Der Drehmomentschlüssel kürt seinen Besitzer zu einem kleinen Experten. Immerhin steht das Werkzeug für Sicherheit und Präzision, denn es gewährleistet, dass beim halbjährlich anstehen den Räderwechsel die 16, 20 oder in seltenen Fällen auch 24 Schrauben korrekt angezogen werden. Jeder Fahrzeughersteller weist in seinen Modellhandbüchern das vorgeschriebene Anzugsmoment seiner Felgen aus.
Stammen die Räder aus dem Zubehör, lässt sich diese wichtige Information aus den Verkaufsunterlagen des Felgenherstellers entnehmen. Meist liegen die Werte in einem Bereich zwischen 110 und 140 Newtonmetern, die Spannweite reicht allerdings von 90 bis 180 Newtonmeter. Das breite Spektrum offenbart, dass Schätzwerte beim Anzugsmoment keine sichere Lösung darstellen, je nach Rad und Fahrzeugtyp kann man mächtig danebenliegen.
Im Internet gibt es Tabellen, in denen sich die Anzugsmomente der verbreitetsten Fahrzeugmodelle finden. Die klare Empfehlung lautet jedoch, sich allein auf die vorgeschriebenen Werte aus der Fahrzeug-Bedienungsanleitung zu verlassen. Unterschiedliche Felgentypen eines Herstellers können trotz gleicher Dimensionen Abweichungen bei den Anzugsmomenten aufweisen. Denn neben der Größe und der Anzahl der Schrauben spielen auch der Gewindetyp und das Material der Räder eine Rolle.

Falsch angezogene Radschrauben können fatale Folgen haben

Stimmt das Anzugsmoment nicht, kann es im schlimmsten Fall dazu kommen, dass sich die Radmuttern während der Fahrt lösen. Auch wenn das Rad sich dabei nicht vom Fahrzeug trennt, kann es durch das auftretende Spiel zu Beschädigungen an den Schrauben, der Felge und dem Radnabenflansch kommen. Passiert das Unglück an einem der Vorderräder, lässt es sich mit Glück in der Lenkung erfühlen. Einzige richtige Maßnahme in so einem Moment: Das Fahrzeug vorsichtig an den Straßenrand oder Seitenstreifen fahren, dort abstellen und den Pannendienst rufen.

Testsieger des AUTO BILD-Drehmomentschlüssel-Tests (2021): Hazet 5122-3 CT

Hazet 5122-3 CT

Hazet

5122-3 CT

1,1 (sehr gut)
  • Pro IconHohe Auslösegenauigkeit
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    Zu den Ergebnissen: Drehmomentschlüssel im Test
    Zu fest angezogene Radschrauben können hingegen die Bremsscheibe verformen oder durch Überdrehen das Gewinde am Radnabenflansch beschädigen. Dazu lassen sich die Schrauben im Pannenfall kaum mit dem Bordwerkzeug lösen. In diesem Fall helfen nur noch ein langer Hebelarm und ein sicher aufgebocktes Auto. Denn bei unkontrolliertem Krafteinsatz kann es schnell dazu kommen, dass der bordeigene Wagenheber umkippt.

    So verwenden Sie den Drehmomentschlüssel richtig

    Mit einem Drehmomentschlüssel und dem vorgeschriebenen Anzugsmoment kann das alles nicht passieren. Fehlt nur noch die richtige Herangehensweise. Im Inneren von mechanisch auslösenden Drehmomentschlüsseln – der am weitesten verbreiteten Art – befindet sich ein Druckfedermechanismus, der je nach Vorspannung der Feder mit einem Klick das Erreichen des voreingestellten Drehmoments signalisiert. Wichtig jedoch: Das Auslösen dieses Klicks sollte aus dem Anziehen heraus erfolgen und nicht sofort nach dem initialen Bewegen des Drehmomentschlüssels. Denn löst der Klick sofort aus, besteht die Möglichkeit, dass das Anzugsmoment der Schrauben längst überschritten ist.
    Drehmomentschlüssel
    Die Bewegung beim Festziehen der Schrauben muss bis zum Klicken des Drehmomentschlüssels langsam und gleichmäßig erfolgen – kein ruckartiges Ziehen! Die Schrauben müssen vorher handfest angezogen sein.
    Bild: Daniel Ewen
    Ein ruckartig in Bewegung gesetzter Hebel kann dagegen zum Auslösen des Klicks führen, noch bevor der erwünschte Sollwert erreicht wurde. Daher: Die Schrauben immer erst (über Kreuz) handfest anziehen. Wenn der Drehmomentschlüssel zum Einsatz kommt, sollte das äußere Ende des langen Schlüssels erst ein paar Zentimeter Weg zurücklegen, bis der Klick auslöst.

    Darauf sollten Sie außerdem achten

    Radmuttern oder Radschrauben und die verwendete Stecknuss müssen wie die Gewinde der Radnabe und die Schraubenauflageflächen an den Felgen frei von Verschmutzungen und frei von Beschädigungen sein. Außerdem wichtig: Der Drehmomentschlüssel muss nach der Benutzung wieder "entspannt", also das Drehmoment auf den Ausgangspunkt (null Newtonmeter) zurückgestellt werden. Denn eine permanent gespannte Feder verformt sich mit der Zeit, was zu ungenauen Werten beim Anziehen der Schrauben führen kann. Die Ausnahme von dieser Regel sind Drehmomentschlüssel, die mit einem sogenannten Biegestabsystem arbeiten. Hier wird die Mechanik nur während der Nutzung belastet und bleibt ansonsten unabhängig vom eingestellten Wert verschleißfrei.