E-Autos gebraucht: BMW i3, VW ID.3, Tesla Model 3 - Test
Im Check: Wie gut sind BMW i3, VW ID.3 und Tesla Model 3 gebraucht?
Test: BMW i3, Tesla Model 3, VW ID.3 gebraucht
Sie suchen einen neuen Gebrauchten? Unser E-Trio deckt einen breiten Einsatzzweck ab: drei Typen, die mehr Lust auf E-Mobilität machen.
Bild: AUTO BILD
Der Stecker liegt voll im Trend. Elektroautos konnten hierzulande zuletzt einen Marktanteil von immerhin zehn Prozent erobern. Das wirkt sich auch auf die Gebrauchtmarktpreise aus. Günstig sind die Vollstromer nicht zu haben, auch wenn sie längst durch das Raster einer möglichen E-Auto-Förderung gefallen sind.
In Zeiten angespannter Lieferketten und teils ungewisser Liefertermine preist der Handel die wenigen verfügbaren Exemplare spürbar teurer ein als noch vor einem Jahr. Und besonders unsere skandinavischen Nachbarn kaufen hierzulande dennoch gerne die verfügbaren E-Autos auf, um horrende Luxussteuern zu umgehen.
BMW i3 gebraucht ab 16.500 Euro
Im November 2013 starten die Münchener in das Elektroauto-Zeitalter. Die ersten i3-Modelle besaßen eine theoretische Reichweite von rund 150 Kilometern, sind also eher ein Fall für Stadtmenschen oder den klassischen Zweitwagen. Für Zusatzmeilen gab es optional eine Range-Extender-Version mit 34-PS-Verbrenner, der bei leeren Akkus als Stromgenerator einspringt. Später nachgereichte Akkupakete mit 33,2 und 42,2 Kilowattstunden Bruttovolumen verbesserten den Aktionsradius spürbar. Via CCS-Ladestecker sind bis zu 50 Kilowatt Ladestrom möglich.
Mit 170 PS (125 kW) im Heck sprintet der vier Meter kurze Münchener bei Bedarf auf 100 wie ein echter BMW. Ansonsten zelebriert man exklusives Anderssein. Die extrem steife Fahrgastzelle ist aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) gefertigt und bietet eine SUV-ähnliche Sitzposition.
Das Platzangebot genügt kleineren Familien, wobei der Kofferraum der limitierende Faktor ist. Zwar passt die Verarbeitung, aber die nachhaltigen Sitzbezüge und Türverkleidungen aus exotischen Kenaf-Fasern (ein subtropisches Malvengewächs) sind fleckenempfindlich. Eine Wärmepumpe kostete stets Aufpreis.
Gebrauchter VW ID.3 ab 35.000 Euro
Unser gebrauchter Testwagen ist ein frühes Sondermodell ID.3 Performance Upgrade Pro 1st. Das im Juli 2020 erstmals zugelassene Auto kostete neu 39.995 Euro. Mit 40.000 Kilometern ruft der private Anbieter aus dem niedersächsischen Harsefeld 37.900 Euro auf. Dennoch gehört das penibel gepflegte Exemplar zu den günstigeren Exemplaren am Markt.
Dank des Heckantriebs und des niedrigen Schwerpunktes ist der Fahreindruck der 204-PS-Version verblüffend agil und noch immer absolut klapperfrei. Die mittlere Akkuversion bietet 58 Kilowattstunden. Bei umsichtiger Fahrweise reicht das grob für 350 bis 400 Kilometer. Die maximal mögliche Ladegeschwindigkeit beträgt ab Mitte 2021 immerhin 120 Kilowatt. Beim größeren 77-kWh-Akku ist maximal 135-Kilowatt-Gleichstrom-Schnellladen möglich.

VW ID.3: 2,77 Meter Radstand lassen den ID.3 gestreckter wirken als einen Golf. 1,57 Meter sind Golf-Plus-Höhe.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Doch wo Licht ist, zeigt sich leider auch Schatten. Oftmals macht die VW-eigene E3-Software arge Probleme, sodass zwischen Baudatum und Auslieferung teilweise mehrere Monate lagen. Und auch bei der Qualitätsanmutung kann ein ID nicht mit einem Golf mithalten. Einfache Oberflächen und ein blechernes Türschließgeräusch kannte man so aus Wolfsburg lange nicht.
Over-the-Air-Updates sind ab Softwarestand 2.3 (seit September 2021) möglich. Und der Alltagsnutzen? Der 1,8-Tonner bietet je nach Lehnenstellung ein Kofferraumvolumen von 385 bis 1267 Liter. Dachlast und Anhängelast existieren dagegen nicht, was die Alltagstauglichkeit als Erstauto empfindlich einschränken kann.
Tesla Model 3 gebraucht ab 43.900 Euro
Als Performance-Variante ist der Tesla Model 3 ein Porsche-Turbo-Schreck mit (gefühltem) Warp-Antrieb. Neu war die Allradlimousine für Normalverdiener kaum erschwinglich. Im Dezember 2019 kostete das von uns gecheckte Exemplar inklusive Anhängerkupplung gut 62.000 Euro. Damit entfernte es sich meilenweit von der Idee des Volks-Tesla für 35.000 Dollar (in der Standardvariante). Auch gebraucht ist ein dickes Portemonnaie nützlich: Nach 110.884 Kilometern sind für unser Fotofahrzeug von privat 48.000 Euro fällig.
