Kupferdiebe haben ein neues Ziel. Immer häufiger werden an Schnellladesäulen die armdicken Ladekabel rabiat abgetrennt. Und die Ladesäule steht still – oft für zwei Wochen.
So schauten auch unsere Testfahrer verdutzt, als ihr Weg sie vor wenigen Wochen von der Testverbrauchsfahrt zu den Schnellladesäulen im Industriegebiet Barsbüttel bei Hamburg führte. Gleich zwei beliebte Ladepunkte gibt es hier, die direkt an der A 1 liegen. Einer an einem Baumarkt, wo Betreiber EnBW Strom mit bis zu 300 kW anbietet.

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Der zweite liegt ein paar Hundert Meter weiter. Dort hat das norwegische Unternehmen Mer seine Ladesäulen auf dem Parkplatz eines amerikanischen Diners aufgestellt. Während der Strom mit bis zu 150 kW in den Akku fließt, füllt der Fahrer seinen Bauch mit Fritten und Burger.

Kabeldiebstahl nicht nur in Deutschland ein Problem

Praktisch, doch nachts reichen sich hier Fuchs und Hase die Pfote. Einerseits liegen die Ladeparks ziemlich abgelegen, andererseits lässt sich bereits von Weitem erkennen, ob ein Stromer mit leerem Akku von der Autobahn einen der beiden Ladeparks anfährt. Optimale Bedingungen für einen Diebstahl – Bedingungen, wie sie auf viele Ladeparks zutreffen.
Schnellladepark EnBW Kamener Kreuz
Die Kabel wurden direkt am Austritt abgetrennt – das spricht für Buntmetalldiebstahl und gegen Vandalismus.
Bild: Stefan Novitski
Wir haben bei den betroffenen Herstellern nachgefragt und erfahren, dass EnBW in diesem Jahr eine deutliche Zunahme von Kabeldiebstählen verzeichnet. Vandalismus, wie das Besprühen der Ladesäulen mit Graffiti, die Zerstörung von Displays oder eben das Abtrennen des Ladekabels käme zwar ebenfalls vor, aber deutlich seltener. Für Mer sei der Kabeldiebstahl zwar in Deutschland ein neues Phänomen, doch aus England und Schweden, wo das norwegische Unternehmen ebenfalls Ladepunkte unterhält, sind ähnliche Fälle bekannt.

Ertrag und Schaden stehen in keinem Verhältnis

Beide Unternehmen gehen davon aus, dass "wirtschaftliche Motive" im Vordergrund stehen, wundern sich aber gleichzeitig aufgrund des vergleichsweise geringen Materialwerts. Je nach Kabellänge dürften zwischen drei und sieben Kilogramm Kupfer für die Diebe herausspringen – macht im besten Fall weniger als 100 Euro. Zwar ist in Barsbüttel davon auszugehen, dass eine Gauner-Truppe 14 Kabel auf einen Schlag ergattert hat.
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Abgetrenntes HPC-Ladekabel. Der Schwarzmarktwert der Kupferleitungen liegt schätzungsweise unter 100 Euro.
Bild: Stefan Novitski
Im Vergleich zum Schaden für die Hersteller dennoch ein Witz. Laut Mer verursachen solche Diebesschäden schnell fünfstellige Kosten für den Betreiber. EnBW beziffert es noch etwas konkreter, kalkuliert mit 5000 bis 8000 Euro für die Instandsetzung eines Kabels nach einem solchen Diebstahl. Darin enthalten ist das neue Kabel, der Arbeitsaufwand für die Reparatur sowie die Eichrechtsprüfung, die für die Wiederinbetriebnahme vorgeschrieben ist. Außerdem der Umsatzverlust, denn die Ladesäule steht nach einem Kabeldiebstahl bis zu zwei Wochen still.

Ein durch und durch dämliches Verbrechen

Zum fetten Schaden an der Infrastruktur kommt der Ärger für die E-Autofahrer, die gewiss nicht jedes Mal vorab prüfen, ob die angestammte Ladesäule außer Betrieb ist. Diebstähle sind generell keine charmante Sache, doch die enorme Schieflage zwischen Ertrag und Schaden macht den Klau von Schnellladekabeln zum durch und durch dämlichen Verbrechen. Die Betreiber werden wohl in Sicherheitstechnik investieren müssen. Und wer das am Ende zahlen darf, dürfte klar sein ...
Schnellladepark EnBW Kamener Kreuz
Viel mehr als nur Kupferdrähte: Moderne Ladekabel sind extrem teure Hightech-Ware. Neben Strom fließen in den Kabeln auch Informationen zwischen Fahrzeug und Säule, die Leitungen sind zum Teil flüssigkeitsgekühlt.
Bild: Alexander Heimann

Das sagt die Polizei

"Die Diebstähle von Ladekabeln nehmen gefühlt zu", erklärt ein Polizeisprecher. Belegen lasse sich das allerdings nicht direkt, denn intern laufen solche Fälle unter der Kategorie Buntmetall-Diebstahl – gemeinsam mit geklauten Kupferrohren oder Dachrinnen auf Baustellen. Der große Unterschied: Während dort meist nur Schlösser oder Türen beschädigt werden, führen abgetrennte HPC-Kabel durch die tagelange Lahmlegung ganzer Ladeparks zu deutlich heftigeren Begleitschäden.
Die Täter schlagen meist nachts an abgelegenen Orten wie Industriegebieten zu – Orte, die kaum überwacht und für die Polizei schwer zu kontrollieren sind. Konkrete Maßnahmen zum Schutz der Ladeinfrastruktur gebe es aktuell nicht.
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Die Langfinger gingen nur auf die dicken Kabel, die 50-kW-Lader blieben verschont.
Bild: Stefan Novitski
In selteneren Fällen gehe es aber gar nicht um das Kupfer, so der Sprecher weiter. Die Kabel seien teils direkt hinter dem Stecker durchtrennt und in der Nähe liegengelassen worden – ein Hinweis auf reinen Vandalismus.

Eine Form stumpfer Nachahmung

Ob die Täter tatsächlich aus Frust über die Mobilitätswende oder bestimmte damit assoziierte Akteure handelten, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Doch teilweise lag der Verdacht nahe, dass es sich um eine Form stumpfer Nachahmung handelte, als in den USA während der Hochphase der Musk-Frustwelle Fahrzeuge des Herstellers Tesla mutwillig beschädigt wurden.

Fazit

von

AUTO BILD
Der absurde Klau von HPC-Ladekabeln dürfte noch teurere Konsequenzen haben. Denn Hersteller ziehen bereits in Erwägung, mit Sicherheitstechnik aufzurüsten, um ihre Ladeparks zu schützen. Angesichts der gravierenden Schäden erscheint es fast fahrlässig, dass die Polizei solche Fälle als bloße Buntmetalldiebstähle erfasst.