Sheldon van der Linde ließ seiner Freude freien Lauf, der ganze Frust der vergangenen Saison musste raus: Der Südafrikaner feierte im neuen BMW M4 GT3 den ersten Sieg 2022! "Yes, Baby, yes, yes", schrie er in den Funk. Es war nicht zu überhören, wie erleichtert van der Linde war. "Ich habe keine Worte, ohne Scheiß. Mein letzter DTM-Sieg ist zwei Jahre her. Es fühlt sich jetzt genauso gut an", sagte er.Für Neueinsteiger Schubert Motorsport war es der erste Erfolg in der DTM, für van der Linde das Ende einer langen Durststrecke.
Bei van der Linde war der Jubel besonders groß, weil der 23-Jährige eine echte Horror-Saison hinter sich hat. Für den ausgewiesenen GT-Spezialisten lief 2021 bei Rowe im alten M6 so ziemlich alles schief, was schieflaufen konnte, er fuhr trotz seiner Expertise nicht einmal auf das Podium. Umso größer war die Genugtuung nach seinem insgesamt zweiten Sieg in der Traditionsrennserie, seinen ersten Sieg holte er 2019 im alten Class-1-Auto von BMW.

"Ich habe keine Worte"

"Ich habe keine Worte", sagte van der Linde nach der Siegerehrung. "Wir können jetzt feiern, es hat lange gedauert. Wir genießen es, wir haben aber noch einen Job zu erledigen am Sonntag. Und wenn wir es hinbekommen, sind wir wieder vorne mit dabei."
Die Entscheidung fiel dabei schon zu Beginn, als sich van der Linde von Startplatz zwei aus beim fliegenden Start Polesetter Lucas Auer düpierte und den Topspeed des BMW clever ausspielte. Nach dem Boxenstopp blieb van der Linde knapp vorne und ließ sich den Erfolg nicht mehr nehmen.
Bärenstark präsentierte sich Mercedes: Hinter van der Linde fuhren Luca Stolz (HRT) und Auer (Winward) als Zweiter und Dritter ebenfalls auf das Podium. Arjun Maini (HRT) und Maro Engel (GruppeM) rundeten das starke Ergebnis für die Marke mit dem Stern ab.
Sheldon van der Linde
Auer übernahm durch seinen dritten Platz die Führung in der Gesamtwertung, der Neffe von DTM-Chef Gerhard Berger hat nun 44 Punkte auf dem Konto und löst Mirko Bortolotti ab, der im Grasser-Lamborghini Sechster wurde und bei 43 Zählern steht. "Am Ende musst du die guten Tage mitnehmen, und das haben wir nicht gemacht. Das schmerzt bei so einem Feld", war Auer trotzdem nicht zufrieden. 
Als bester Porsche-Pilot wurde Laurens Vanthoor (SSR Performance) Siebter vor dem dreimaligen Champion René Rast (Abt-Audi). Die Top Ten komplettierten Nick Cassidy (AF Corse) und Titelverteidiger Maximilian Götz (Winward).

Schumacher im Pech

Pech hatte Rookie David Schumacher (Winward-Mercedes): Der Sohn von Ex-F1-Pilot Ralf Schumacher fuhr im Qualifying einen ordentlich 17. Platz heraus, wurde aber um zehn Plätze zurückversetzt, weil im Training bei seinem Auto falsche Reifen benutzt wurden. Im Rennen musste er dann vorzeitig aufgeben.
Ebenfalls Pech hatte Thomas Preining, der eine starke Vorstellung zeigte. Der Österreicher hatte bis zur Schlussphase des Rennens im Porsche des Team Bernhard in Tuchfühlung zur Top Ten Punkte im Blick, musste seinen Boliden dann aber abstellen und ging damit leer aus.
Es gab sowieso ziemlich viele Ausfälle: Marco Wittmann (Walkenhorst) und Philipp Eng (Schubert) mussten ihren BMW mit technischen Problemen abstellen, für Nico Müller (Rosberg), Kelvin van der Linde und Ricardo Feller (beide Abt) war in den Audis ebenfalls früher Schluss. Auch Felipe Fraga schied im AF-Corse-Ferrari auf Punktekurs liegend aus. Insgesamt sahen zehn der 29 Autos die Zielflagge nicht.

DTM Lausitzring – 1. Rennen

1. Sheldon van der Linde (Südafrika) – BMW M4 GT3 56:48,270 Min.
2. Luca Stolz (Brachbach) – Mercedes-AMG GT3 +3,590 Sek.
3. Lucas Auer (Österreich) – Mercedes-AMG GT3 +5,427
4. Arjun Maini (Indien) – Mercedes-AMG GT3 +7,752
5. Maro Engel (München) – Mercedes-AMG GT3 +9,142
6. Mirko Bortolotti (Italien) – Lamborghini Huracan GT3 +13,654
7. Laurens Vanthoor (Belgien) – Porsche 911 GT3 R +17,577
8. René Rast (Minden) – Audi R8 GT3 +19,056
9. Nick Cassidy (Neuseeland) – Ferrari +19,303
10. Maximilian Götz (Uffenheim) – Mercedes-AMG GT3 +21,425

Fahrer-Wertung
Stand nach 3 von 16 Rennen

1. Lucas Auer (Österreich) – Mercedes 44 Pkt.
2. Mirko Bortolotti (Italien) – Lamborghini 43
3. Sheldon van der Linde (Südafrika) – BMW 38
4. Luca Stolz (Brachbach) – Mercedes-Benz 37
5. Nico Müller (Schweiz) – Audi 28
6. Felipe Fraga (Brasilien) – Ferrari 20
7. Kelvin van der Linde (Südafrika) – Audi 20
8. Laurens Vanthoor (Belgien) – Porsche 16
9. Maro Engel (München) – Mercedes 13
10. Arjun Maini (Indien) – Mercedes-Benz 12

Hersteller-Wertung

1. Mercedes 107 Pkt.
2. Audi 66
3. BMW 51
4. Lamborghini 46
5. Porsche 28
6. Ferrari 23

Von

Andreas Reiners