Laden an Straßenlaternen

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So bremst die Bürokratie das schnelle Laden an der Straßenlaterne aus

Ein Uni-Projekt in Koblenz entwickelt ein System zum Schnellladen von Elektroautos an Straßenlaternen. Doch die Behörden mauern! Dies ist der Stand des Laterne-Ladens, diese Systeme gibt es bereits.
Keine Frage, es tut sich was in Sachen Ladeinfrastruktur für E-Mobilität in Deutschland. Die Zahl der öffentlichen Ladesäulen wächst rasant, Kauf und Installation von heimischen Wallboxen werden weiter mit 900 Euro pro Ladepunkt gefördert. Und doch ist das Aufladen des eigenen E-Autos für viele Besitzer nach wie vor ein Problem. Wie praktisch wäre es da, sein E-Auto über Nacht, beim Kino- oder beim Friseurbesuch an einer Straßenlaterne zu parken und daran Strom zu zapfen?

Prof. Johannes Stolz von der Hochschule Koblenz erläutert den Umbau fürs Laden an Laternen.

©Hochschule Koblenz

An der Hochschule Koblenz wird bereits seit 2018 mit Unterstützung der Energieversorgung Mittelrhein (evm) an einer praktischen Lösung geforscht. Nun wurde das Patent für eine innovative Lademöglichkeit angemeldet, erste Einsätze von Prototypen in Remagen und Koblenz könnten noch in diesem Jahr erfolgen. Das Besondere: Die Ladeleistung soll dabei im Bereich von Schnellladern liegen. So zeigten Forschungsergebnisse, dass ein Straßenzug dauerhaft mit 102 Kilowatt (kW) und eine Stunde lang sogar mit 145 kW Strom versorgt werden kann. Diese Leistung würde dann an einzelne Ladepunkte aufgeteilt. In Versuchen kam schon heraus, wie viel Strom beim Flottenladen in einer Tiefgarage überhaupt nötig ist.

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Zweiter Vorteil: Es werden nur vorhandene Komponenten genutzt, zusätzliche Erdarbeiten wären nicht nötig. Es müsste lediglich eine Aufrüstung mit An- oder Nebenbauschränken erfolgen, an denen dann die Ladestation montiert werden könne, so die Forschenden. Und: Die Kosten würden gegenüber einem konventionellen Ausbau der Ladeinfrakstruktur um 30 Prozent reduziert.

Bürokratie bremst Entwickler aus

Nach Angaben von Projektleiter Johannes Stolz liegen die Pläne für einen großflächigeren Einsatz fertig in der Schublade. Dem im Weg stehe jedoch ein Problem: die Bürokratie. "Die Kommunen verwalten sich zu Tode. Die Geräte seien nicht standardisiert, die Verantwortlichkeiten unklar – diese und andere Einwände bremsen uns immer wieder aus", so der Professor des Fachbereichs Ingenieurwesen gegenüber AUTO BILD. Dabei seien mehrere Firmen an dem Ladekonzept interessiert, so Stolz. Inzwischen habe man angesichts der Hürden im öffentlichen Raum auch bei Discountern angefragt, auf deren privaten Parkplätzen auch Lichtmasten stehen. Stolz: "Die Hochschule will ja kein großes Geld damit verdienen. Wir verkaufen quasi nur unser Wissen."

Ubricity: Steckdosen wie Dockingstations

Ubricity ist schon seit Längerem in Großbritannien mit Lade-Laternen vertreten.

©Ubitricity

Doch nicht nur in Koblenz, auch anderswo wird die Idee des Laternenparkens mit Lademöglichkeit verfolgt. So hat der Energieriese Shell das Berliner Start-up Ubitricity übernommen. Ein Unternehmen, in das zuvor auch Siemens investiert hatte – und das laut Professor Stolz an einer Zusammenarbeit mit Koblenz interessiert gewesen ist. Der On-Street-Ladeanbieter für Elektrofahrzeuge betreibt in Großbritannien das größte öffentliche Ladenetzwerk für E-Autos. 2700 Laternen oder Straßenpoller sind dort mit Steckdosen wie Dockingstations ausgestattet. Auch in Berlin und NRW wurden bereits "SimpleSockets" installiert. Hinzu kommt bei der Ubitricity-Technologie ein im Ladekabel integrierter Stromzähler und ein daran gekoppelter Mobilstromvertrag. Zudem werden die E-Fahrzeuge während der Anschlusszeit zu smarten Stromspeichern im Netz.

Enercity: Laden für Anwohner

Bei Enercity aus Niedersachsen gibt es wenig Ladeleistung, dafür ist die Anschaffung günstig.

©Enercity

Energiedienstleister Enercity betreibt in Langenhagen (Region Hannover) das Zukunftsprojekt "Lade-Laterne". An fünf Orten sind Ladeboxen an Straßenlaternen montiert, der vorhandene Zugang zum Niederspannungsnetz wird zum Laden genutzt, was Aufwand, Kosten und Platzbedarf reduziert. Die Nachrüstung einer Straßenlaterne mit einem Ladepunkt kostet nach Angaben von Enercity mit rund 2500 Euro nur die Hälfte vom Bau und Anschluss einer herkömmlichen Ladesäule. Die maximale Ladeleistung liegt bei nur 4,6 Kilowatt, wodurch die Ladeplätze eher für Anwohner interessant sind, die ihr E-Auto über Nacht laden möchten.

Licht, Strom und WLAN

Im bayerischen Donauwörth haben die Stadt und der Energieversorger Lechwerke (LEW) unter dem Projektnamen "iLamp" drei Multifunktionsmasten (Smart Poles) zusätzlich zur LED-Straßenbeleuchtung mit einer Stromtankstelle und einem WLAN Access Point ausgestattet. Die Ladeleistung liegt bei 11 Kilowatt und damit auf dem Niveau von herkömmlichen öffentlichen Ladestationen. Der Dienst kann mit fast jeder Ladekarte genutzt werden.

Weitere Projekte zum Laternenladen in Großstädten

In der Ruhrpott-Metropole Essen stehen 15 intelligente Straßenlaternen, aufgestellt vom Energiemulti E.On, der Stadt und der Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (EVV). Fünf von ihnen sind mit eChargern mit satten 22 kW Leistung für kostenlosen Strom ausgestattet. Darüber hinaus liefern die "Smart Poles" Daten zur Parkraumnutzung und Luftqualität sowie schnelles WLAN-Internet. Eine ähnliche smarte Laterne testet Innogy seit 2018 in einem Ladepark an der A60 in der Region Trier. Bereits 2015 stellte EnBW unter dem Titel "SM!GHT" eine multifunktionale Straßenbeleuchtung mit Ladeanschluss für E-Autos vor. Ein Jahr später wurden in München und Leipzig jeweils vier Straßenlaternen mit der Möglichkeit zum Laden von Elektroautos eingeweiht.

Fotos: Ubitricity

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