichen Hamdumdrehen. Ein Klick auf die Taste mit dem Autosymbol, und schon hat man alle Klings, Klongs sowie das vibrierende Lenkrad einzeln deaktiviert.

Davon hätten wir noch mehr Bilder machen können. Denn der C 63 stand sehr, sehr oft an den Tankstellen.
Bild: AUTO BILD
Was leider dennoch ziemlich oft zu hören war: die Warnung der Benzinreserve. Der 60-Liter-Tank ist für ein derart schweres Auto mit so viel Leistung einfach zu klein. Wir hatten es zwar über die Dauer mit rund 10 Liter Super Plus im Schnitt geschafft. Auf nächtlichen Express-Etappen waren die Stints jedoch kaum länger als früher zu seligen Mitsubishi-Evo-Zeiten. Wie gesagt, der vermeintliche Mehrwert des Hybridsystems ging mit zu vielen Kehrseiten einher. Beispiel Kofferraum: Der weist nicht nur einen insgesamt extrem hohen Ladeboden, sondern auch noch eine riesige Stufe auf. Konkret verliert der Kombi 163 Liter an Ladevolumen gegenüber dem Vorgänger. Transportieren von Kamera- und/oder Mess-Equipment artete oft zum Tetris-Spiel aus. Der Platz im Fond geht dagegen in Ordnung.
Fahrwerk top, Komfort stabil – trotz Sportgene
Ebenfalls positiv hervorzuheben ist das Adaptivfahrwerk. In Comfort schluckt es Unebenheiten sauber weg. Selbst im Sport-Mode geht der Komfort in Ordnung. Und wenn man mal Spaß haben wollte, dann waren spätestens in Sport+-Stellung die Kurven dein Freund. Das Gewicht ist dann kaum noch zu spüren. Auch die optionale Keramikbremse schlug sich wacker. Viel Ausdauer und ein gutes Pedalgefühl trotz Rekuperation.

Klar, der Zweiliter mit seinen 476 PS an sich, das ist schon krass. Doch der gehört hier einfach nicht rein.
Bild: Lena Willgalis
Apropos, der kleine Akku war gefühlt ständig leer. Da half auch externes Aufladen am Stecker nicht viel. Wer die vollen 680 PS mehrmals hintereinander abrief, der nuckelte die Zellen im Zeitraffer leer. Sound? Na ja, irgendwann gewöhnt man sich an das künstliche Getobe. Die perfekte Tour gelang oft nur im Individual-Modus. Fahrwerk auf Komfort, Motor, Getriebe auf Sport, dann ist der Vierzylinder hellwach, hält den Akku bei Laune, und die Automatik schaltet richtig knackig. Trotzdem waren die 4,8 kWh am Ende einfach ein unguter Kompromiss: zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben. Probleme machte "S-MA 6333" übrigens nie wirklich. Der Plattfuß, der uns kurz vor Schluss ereilte, geht schließlich nicht zu seinen Lasten.
Modellwechsel fix: AMG zieht den Stecker
Und was nun? Mit der nächsten Modellpflege der C-Klasse wird der C 63 S E-Performance eingestellt, Punkt! Es folgt der C 53, ausgestattet mit dem bekannten Dreiliter-Sechszylinder und Mildhybrid. Die Leistung wird geringer ausfallen, dafür dürften Fahrgefühl, Gewicht und Preis deutlich besser zur Erwartungshaltung der Fangemeinde passen. Und noch etwas. Sie sammeln exotische Automobile? Dann schlagen Sie hier zu! Ohne Flachs, das Ding wird in 20 Jahren so schwer zu finden sein wie eine blaue Mauritius. Und das nicht nur, weil Spektralblau die einzig echte Farbe war im Konfigurator.
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