Die Konkurrenz im C-Segment der SUV ist riesig. Genau deshalb geht DS beim neuen N°7 bewusst einen anderen Weg. Statt auf martialische Optik oder maximale Sportlichkeit setzen die Franzosen auf Pariser Eleganz, außergewöhnliches Design und vor allem eines: Komfort. Und tatsächlich gelingt dem Nachfolger des bisherigen DS 7 ein überraschend eigenständiger Auftritt.
Mit 4,66 Metern Länge wächst der N°7 zwar an die Grenze zwischen Kompakt- und Mittelklasse heran, bleibt technisch aber ein Vertreter des C-Segments. Neu ist die STLA-Medium-Plattform aus dem Stellantis-Konzern. Zum Marktstart stehen vier Antriebsvarianten bereit: Den Einstieg bildet der Hybrid 145 mit 145 PS, darüber folgen die Stromer E-Tense: FWD mit 230 PS, FWD Long Range mit 245 PS sowie das vorläufige Topmodell AWD Long Range mit 350 PS. Wir waren mit dem E-Tense FWD Long Range unterwegs – dem Reichweitenkönig der Baureihe.

Komfort kann er besonders gut

Bereits auf den ersten Kilometern in den Seealpen oberhalb von Nizza wird klar, worauf DS den Schwerpunkt gelegt hat. Die serienmäßige kamerabasierte "DS Active Scan Suspension" erkennt Fahrbahnunebenheiten im Voraus und passt die Dämpfer noch vor dem Überfahren an. Das Ergebnis beeindruckt. Schlaglöcher, Bodenwellen und Querfugen verlieren ihren Schrecken, ohne dass sich das SUV in Kurven schämen muss.
Über Lenkradwippen lässt sich die Rekuperation in vier Stufen anpassen.
Bild: DS
Überraschend ist ohnehin, wie präzise sich der N°7 durch enge Bergstraßen dirigieren lässt. Die Lenkung arbeitet direkt, das ESP greift angenehm unauffällig ein, und auch der Spurhalteassistent hält sich wohltuend zurück. Sportwagen-Gene entwickelt der Franzose dadurch zwar nicht – muss er aber auch gar nicht.

Bis zu 740 Kilometer Reichweite

Im frontgetriebenen Long-Range-Modell arbeitet ein 245 PS starker Elektromotor an der Vorderachse. Kurzzeitig stehen im Boost-Modus sogar 280 PS bereit. Die Energie liefert ein 97,2-kWh-Akku, der nach WLTP eine Reichweite von bis zu 740 Kilometer ermöglichen soll.
Ganz so weit dürfte im Alltag kaum jemand kommen. Auf unserer Testfahrt bei sommerlichen 31 Grad pendelte sich der Verbrauch zwischen 16,8 und etwas mehr als 20 kWh pro 100 Kilometer ein. Damit erscheinen realistische Reichweiten zwischen 500 und 600 Kilometern durchaus erreichbar – ein sehr ordentlicher Wert.
Stilvoller Innenraum: Hochwertige Materialien sorgen für echtes Premium-Ambiente.
Bild: DS
Auch die Rekuperation gefällt. Sie lässt sich über Lenkradwippen in vier Stufen einstellen. Zusätzlich bietet der N°7 echtes One-Pedal-Driving, verzögert auf Wunsch bis zum Stillstand allein über das Fahrpedal. Das funktioniert angenehm feinfühlig und intuitiv.

Beim Laden fehlt der letzte Punch

Ganz vorne spielt der DS beim Schnellladen allerdings nicht mit. Statt 800-Volt-Technik setzt der Franzose weiterhin auf eine 400-Volt-Architektur. Maximal 160 kW Ladeleistung sind möglich. Laut Hersteller dauert der Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent 27 Minuten. Das ist ordentlich, aber Hyundai Ioniq 5 oder Kia EV6 laden dank 800-Volt-Technik deutlich schneller. Serienmäßig gibt es einen 11-kW-AC-Lader; ein 22-kW-Bordlader kostet 700 Euro Aufpreis.

Viel Stil, kleine Schwächen

Im Innenraum zeigt DS seine größte Stärke: Hochwertige Materialien, feine Leder- und Alcantara-Oberflächen sowie viel Liebe zum Detail schaffen Premium-Flair. Das optionale Focal-Soundsystem gehört zu den klangstärksten Anlagen der Klasse.
Bis zu 740 Kilometer WLTP-Reichweite verspricht der E-Tense Long Range mit 97,2-kWh-Akku.
Bild: DS
Ganz ohne Kritik bleibt das Cockpit aber nicht. Das 16-Zoll-Zentraldisplay wirkt durch sein ungewöhnlich schmales Format stellenweise unübersichtlich, ins Auge sticht das bei der schmal dargestellten Karte des Navis. Zudem gibt es in der Mittelkonsole lediglich einen Getränkehalter, um den sich Fahrer und Beifahrer einig werden müssen.
Die weich gepolsterten Sitze bieten außerdem etwas wenig Seitenhalt, und im Fond schränkt die niedrige Sitzposition der Vordersitze die Fußfreiheit ein. Dafür überzeugt das Gepäckabteil mit 560 bis 1570 Litern Ladevolumen.
Der DS N°7 macht vieles anders als seine deutschen oder asiatischen Konkurrenten. Er setzt weder auf maximale Leistung noch auf Rekord-Ladezeiten – sondern auf Komfort, Design und entspanntes Reisen. Die Long-Range-Version mit Vorderradantrieb überzeugt mit hoher Alltagstauglichkeit und hoher Reichweite. Die Ladegeschwindigkeit ist solide, erreicht jedoch nicht das Level der besten Wettbewerber.