Drei starke Kompakte: Test
Die eiligen drei Könige

16 Zylinder, 1030 PS und Fahrspaß am Begrenzer: Die drei Kraftprotze Audi RS 3, BMW 1er M Coupé und Ford Focus RS 500 setzen der Kompaktklasse die Krone auf. Ein Vergleich mit Vollgas.
Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Für Liebhaber von starken Kompaktautos schon – denn diese drei Kraftprotze setzen auf Krawall und Kurvenkunst. Wir begleiten Audi RS 3 Sportback, BMW 1er M Coupé und Ford Focus RS 500 bei ihrer PS-Parade auf der Piste – und krönen am Ende den sportlichsten der sportlichen Kompakten. Jüngster Kandidat ist der RS 3. Leider kommt er stets als übergewichtiger Fünftürer und hier auch noch in einem eher fragwürdigen Outfit. Schwarze Räder mit rotem Felgenhorn (200 Euro extra) und reichlich Alu-Make-up (Optikpaket Aluminium matt für 800 Euro) rücken den Audi unnötig nah ans Krawall-Design. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Überblick: Alle News und Tests zum BMW 1er M Coupé
Video: BMW 1er M Coupé
Der kleine Bayern-Blitz
Überblick: Alle News und Tests zum Audi RS 3
Der RS 3 kommt dank Allradantriebs und Doppelkupplungsgetriebes am schnellsten aus den Startblöcken, glänzt mit hoher Traktion und klaut dem Focus bis Tempo 100 schon 1,6 Sekunden. Der 340 PS starke Fünfzylinder-Turbo reißt derart vehement an den vier Rädern, als wolle er in die Antriebswellen Knoten kneten und die Conti SportContact in Slicks verwandeln. Die Viertelmeile gewinnt dieser Audi locker. Geht es allerdings ins Kurvengewühl des schnellen Conti-Handlingkurses bei Hannover, muss sich der RS 3 seinem Konkurrenten aus München geschlagen geben. Auch im 1er wüten 340 PS, die allerdings ausschließlich über die Hinterräder herfallen. Das reicht, um den Ingolstädter auf der Geraden nicht allzu weit davonziehen zu lassen. Mit sonorer Sechszylinder-Stimme nimmt das M-Coupé die Verfolgung auf, begeistert mit inbrünstiger Drehfreude und lässt den Fahrer die Kraft der zwei Turbos spüren. Die präzise, für Zartbesaitete aber wohl zu schwergängige Lenkung findet die Ideallinie auf den Millimeter, das beinharte Sportfahrwerk und die voll variable Sperre hinten halten das Coupé (auf ebener Strecke!) auf Kurs, trotz zu hoher Sitzposition und latent widerspenstiger Schaltung herrscht im 1er M authentisches Rennfeeling.
Spätestens eingangs der dritten Kurve presst sich der BMW dann am Audi vorbei und winkt beim Herausbeschleunigen noch mal fröhlich mit dem Heck. Wie das trotz schlechterer Traktion geht? Ganz einfach: Der 1er muss 132 Kilo weniger um die Ecken wuchten. Und er verteilt die Kilos wesentlich geschickter. Prozentual kommt er ganz nah an die automobilen Idealmaße von 50:50, absolut lasten auf der Vorderachse des M-Models über 200 Kilo weniger als beim Audi. Dessen Wohlstandsspeck können selbst Allradantrieb, vorn drei Zentimeter mehr Reifenbreite als hinten und eine elektronisch simulierte Differenzialsperre nicht kaschieren. Schon nach ein, zwei schnellen Runden hat der RS 3 Reifen und Bremsen so stark beansprucht, dass selbst der frontgetriebene Ford bedrohlich nahe kommt. Zur Ehrenrettung des Audi muss an dieser Stelle aber erwähnt werden, dass er als Einziger in diesem Trio mit fünf Türen und durchaus alltagstauglichem Komfort vom Band rollt. Wer den heißen Ringkämpfer nicht ständig am Limit über die Nordschleife scheucht, wird das durchaus zu schätzen wissen. Und darf sich des Dankes von Frau oder Freundin gewiss sein.
Überblick: Alle News und Tests zum Ford Focus RS 500

Kompromisslos heiße Kiste: Der Ford Focus RS 500 bringt Rallyesport auf die Straße.
Bild: Christian Bittmann
Dank eines extrem wirksamen Sperrdifferenzials findet er in Kurven aber erstaunlich souverän seinen Weg, lässt sich nur in Spitzkehren und von Fahrern mit digitalem Gasfuß ins Untersteuern treiben. Doch selbst das bedeutet kein fahrdynamisches Fiasko. Wird das Gaspedal gelupft, zieht es den Focus wieder in die Kurve – als stünde dort ein großer Magnet. Mit 46.050 Euro stellt der RS 500 das verlockendste Angebot – der Focus furioso ist allerdings auf 500 Exemplare limitiert. Audi RS 3 Sportback (ab 49.900 Euro) und BMW 1er M Coupé (ab 50.500 Euro) verlangen demgegenüber kräftigen Premium-Aufschlag. Was dem Ganzen auch wieder die Krone aufsetzt.
Fazit
Über 300 PS in einem Kompakten? Klingt ziemlich verrückt – und ist es nüchtern betrachtet auch. Aber es macht riesig Spaß und dient den Herstellern als Aushängeschild. So bestätigt der BMW auf eindrucksvolle Art und Weise, dass die Marke aus München noch echte Sportler mit Mumm bauen kann. Der RS 3 bleibt dagegen zu sehr dem braven A3 verhaftet – konsequent sportlich ist der Audi nicht. Der Focus RS 500 umso mehr: Der Ford liefert ein Stück Rallye-Sport für die Straße.
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