Wie ein Anarchist sieht David Gabrysch nun wahrlich nicht aus. Und doch will der promovierte Ingenieur nichts weniger, als die Gesetzmäßigkeit außer Kraft zu setzen. Und zwar die, dass ein Reifenhandel ein Reifenhandel sein muss.

Der Düsseldorfer Manager will Euromaster ins Elektrozeitalter führen – mit dem Vertrieb und Service von günstigen E-Autos aus China.
Der Vorteil von Euromaster: Die Michelin-Tochter verfügt über Erfahrung und ist flächendeckend verbreitet. Allein in Deutschland gibt es 350 Filialen. Keine pompösen Hochglanz-Tempel, sondern klassische Werkstätten, die bislang vor allem mit Reifen und Bremsen ihr Geld verdient haben. (AUTO BILD und Euromaster helfen einem Leser in der Not)
Wenn auf der Autobahn ein Lkw einen Platten hat, kommt der mobile Service von Euromaster. Auch DHL lässt durch Michelin und Euromaster bei rund 45.000 Fahrzeugen die Puschen wechseln. "Unser Geschäftskundenanteil liegt bei etwa 60 Prozent", sagt Gabrysch. Euromaster ist einst aus den Firmen Gummi-Mayer und Stinnes-Reifendienst entstanden.
Euromaster
200 km Reichweite, 49 PS, max. 100 km/h: E-Knirps Pio (2,80 m), ab 9 Euro/Monat für Pflegedienste, Pizzaboten etc.
Bild: Holger Karkheck

So wie sich die Autobranche wandelt, so will und muss auch Gabrysch  die Werkstattkette umkrempeln. "In zehn Jahren werden wir deutlich über 50 Prozent E-Autos haben, dann sind wir die erste Anlaufstelle." Kooperationen mit Tesla und Genesis laufen bereits, alle Werkstattmeister sind auf der firmeneigenen Akademie Hochvolt-geschult.

Euromasters Partner ist Elaris

Nun geht Euromaster noch einen Schritt weiter und vertreibt selbst E-Autos. Partner ist Elaris, ein Start-up aus Rheinland-Pfalz. Es importiert chinesische Pkw, günstige Fahrzeuge wie den Pio, einen Zweisitzer. "Zum Beispiel können wir das Auto für Pflegedienste für nur neun Euro netto im Monat anbieten", sagt Gabrysch.
Privatpersonen bekommen den Knirps für 16.330 Euro abzüglich 6000 Euro Förderprämie. Mit 2,80 Metern passt er in jede Parklücke (Smart 2,69 m), hat einen 27-kWh-Akku und lädt mit 3,3 kW.
Daneben bietet Euromaster das SUV Beo an, ungefähr so groß wie ein VW Tiguan Allspace, für 48.915 Euro abzüglich 5000 Euro Umweltprämie. "Wir sind in dem Fall Vermittler", sagt Gabrysch. "Die Autos kauft der Kunde bei Elaris." Aber Probefahrt, Zulassung, Auslieferung, Inspektionen, Reparaturen – das alles leiste Euromaster. Man wolle das "E-Mobilitäts-Netzwerk" werden.
Euromaster
Den Beo von Elaris gibt’s für 48 915 Euro mit Vollausstattung.
Bild: Holger Karkheck

Und was ist mit Reifen? Rund ein Drittel aller Mikroplastik-Emissionen in Deutschland stammt von Reifenabrieb, hat eine aktuelle Studie ergeben. "Ich kann mir vorstellen, dass sich der Reifenabrieb zu einem weiteren wichtigen Qualitätsmerkmal für unsere Kunden entwickeln wird", sagt Gabrysch. Und was den CO2-Fußabdruck der Reifen angehe – da pflanze Euromaster Bäume mit CO2-Zertifikat als Ausgleich.

Euromaster forstet Wald bei Lüdenscheid auf

Für bestimmte Modelle einen Baum pro Satz Reifen. Man forste gerade einen durch den Borkenkäfer zerstörten Wald bei Lüdenscheid auf. Euromaster selbst nutze zudem inzwischen Ökostrom und wolle mittelfristig CO2-neutral werden. Mit anderen Worten: Der Reifenhändler will in die Puschen kommen.