Sprechen wir bei Elektroautos über Alltagstauglichkeit, geht es meist um die Reichweite – und deshalb viel zu oft darum, wer den dicksten Akku mit sich herumschleppt. Je mehr kWh Kapazität, desto besser. Doch diese Logik greift zu kurz. Denn nicht allein die Größe des Akkus entscheidet darüber, wie weit ein E-Auto kommt – sondern eben auch, wie effizient es mit der Energie umgeht.

Neuer CLA ist voll auf Effizienz getrimmt

Beim neuen Mercedes CLA 250+ sollen gleich drei herausragende Eigenschaften aufeinandertreffen. Ein großer Akku ist mit 85 kWh Nettokapazität definitiv gegeben. Dazu lässt sich dieser dank 800-Volt-Architektur extrem schnell laden. Richtiger Ladezustand und sachgemäße Vortemperierung vorausgesetzt, fließt der Strom in Spitzenphasen tatsächlich beim Laden mit über 300 kW in den Akku. Und zu guter Letzt soll der Stromer zu den Effizientesten seiner Art gehören.
Mercedes CLA 250+
Für die Ermittlung des Autobahnverbrauchs lief der CLA auf Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6 in der Dimension 255/40 R18. Der Eagle F1 Asymmetric soll einen geringen Rollwiderstand aufweisen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Bereits die zahlreichen aerodynamischen Maßnahmen sind vielversprechend. Wer den flachen CLA im Detail betrachtet, entdeckt spezielle Lufteinlässe in der Frontschürze, die in den vorderen Radhäusern münden, um die Verwirbelungen der Räder bei der Fahrt zu reduzieren. Der Unterboden ist komplett verkleidet, Fahrwerkslenker inklusive. Die Außenspiegel haben eine vergleichsweise kleine Spiegelfläche, versenkte Türgriffe und luftwiderstandsoptimierte Felgen. Mission erfolgreich, der cw-Wert liegt bei nur 0,21, viel mehr geht ohne vollverkleidete Radhäuser oder langgezogene Abrisskanten am Heck nicht. Für den Test haben wir aber extra noch besonders effiziente Sommerreifen aufgezogen.

Top-Wert bei 130 km/h

Und wie erwartet hat der Mercedes CLA 250+ im Test sehr beeindruckend abgeliefert. Sein Verbrauch bei 130 km/h: 18,1 kWh. Dabei handelt es sich, wie bei den anderen Testkandidaten auch, um den Bordcomputerwert, der über mehrere Hundert Kilometer auf freier Strecke bei Tempo 130 ermittelt wurde. Wir haben zwar schon ähnlich geringe Verbräuche bei anderen Stromern gemessen. Allerdings fand die Verbrauchsfahrt bei einer vergleichsweise niedrigen Außentemperatur von nur 11 Grad Celsius statt.
Mercedes CLA 250+
Der Mercedes CLA erwies sich im Test als herausragend sparsam. Entsprechend sortiert er sich weit vorne in unserer Bestenliste ein. Unter günstigeren Bedingungen (höhere Außentemperatur) wäre wohl eine noch bessere Platzierung möglich.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Und dabei wird nicht gemogelt – die Heizung bleibt während der Fahrt eingeschaltet. Insgesamt landet der CLA 250+ so auf Platz sechs unserer Top-Liste. Es kann aber durchaus sein, dass sich der Stromer bei einer Wiederholung des Tests im kommenden Jahr bei wärmeren Temperaturen noch weiter nach vorne schiebt.

Die Verbräuche bei 150 und 180 km/h sind beeindruckend

Top-Aerodynamik, Zweiganggetriebe – der CLA 250+ ist definitiv für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Und das zeigen auch die Verbräuche jenseits der Autobahnrichtgeschwindigkeit. Wer ein freies Stück Autobahn erwischt, der muss sich im CLA nicht zurückhalten. Über mehr als zehn Kilometer sind wir konstant 150 km/h und dann noch einmal 180 km/h gefahren.
  • Verbrauch bei 150 km/h: 22,8 kWh/100 km
  • Verbrauch bei 180 km/h: 31,4 kWh/100 km
Diese Messungen gehören üblicherweise nicht zum Testprogramm, doch die Werte sind beeindruckend. Einerseits wissen wir aus dem Testalltag, dass der Verbrauch vieler E-Autos bei diesen Geschwindigkeiten deutlich höher, teilweise um mehr als das Doppelte ausfallen kann. Andererseits käme der CLA selbst bei 180 km/h mit einem vollen Akku theoretisch 270 Kilometer weit.

