E-Auto-Akku aus Einweg-E-Zigaretten
Müll macht mobil: Bastler fährt mit Auto-Akku aus alten E-Zigaretten

Der YouTuber Chris Doel beweist mit einem gewagten Autoprojekt, dass selbst Müll immer noch gewaltige Ressourcen bereithält. Aus weggeworfenen Einweg-E-Zigaretten baut der Bastel-Brite einen funktionierenden Akku für ein Elektroauto – inklusive erfolgreicher Probefahrt.
Bild: Chris Doel/YouTube
- Raphael Schuderer
Recycling extrem: Der britische YouTuber Chris Doel sammelt ausrangierte Einweg-E-Zigaretten und verwandelt sie in einen Antriebsakku für ein Elektroauto. Das Ergebnis: Das Fahrzeug fährt tatsächlich.

Der Rohstoff: Hunderte gebrauchte Einweg-E-Zigaretten.
Bild: Chris Doel/YouTube
Über Monate sammelt Doel entsorgte Einweg-E-Zigaretten. Er zerlegt die Vapes, prüft jede einzelne Lithium-Ionen-Zelle auf Restkapazität und lötet die brauchbaren Exemplare zu einem großen Batteriepaket zusammen.

Die einzelnen Akkus werden getestet ...
Bild: Chris Doel/YouTube

... und zu einem Batteriepaket zusammengefügt.
Bild: Chris Doel/YouTube
Basisfahrzeug aus Indien
Als Basisfahrzeug diente ein Reva, auch bekannt als "G-Wiz". Das elektrische Kleinstfahrzeug wurde in Indien zwischen 2001 und 2012 produziert und auch in Großbritannien verkauft. Ausgestattet mit schweren Blei-Akkus schaffte der Mini-Stromer einst eine Reichweite von rund 60 Kilometern. Die inzwischen verschlissenen Blei-Akkus sind jedoch längst am Ende, als Ersatz soll der Selbstbau-Akku aus 500 alten E-Zigaretten nun den Strom für die Fahrt liefern.
Besonders weit wird die Reichweite allerdings nicht ausfallen: Der Vape-Akku kommt lediglich auf eine theoretische Kapazität von etwa 2,5 Kilowattstunden, geladen wird er über ein herkömmliches USB-C-Ladegerät. Insgesamt ist das Bastelprojekt jedoch erstaunlich günstig: Ohne die Arbeitszeit einzurechnen, kostete der Akkubau samt Ladekabel laut Doel lediglich 130 Euro.
Reichweite von 29 Kilometern
Er verbindet die einzelnen Zellen, schützt sie mit Silikon gegen Vibrationen und verbaut das Akkupaket in einem Aluminiumgehäuse. Ein Batteriemanagementsystem überwacht die Temperatur sowie die Spannungen im Akku und schützt vor Überladung. Das Akkupaket wird auf die Rückbank geschnallt und mit dem Auto verbunden. Zusätzlich installiert Doel einen manuellen Schalter im Auto als Not-Aus – falls etwas schiefgeht.
Aber das tut es nicht: Die erfolgreiche Probefahrt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 55 km/h führt u. a. durch den Drive-in einer bekannten Fast-Food-Kette und zum örtlichen Baumarkt. Das Microcar mit Eigenbau-Akku beweist also durchaus ein gewisses Maß an Alltagstauglichkeit. Nach 29 Kilometern beendet das Batteriemanagement allerdings die Testfahrt. Eine der Zigaretten-Zellen im Akkupaket ist beim Fahren durch die Entladung unter die festgelegte Mindestspannung gefallen.

Probefahrt im "Zigaretten-Reva": Beeindruckende 29 Kilometer schafft das Miniauto mit nur 2,5 kWh Akkukapazität.
Bild: Chris Doel/YouTube
Und wozu der ganze Aufwand? Natürlich werden unsere Autos auch künftig nicht mit Akkus aus E-Zigaretten fahren, und der Reva ist längst in die Jahre gekommen. Aber das Projekt zeigt, wie viele wertvolle Ressourcen noch immer vergeudet werden. "Wir alle sollten ausgiebig darüber nachdenken, was wir als Müll definieren", appelliert Doel am Ende seines YouTube-Videos.
In den kommenden Jahren werden immer mehr gebrauchte Akkus anfallen – auch größere aus Autos. Das Thema Recycling gewinnt damit zunehmend an Bedeutung.
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