Seine Frau ist Deutsche. Er selbst Brite. Seine Kinder  (19, 22) sind viersprachig: Deutsch, Englisch, Chinesisch, Spanisch. Was ist für ihn der Mittelpunkt der Welt? "Unser Bauernhof in einem Dorf bei Braunschweig", sagt Simon Loasby.
790 Einwohner statt 26 Millionen in Shanghai oder 9,5 Millionen in Seoul. Kühe? Keine. "Es ist zum Glück nur ein Resthof", sagt Loasby und lacht. Die Niedersachsen werden es sicher gerne hören, dass ihr Dorf mehr Lebensqualität bietet als die Mega-Metropolen.
Der 56-Jährige ist ein Weltbürger. Seit Jahrzehnten zieht es den Automobildesigner über den Globus. Seit 2017 arbeitet er für Hyundai. Wer ihn am Arbeitsplatz besuchen will, braucht Geduld.
2019 bei der Vorstellung des Kleinwagen HB20 in Comandatuba (Brasilien). HB steht für Hyundai Brasil.

Man fährt von Seoul ungefähr ... tja, wie viele Kilometer sind es bis nach Namyang? Google Maps funktioniert hier nicht, Korea verbietet Google die Nutzung bestimmter Kartendaten. Jedenfalls biegt man am Ende dort ab, wo ein Schild das Entwicklungszentrum der Schwestermarken Kia und Hyundai ankündigt.

Getarnte Prototypen überall

Am Eingang versiegeln Security-Männer sämtliche Handy-Kameras mit kleinen Aufklebern. Mit Bus und Sicherheitsmann geht es über ein großzügiges Gelände, das von hohen Mauern umgeben ist. Getarnte Prototypen überall.
Schließlich ist man da, vorm Hyundai-Designcenter, einem spektakulären Bau, eröffnet 2017, entworfen von den deutschen Architekten, die auch die VW-Türme in der Autostadt Wolfsburg gebaut haben.
"Das ist eine typische Simon-Skizze", sagt Simon Loasby. Er zeichnet mit Bleistift und Tinte.

Hier in Namyang arbeiten 400 Designer an Hyundais Zukunft. An der Spitze: Simon Loasby, Vice President Hyundai Design. Weißes T-Shirt und Turnschuhe, eine Seiko-Uhr von 1974 am Arm. Die typische Designer-Uniform also.

Designqualität bei Bentley und Hyundai gleich

Zuletzt haben sie den Ioniq 6 designt und das Showcar Ioniq Seven. Was bald kommt? Geheim! Angefangen hat Simon bei Rolls-Royce und Bentley. Danach ging er sieben Jahre zu VW nach Wolfsburg, wechselte für die Niedersachsen nach China. Und landete schließlich in Korea.
(Der neue Hyundai Ioniq 6 hat eine Premium-Reichweite)
Fragt man Simon, ob es einen Unterschied mache, Design für Bentley oder Hyundai zu entwerfen, sagt er: "Der Prozess und die Designqualität sind gleich."
Während seiner Zeit bei Bentley arbeitete der Brite am Arnage (Foto) sowie am Continental GT mit.

Schon seit Jahren setzen die Koreaner auf europäische Designer. Peter Schreyer, Luc Donckerwolke, Simon Loasby. Alle kamen sie von VW, Schreyer wurde damals noch belächelt, als er 2006 zu Kia ging. Geschichte.
"Wir sind in den letzten fünf bis zehn Jahren eine designorientierte Firma geworden", sagt Loasby. "Wir Designer tragen eine große Verantwortung." Einmal im Monat komme der Chairman persönlich und schaue sich an, was Loasby und seine Leute machten. Auch einen Austausch mit den Kollegen von Kia gebe es.

Zwölf Designzentren weltweit

Bei Bentley hat der Brite am Continental GT mitgearbeitet, bei VW an der China-Limo Lavida. Muss einem Designer eigentlich gefallen, was er gestaltet?
2011 entstand für Volkswagen die Idee eines Elektro-Rollers. Wurde damals auf der Automesse in Shanghai vorgestellt.

Loasby sagt: "Es muss kein Auto für mich sein. Entscheidend ist, dass wir den Lifestyle der Kunden verstehen – und der unterscheidet sich, ob Sie in Indien sind, in China oder Brasilien. Wir starten immer mit dem Kunden, nicht mit einem Design."
Um die Bedürfnisse der lokalen Märkte zu erkennen, betreibt Hyundai zwölf Designzentren weltweit, eines auch in Rüsselsheim. Insgesamt arbeiten 560 Designer an Hyundai-Modellen, 50 für die Luxus-Tochter Genesis.
Design sei immer Teamarbeit, sagt Simon. "Ich muss nicht alle Ideen selbst entwickeln. Wir als Leiter müssen nur die Räume schaffen für freies Denken." Wobei das zu Beginn nicht immer einfach war.
Neuester Entwurf: Ioniq Seven, das Showcar eines SUV-Achtsitzers mit E-Antrieb. Vor allem für den US-Markt.

"Wir Europäer haben eine Kultur des offenen Redens. In China und Korea musste ich lernen, dass die Menschen anders sind. Ich musste sie erst motivieren, laut zu sein, ihnen Selbstvertrauen geben, ihre Ideen zu präsentieren."
Wo ist es am schwierigsten zu leben? "Es ist nirgendwo schwierig, nur anders. Sprachlich schwierig war es in China. Aber meine Frau spricht fließend Chinesisch, sie ist Übersetzerin."
Übrigens zieht Loasby in Seoul gerade mal wieder um – vom 16. in den neunten Stock. "Das alte Hochhaus hatte 44 Stockwerke, das neue nur noch zehn. Quasi ein Einfamilienhaus für koreanische Verhältnisse", sagt Loasby und lacht.

Zur Person: Simon Loasby

Ingenieurs- und Design-Studium in London. Danach zehn Jahre bei Rolls-Royce/Bentley (1991-2001), sieben bei VW in Wolfsburg (2001-2008) und neuneinhalb für VW in China. Seit 2017 bei Hyundai in Südkorea.