Die effizientesten E-Autos: Stromverbrauch bei Tempo 130

Die effizientesten E-Autos: Stromverbrauch bei Tempo 130
Fiat 500 Elektro (87 kW/118 PS; 42-kWh-Akku)
August 2023
24 °C
17,2
Lynk & Co 02 (200 kW/272 PS, 66-kWh-Akku)
Mai 2025
23 °C
17,3
Tesla Model Y Long Range RWD (220 kW/299 PS; 77-kWh-Akku)
Juni 2025
18 °C
17,7
Hyundai Inster Select (71 kW/97 PS; 42-kWh-Akku)
Mai 2025
12 °C
17,8
Tesla Model 3 Performance (338 kW/460 PS; 79 kWh-Akku)
Juni 2022
22 °C
17,9
Mercedes CLA 250+
November 2025
11 °C
18,1
Smart #3 Premium (200 kW/272 PS; 66-kWh-Akku)
Juli 2024
22 °C
18,4
Opel Mokka Electric (115 kW/156 PS; 54-kWh-Akku)
Mai 2025
20 °C
18,9
Peugeot E-2008 (115 kW/156 PS; 54-kWh-Akku)
Oktober 2023
9 °C
19,1
BMW i4 eDrive40 (250 kW/340 PS; 80,7-kWh-Akku)
April 2023
13 °C
19,2
Kia Niro EV (150 kW/204 PS; 64,8-kWh-Akku)
August 2022
27 °C
19,5
BYD Dolphin (150 kW/204 PS; 60,4-kWh-Akku)
Juli 2023
21 °C
19,5
BYD Atto 2 (130 kW/177 PS; 45,1-kWh-Akku)
März 2025
16 °C
19,5
Skoda Enyaq iV 60 (132 kW/ 179 PS; 62-kWh-Akku)
August 2023
24 °C
19,7
VW ID.3 Pro (150 kW/204 PS; 62-kWh-Akku)
Mai 2023
20 °C
19,8
VW ID.7 Tourer Pro (210 kW/286 PS; 82-kWh-Akku)
Juli 2024
18 °C
19,8
MG 4 Electric (150 kW/204 PS; 64-kWh-Akku)
Oktober 2023
22 °C
20,0
Xpeng P7 RWD Long Range (206 kW/276 PS; 82,7-kWh-Akku)
Juni 2025
20 °C
20,0
Smart #1 Brabus (315 kW/428 PS; 66-kWh-Akku)
Juni 2023
21 °C
20,2
Ford Capri Extended Range (210 kW/286 PS; 77-kWh-Akku)
April 2025
16 °C
20,2
Elektromobilität muss vor allem auf der Langstrecke noch Boden gutmachen. Daher betrachten bei unseren Tests von E-Autos immer auch den Energieverbrauch bei konstantem Tempo auf der Autobahn. Hier zeigt sich, welche Fahrzeuge den Strom regelrecht verprassen – und welche effizient mit ihm haushalten. Antriebswirkungsgrad, Luftwiderstand (cw-Wert × Stirnfläche), Fahrwerk, Reifen – das Zusammenspiel dieser Faktoren entscheidet darüber, wie viel Energie auf 100 Kilometer durch die Wicklung rauscht.

