Seit 2020 rollt mit dem ID.3 VWs erstes E-Auto vom Band, das von Grund auf als Elektroauto konzipiert wurde. Hier macht VW einiges anders als bisher und setzt neben einer reduzierten Bedienung vor allem auf Digitalisierung. Dank MIB3 ist das Fahrzeug voll vernetzt und immer online. Zum Marktstart waren aber einige Funktionen des Infotainments und des Fahrzeugs noch nicht verfügbar, außerdem konnte das System im Wettbewerb in Sachen Performance nicht wirklich mithalten (Hier geht's zum Connectivity-Check im ID.3). Zwar werden die Fahrzeuge mittlerweile mit vollem Funktionsumfang ausgeliefert und frühe Modelle bekamen ein Update in der Werkstatt, drahtlos funktionierte das alles aber eben noch nicht. Das ändert sich mit der neuesten Softwareversion, denn jetzt stellt VW das erste Over-the-Air-Update (OTA) für den ID.3 und den ID.4 zur Verfügung. AUTO BILD erklärt, wie das Update funktioniert und worauf Kunden zu achten haben.
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Wie funktioniert die Technik?

Per Funk schwirrt die neue Software direkt ins Auto. Im Infotainment-System werden die Fahrer über eine bereitstehende Aktualisierung benachrichtigt. VW-Besitzer müssen der Installation des Updates nur noch zustimmen – wie beim Handy. Den Rest erledigt das Auto von allein.

Wer bekommt das Update?

Das Update betrifft die beiden Elektro-Modelle ID.3 und ID.4. Bisher wurde die Software-Aktualisierung in rund 1000 VW-Elektro-Dienstwagen getestet. Die zweite Welle geht an den sogenannten "First-Movers-Club". Das sind VW-Elektroauto-Erstkunden, die sich in einer eigenen Facebook-Gruppe (3297 Mitglieder, Stand: 6. Juli 2021) zu ihren Erfahrungen mit E-Mobilität austauschen und sich dort auch mit Fragen direkt an VW-Mitarbeiter wenden können. Die restlichen ID.-Fahrer sollen nach und nach im dritten Quartal 2021 in den Genuss des Updates kommen.

VW ID.3 Over-the-Air Update
Zur EM lässt sich der Homebutton gegen die Landesflagge eines beliebigen Teilnehmers tauschen. Auch ein VW-Logo ist möglich.

Was müssen VW-Elektro-Kunden machen, um das Update zu erhalten?

Nicht viel. Besitzer eines ID.3 oder ID.4 müssen sich und ihr Auto nur beim Service "We connect" registrieren. Mit der fest im Auto installierten eSIM-Karte und einem "We connect"-Zugang kann der VW-Besitzer dann die Online-Services nutzen. Dazu gehören die OTA-Updates, aber auch Echtzeit-Navigationsdaten oder Steuerung von Fahrzeug-Funktionen per App (z.B. Türen entriegeln, Ladestands-Abfrage, Vorklimatisierung etc.).
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Was kostet das Update?

Für das Update fallen keine Kosten an, der "We connect"-Dienst ist für die ersten drei Jahre kostenfrei. Ob danach Kosten anfallen und wie hoch die ggf. sind, wurde bei VW bisher noch nicht festgelegt.

Wie funktioniert die Installation?

VW ID.3 Over-the-Air Update
Über eine solche Info-Ansicht erhalten Kunden einen Überblick darüber, was zum Update neu ist.
Das nötige Datenpaket für das Update zieht sich das Auto während der Fahrt eigenständig. Sobald die Daten komplett im ID-Modell angekommen sind, wird der Fahrer übers Zentraldisplay benachrichtigt. In einem Übersichtsbildschirm wird erklärt, welche Funktionen durch das Update verbessert werden. Danach muss der Kunde der Installation nur noch zustimmen, den Rest erledigt das Fahrzeug von selbst. Achtung: Während des Updates kann das Auto nicht gestartet werden, es benötigt eine Mobilfunkverbindung und einen Akku-Ladestand von derzeit mindestens 50 Prozent. Nach einigen Minuten (je nach Größe des jeweiligen Updates) ist das Auto wieder fahrbereit.
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Warum kann das Update nicht während der Fahrt aufgespielt werden?

Hier geht es laut VW um die Sicherheit des Autos. Vertriebsvorstand Klaus Zellmer erklärt: "Es ist schließlich etwas völlig anderes, ob man ein Update auf ein Smartphone oder ein Auto schickt. Geht das Smartphone-Update schief, kann man im schlimmsten Fall nicht mehr telefonieren. Im Auto hingegen darf nichts schiefgehen, es muss perfekt bremsen, lenken und blinken."
VW ID.3 Over-the-Air Update
Das Update kann mehrere Gigabyte groß sein, wird aber im Hintergrund geladen. Das Update startet nur im Stand.

Welche Vorteile bietet die Technik?

Früher war ein Auto ein in sich geschlossenes System. Sobald es aus der Fabrik rollte, konnte der Hersteller nur noch durch Eingriffe in der Werkstatt etwas daran verändern. Per OTA-Updates "evolutioniert sich das Auto ständig selbst, die Software wird permanent aktuell gehalten", so VW-Entwicklungschef Thomas Ulbrich. VW habe hier von Tech-Unternehmen gelernt: "Permanente Optimierung ist das Wichtigste", so Ulbrich. Mit dem Over-the-Air-Service wolle VW zudem die Kundenbindung und die Kundenzufriedenheit verbessern. Außerdem steigere sich der Werterhalt des Fahrzeugs durch die Verbesserungen. Hersteller und Kunden sparen Zeit, die bei einem Update in der Werkstatt nötig gewesen wäre.
VW ID.3 Over-the-Air Update
Nach der Fahrt erhalten die Kunden den Hinweis auf das Update.

Welche Verbesserungen sind bei VW zu erwarten?

Mittels OTA-Updates lassen sich beispielsweise, dem aktiven ID.Light im Innenraum mehr Funktionen zuzuweisen. Das ID.Light von VW ist ein LED-Lichtband unterhalb der Windschutzscheibe. Es unterstützt bei der Navigation, zeigt, ob ein Auto geladen wird, kommuniziert mit den Insassen. Zudem wird das Design und die Bedienbarkeit des Infotainment verbessert. Im aktuellen Update wurde beispielsweise ein unübersichtlich gestalteter Bildschirmhintergrund überarbeitet, der Fahrer kann den Home-Button jetzt individuell anpassen. Durch die neue Software soll z.B. auch die Umgebungserkennung des Autos durch Sensoren und Kameras, die Wirkungsweise des dynamischen Fernlichts und natürlich Performance und Stabilität des Gesamtsystems verbessert werden. Die Updates sollen in Zukunft regelmäßig veröffentlicht werden. VW will das Feedback der Kunden noch abwarten, plant aber ca. alle zwölf Wochen ein Update.
VW ID.3 Over-the-Air Update
Zur neuen Software-Version reduziert VW das Hintergrundbild, der Farbverlauf verschwindet.

Welche Hersteller können das sonst noch?

Tesla hat den Stein ins Rollen gebracht. Bei den deutschen Herstellern setzen unter anderem Audi, BMW, Mercedes und Porsche OTA-Updates ein. Auch Ford hat diese Art der Aktualisierung bereits angekündigt. Die Technik bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten – und die Hersteller werden diese nach und nach ausloten. Autofans dürfen gespannt sein!

Von

Raphael Schuderer