Optisch ist die beachtliche Laufleistung nur durch am Bordstein angefahrene Felgen, leichten Steinschlag und einen durch einen Parkrempler leicht beschädigten Stoßfänger vorn erkennbar. Und sie beweist: Ein Model 3 taugt offenbar auch für Vielfahrer. Sitze und Interieur sind bis auf etwas abgenutzte Schwellerverkleidungen und deutlich angescheuerte Gurte im Fond tadellos und bieten guten Komfort.

Beim Handling profitiert der Tesla Model 3 von seiner 48:52- Gewichtsverteilung. Der Fahreindruck ist äußerst agil.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Auch Klappern gehört nicht zum Handwerk. Die Limousine fährt voll auf der Höhe der Zeit. Und ist in manchen Details ihren Mitbewerbern spürbar voraus. 15-Zoll-Monitor und Infotainmentumfänge sind in der Premium-Mittelklasse unübertroffen.
Das Fahren mit dem erweiterten Autopiloten funktioniert geschliffen. Tesla hat die Funktionalität durch diverse Over-the-Air-Updates stetig verbessert. Und die Batterie? Sie bietet eine üppige nutzbare Kapazität von 73,5 Kilowattstunden. Die reale Reichweite schwächelt nach 110.000 Kilometern noch nicht messbar. Sie liegt je nach Fahrweise zwischen 350 und 450 Kilometern.
Laden ist durch das Tesla-Supercharger-Netzwerk einfach. In 20 Minuten sind via 250-kW-DC-Lader 308 Kilometer Reichweite möglich. Oder rechnerisch pro Stunde 920 Kilometer. Und sonstige Probleme? Im Ernstfall soll sich der Tesla (hoffentlich) via Selbstdiagnose melden. Regelservicetermine sind laut Hersteller nicht vorgesehen. Keine leichte Wahl also bei den dreien von der Strom-Tankstelle.
Technische Daten
BMW | Tesla | VW | |
|---|---|---|---|
Motor | PSM*/Heck | ASM* vorn + PSM* hinten | PSM*/Heck |
Batterieart | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku |
Dauerleistung | 75 kW (102 PS) | 155 kW (211 PS) | 70 kW (95 PS) |
Spitzenleistung | 125 kW (170 PS) | 377 kW (513 PS) | 150 kW (204 PS) |
Drehmoment | 250 Nm | 660 Nm | 310 Nm |
Höchstgeschw. | 150 km/h | 261 km/h | 160 km/h |
0-100 km/h | 7,2 s | 3,4 s | 7,3 s |
Akkugröße/Kraftstoff | 22 kWh/Strom | 80,5 kWh/Strom | 58 kWh/Strom |
Getriebe/Antrieb | Eingangautomatik/Hinterrad | Eingangautomatik/Allrad | Eingangautomatik/Hinterrad |
L/B/H | 3999/1775/1597 mm | 4694/1849/1443 mm | 4261/1809/1568 mm |
Kofferraumvolumen | 260-1100 l | 85 l + 340-1218 l | 385-1267 l |
Leergewicht/Zuladung | 1270/230 kg | 1931/374 kg | 1794/466 kg |
Unterhaltskosten
BMW | Tesla | VW | |
|---|---|---|---|
Testverbrauch | 15,0 kWh/100 km | 17,8 kWh/100 km | 14,5 kWh/100 km |
CO2 | 0 g/km | 0 g/km | 0 g/km |
Inspektion | 350-500 Euro | 0 Euro | 300-500 Euro |
Haftpflicht* | 400 Euro | 465 Euro | 331 Euro |
Teilkasko* | 434 Euro | 583 Euro | 362 Euro |
Vollkasko* | 615 Euro | 1015 Euro | 524 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 0 Euro | 0 Euro | 0 Euro |
Ersatzteilpreise*
BMW | Tesla | VW | |
|---|---|---|---|
Hochvoltbatterie | 15.351 Euro | 14.000 Euro | 17.660 Euro |
Steuereinheit E-Motor | 822 Euro | k. A. | 260 Euro |
E-Motor | 6319 Euro | k. A. | 5040 Euro |
Antriebswelle h. | 1082 Euro | 550 Euro | 831 Euro |
Wasserpumpe HV-Batterie | 312 Euro | k. A. | 387 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 915 Euro | k. A. | 820 Euro |
Bremsscheiben und -klötze | 607 Euro | 560 Euro | 664 Euro |
Infotainmentbildschirm | 2153 Euro | k. A. | 1351 Euro |
4 Sommerreifen | 635 Euro | 840 Euro | 480 Euro |
Fazit
Gesalzene Einstiegspreise sind die eine Seite der Medaille. Unser Gebrauchttest zeigt, dass mit jüngeren E-Autos je nach Modell selbst Vielfahrer glücklich werden können. Das positive Feedback der Fahrer ist bemerkenswert, die im Vergleich zum Verbrenner niedrigeren Betriebskosten zahlen sich langfristig aus.
Service-Links






























