Daytona 24h 2022: Rennbericht
Spiderman-Sieg in Daytona

Helio Castroneves verteidigt seinen Titel beim Daytona 24h. Ärger gibt es trotz beider GT-Siege bei Porsche, BMW kämpft noch mit Kinderkrankheiten.
Bild: Meyer Shank Racing
- Frederik Hackbarth
Wie passend: Die 60. Auflage der 24h von Daytona gewinnt ausgerechnet das Auto mit der Startnummer 60: IndyCar-Veteran Helio Castroneves trägt den Meyer-Shank-Acura nach 24 Stunden als Erster über die Ziellinie, sehr zur Freude seiner Teamkollegen Simon Pagenaud, Tom Blomqvist und Oliver Jarvis. Bereits im Vorjahr hatte der Brasilianer in Daytona triumphiert, damals aber mit anderem Team und anderen Stallgefährten.
Am Sonntag feiert der vierfache Indy500-Sieger wieder mit seinem berühmten Spiderman-Jubel, klettert zusammen mit seinen Teammitgliedern den Fangzaun hoch. "Ein unglaubliches Rennen", strahlt Castroneves, der bereits 46 Jahre alt ist, aber noch lange nicht ans Aufhören denkt: "Das Feuer brennt noch, ich kann nicht ohne Motorsport leben. Passion ist das Geheimnis und wenn man liebt, was man tut."
Tatsächlich bieten die 24h von Daytona 2022 spannendes Racing und ein Thriller-Finale. Vor allem in der Königskategorie in Daytona geht es beim letzten Auftritt der DPI-Autos unfassbar eng zu, die Top-4 werden nach insgesamt 761 Runden von nur 5,615 Sekunden getrennt. Die beiden Acura setzen sich beim verbliebenen Favoriten-Quartett schließlich gegen die beiden Cadillac durch.

46 und noch lange nicht müde: Spiderman Castroneves
Bild: Meyer Shank Racing
Deutsche Top-Stars im Pech
Auch in den GT-Klassen wird mit harten Bandagen gekämpft, vor allem die neue Klasseneinteilung sorgt für einen wilden Beginn und einige Unfälle. "Da waren teilweise haarsträubende Szenen dabei, viele fahren hier nicht auf Langstrecke sondern wie in einem Sprint. Insgesamt ist eine neue Dynamik drin und ich bin mir sicher, dass die GTD-Pro-Jungs nicht genießen, dass sie jetzt das gleiche Equipment haben wie wir (Amateure; d.Red.)", erklärt Lamborghini-Pilot Jeff Segal.
Auch der einzige Deutsche mit Chancen auf den Gesamtsieg bekommt die harte Gangart in Daytona mit seinem Ally-Team zu spüren. Mike Rockenfeller erklärt nach Rang fünf: "Wir haben versucht, ohne Zwischenfälle durch die Nacht zu kommen, aber leider hatte mein Teamkollege Jimmie (Johnson; d.Red) Kontakt mit einem GT-Fahrzeug. Danach hatten wir hinten rechts ziemlich großen Schaden, haben dadurch 23 Runden verloren. Das war Game Over, aber so ist das eben im Langstreckensport."
Für Landsmann und DTM-Star René Rast gibt es auch kein Happy End, er verpasst mit seiner G-Drive-Truppe in der LMP2 als Fünfter ebenfalls das Podium. Den Klassensieg sichert sich rund zehn Minuten vor Schluss nach einem Ausritt des letzten ernstzunehmenden Konkurrenten IndyCar-Supertalent Colton Herta mit seiner Dragonspeed-Truppe. Mit einem ultralangen Finalstint lässt er seine Teamkollegen Pato O'Ward, Devlin DeFrancesco und Eric Lux jubeln. In der LMP3 hat am Ende das Riley-Motorsports-Team mit dem Quartett Fraga/Robinson/Cooper/van Berlo die Nase vorne.
Porsche wirft Doppelsieg weg
Als einzige deutsche Teilnehmer richtig Grund zur Freude sollten eigentlich die Mannen von Porsche haben, doch ein weggeworfener Doppelsieg in der GTD-Pro-Kategorie nach Kontakt der beiden Führungsfahrzeuge in der letzten Runde dürfte noch für Gesprächsstoff sorgen. Am Ende setzt sich Mathieu Jaminet mit seinen Stallgefährten Felipe Nasr und Matt Campell durch. Laurens Vanthoor fällt nach der Porsche-Kollision mit seinen Teamkollegen Pilet/Olsen/Imperatori hingegen auf den dritten Platz zurück und muss dem Ferrari der GT-Weltmeister PierGuidi/Calado/Serra/Rigon auf den letzten Metern noch den Vortritt lassen.

Porsche darf doppelt feiern, muss sich aber auch ärgern
Bild: Porsche
BMW noch mit Kinderkrankheiten
Bei BMW verläuft das werksseitige Renndebüt des neuen M4 GT3 hingegen nicht nach Wunsch. Schon früh im Rennen werden beide Werksautos durch technische Probleme am Diffusor zurückgeworfen. Bei der Startnummer 24 um Marco Wittmann, Philipp Eng, Nick Yelloly und Sheldon van der Linde kommt am Abend noch ein Reifenschaden vorne rechts hinzu, der unter anderem die Bremsen beschädigt und das Auto über eine halbe Stunde in der Box hält. Am Ende reicht es dadurch nur für den neunten Platz in der Klasse.
Immerhin etwas besser läuft es für den #25-BMW von Augusto Farfus, Jesse Krohn, Connor DePhillippi und John Edwards, die Siebter in der GTD-Pro werden. Das Fazit von BMW-Motorsportchef Mike Krack gegenüber ABMS fällt entsprechend gemischt aus: "Am Ende ging es nur noch darum, das Rennen zu beenden und die Autos ins Ziel zu bringen. Das haben wir mit beiden Werksautos geschafft, das ist ein Teilerfolg. Aber natürlich nicht da, wo wir sein wollen."

Hindernisse beim Werks-Debüt: BMW mit Problemen
Bild: BMW
Für Motorsportchef Krack ist es persönlich der letzte Einsatz für BMW, er wird ab Februar Sebastian Vettels neuer Teamchef in der Formel 1 bei Aston Martin. "Natürlich hätte ich zum Ausstand gerne noch ein Top-Ergebnis gehabt, aber Rennsport ist kein Wunschkonzert. Jetzt ist es wie es ist", verabschiedet sich der Luxemburger von seinem bisherigen Team.
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