Hass aufs E-Auto: Was treibt E-Auto-Kritiker nur so auf die Palme?
Woher kommt bloß der blinde Hass auf Elektroautos?

"Produktionsstopp beim Model Y" – diese Nachricht wurde von E-Auto-Hassern in sozialen Netzwerken heftig bejubelt. Woher kommt nur der Hass aufs Elektroauto? Ein Plädoyer für mehr Miteinander der Antriebsarten. Kommentar!
Bild: AUTO BILD Montage
Wer kennt noch das HB-Männchen? Die Trickfilm-Figur, die nach irgendeinem verstörenden Zwischenfall vor Wut raketengleich an die Decke geht? Ähnlich benehmen sich E-Auto-Kritiker, wann immer es Gegenwind in Sachen Elektromobilität gibt, Häme wird kübelweise ausgeschüttet.
So auch bei der Info über den jüngsten Stopp der Tesla Model Y-Produktion. Sie trendete stark in sozialen Netzwerken, hat der Mediendienst Meedia beobachtet.
Das wirkt erst mal an den Haaren herbeigezogen, denn hinter der Produktionspause in Grünheide steht nichts Grundsätzliches, sondern Probleme beim Teilenachschub. Anders bei der Nachricht "Hertz ersetzt E-Autos durch Benziner". Der Verkauf eines Drittels der Elektroflotte durch den Autovermieter Hertz ist schon Zeichen einer kritischen Einstellung gegenüber der E-Mobilität.
Diese Einstellung ist eine andere Seite der gleichen Medaille: Viele Autofahrer lehnen E-Autos prinzipiell ab, wollen sie nicht mal ausprobieren. Was schreiben die Trolle im Netz? "Elektroschrott", "Warum versucht Ihr, uns diese Elektrokarren anzudrehen?". So was lese ich im AUTO BILD-Channel bei Facebook.
Das E-Auto als Idee trennt das Neue vom Alten
Genau das ist das Problem: Die Idee des elektrischen Fahrens bringt große Veränderungen mit sich, die weit über den reinen Wechsel des Autos hinausgehen. Der Antrieb ordnet die Autofahrer in Teams ein: Team Verbrenner gegen Team Elektro. Als wäre es ein Gegeneinander, kein Miteinander! Und gleich zieht Lagerdenken ein. Damit einher geht Hass und Häme über das Neue. Denn es bedroht das Alte, Gewohnte. Bedroht erscheint der Verbrenner an sich. Nicht als Auto, sondern als Idee.
Verbrenner-Befürworter fühlen sich bedroht
Damit wird die Sache ideologisch. Was bedroht denn den Verbrenner? Dass die Autoindustrie schon lange umschwenkt aufs E-Auto, dass die EU nach 2035 keine neuen Verbrenner mehr zulassen will, richtig, beides könnte man als Bedrohung auffassen. Eine Bedrohung des Althergebrachten. Bedrohung bringt Verunsicherung, und die macht Menschen aggressiv (hier die Erklärung bei National Geographic).
Bedroht das E-Auto den "German Way of Drive"?
Mein Eindruck ist: Für viele gefährdet das Elektroauto den "German Way of Drive". Das berührt das Herz, nicht den Kopf. Da hilft kein weiteres Pro & Kontra E-Auto, denn das zielt auf den Verstand. Auch das Ziel Klimaneutralität ist vom Kopf her allen klar, doch es appelliert eben auch aufs Herz. Aber das Elektroauto bringt auch eine Chance, die Chance auf eine fossilfreiere Welt.
Motzen zerstört das Vertrauen, macht nur schlechte Laune
Was könnte helfen? Verbales Abrüsten vielleicht. Häme und Hass helfen nur dabei, sich bei Frust Luft zu machen. Doch sie zerstören viel: vor allem Vertrauen und Zukunftswillen. Niemand hat Lust auf schlechte Laune. Lassen wir also das Motzen gegen's E-Auto einfach sein. Die Elektromobilität sichert uns allen vor allem eines: die individuelle Mobilität. Reicht das nicht, um alle Autofahrer zu verbinden?
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