Das Wettrüsten bei der Akkugröße stellt keinen Fortschritt dar

Statt künftig immer größere Batterien einzubauen, liegt der wahre Fortschritt in einem besseren Energiehaushalt: weniger verbrauchen – und nicht mehr mitschleppen. Denn mit mehr als 100 kWh Kapazität erreichen bereits heutige Akkupakete um die 700 Kilogramm Gewicht. Dieser Trend muss umgekehrt werden. Und das funktioniert nicht allein dadurch, dass die Energiedichte der Akkus steigt, sondern eben auch über effizientere Antriebe.
Um diesbezüglich den aktuellen Stand zu verdeutlichen, haben wir die Top 20 der effizientesten E-Autos zusammengestellt, die bei unserem Autobahn-Test bei konstant 130 km/h – und unter realistischen Bedingungen – besonders wenig aus dem Akku saugen, ganz egal wie groß der nun ist. Das Testprotokoll sieht vor, dass ein Großteil der Akkukapazität für den 130-km/h-Check aufgebraucht wird.
Bedeutet: Die 130 km/h werden nicht nur über ein paar Hundert Meter, sondern über Dutzende Kilometer gefahren. Windverhältnisse, topografische Unterschiede und andere Einflussfaktoren nivellieren sich dabei.
Bei den angegebenen Daten handelt es sich übrigens um den Bordcomputer-Wert. Die Bordelektronik misst in der Regel sehr genau, weist meist nur geringe Abweichungen im Rahmen von plus fünf und minus fünf Prozent auf. Ladeverluste spielen hier allerdings keine Rolle.
Tesla Model Y Long Range RWD
Auch größere Stromer können Topwerte auf der Autobahn erreichen, wie der aufgefrischte Tesla Model Y mit einem Verbrauch von 17,7 kWh/100 km bei 130 km/h beweist.
Bild: Tesla Motors
Die effizientesten Modelle kommen bei 130 km/h auf Werte von unter 18 kWh. Zum Vergleich: Die durstigsten Stromer liefern bei unserem 130-km/h-Autobahn-Test Werte von über 30 kWh pro 100 Kilometer. Ein Modell knackte den Negativ-Rekord und riss sogar die 40-kWh-Marke! Welches Auto das ist, sehen Sie ganz unten.
Es mag überraschen, dass der Fiat 500 Elektro den niedrigsten Verbrauch bei 130 km/h aufweist. Auf der anderen Seite sprechen jedoch einige Details für den Italiener: Der Stromer besitzt eine vergleichsweise kleine Karosserie. Aus aerodynamischer Sicht ist sie mit einem cw-Wert von 0,31 gewiss nicht genial gestaltet. In Verbindung mit der kleinen Stirnfläche schlüpft die süße Elektro-Kugel aber offensichtlich sehr reibungsarm durch den bei Tempo 130 nicht zu verachtenden Fahrtwind.
Hinzu kommt das geringe Gewicht von rund 1,4 Tonnen. Ja, auch das Gewicht spielt indirekt eine Rolle, denn geringe Lasten ermöglichen vergleichsweise schmale Reifen, zudem weniger Anstrengung in den Beschleunigungsphasen. Und die gibt es bei unserem ausführlichen Autobahn-Test nun mal auch, obwohl unsere Testfahrer versuchen, überwiegend mit konstant 130 km/h über die Bahn zu gleiten.
Dazu besitzt der 500 Elektro – obwohl er als Stadtflitzer im Niedrigpreis-Segment angesiedelt ist – mit seinem permanent erregten Synchronmotor (PSM) effiziente Technik. PSM-Motoren sind sparsamer, aber auch teurer als Asynchronmotoren (ASM), da hier wertvolle Rohstoffe für die Magneten benötigt werden und die Fertigung der PSM-Motoren aufwendiger ist.
Mercedes G 580 EQ
Negativer Spitzenreiter beim 130-km/h-Verbrauch ist die elektrische Mercedes G-Klasse. 41,7 kWh zeigte der Bordcomputer des G 580 EQ an. Wen wundert's: Vier E-Motoren kämpfen gegen die gewaltige Stirnfläche an (cw-Wert: 0,44). Trotz des gewaltigen 116-kWh-Akkus kommt die G-Klasse bei diesem Tempo keine 300 Kilometer weit.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD


Doch nicht nur kleine Modelle tauchen in der Top-20-Liste auf, auch SUV-artige Typen wie Skoda Enyaq, Tesla Model Y oder große Limousinen wie BMW i4 und Genesis G80. Sie alle liegen übrigens deutlich unter dem Mittelwert unseres 130-km/h-Autobahn-Tests.

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Dieser Mittelwert liegt nach der Messung von aktuell über 100 unterschiedlichen E-Autos bei fast exakt 24 kWh/100 km. Ganz am Ende dieser Liste steht übrigens der Mercedes G 580 mit EQ Technologie – keine große Überraschung. Der schwäbische Brocken (3,1 Tonnen Leergewicht) verbraucht bei 130 km/h satte 41,7 kWh/100 km. Und obwohl sein Akku mehr als dreimal so groß ist wie der des Fiat, kommt er bei dem Tempo nur wenige Kilometer weiter als der kleine Spitzenreiter.