Der Kreditversicherer Allianz Trade sieht düstere Zeiten auf die europäischen Hersteller zukommen. China sei Vorreiter bei der E-Technik und werde dadurch in den kommenden Jahren immense Marktanteile dazugewinnen, heißt es in einer neuen Studie.

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Von 90 E-Modellen kommen 19 aus China

Sichtbar ist das schon jetzt: Bereits 2022 waren drei der meistverkauften E-Autos in Europa chinesische Importe. Etwa der Dacia Spring: Die Marke stammt zwar aus Rumänien, aber vom Band rollt der E-Kleinwagen in China. Von den bei uns aktuell angebotenen 90 E-Modellen werden bereits 19 ausschließlich in China produziert – hiesige Arbeitsplätze in der Produktion oder bei den Zulieferern fallen weg. 

BYD Seagull
War gerade in Shanghai auf der Messe zu sehen: BYD Seagull zum Basispreis von rund 10.000 Euro. Genau solche E-Autos sind die deutschen Hersteller bislang schuldig.
Bild: Hersteller

China arbeitet seit 15 Jahren an E-Mobilität

Jetzt mache sich bemerkbar, dass China schon vor 15 Jahren das Potenzial von Elektrofahrzeugen erkannt habe, heißt es in der Allianz-Studie. In dieser Zeit sei dort in den Aufbau eines wettbewerbsfähigen Ökosystems für Elektrofahrzeuge investiert worden. Ergebnis: 2022 verkaufte China mehr als doppelt so viele E-Autos wie Europa und die USA zusammen. 

China ist längst größter Automarkt

Rund 80 Prozent ihrer Elektroautos setzen die chinesischen Autobauer in ihrem Heimatland ab, dem längst größten Automarkt der Welt. Dadurch steigt ihr Marktanteil dort rasant an: von weniger als 40 Prozent im Jahr 2020 auf fast 50 Prozent im Jahr 2022. Gleichzeitig verlieren europäische Autobauer in China deutlich Marktanteile. Von den 20 meistverkauften Elektrofahrzeugen in China im Jahr 2022 wird nur eines von einem chinesisch-europäischen Joint Venture hergestellt.
Dacia Spring
Die rumänische Marke Dacia lässt den E-Kleinwagen in China fertigen.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD

Deutsche Kfz-Exporte nach China um 23,9 Prozent eingebrochen

Insgesamt gingen die Exporte von Fahrzeugen und Kfz-Teilen nach China im ersten Quartal 2023 um 23,9 Prozent zurück, so das Statistische Bundesamt. Volkswagen hat gerade angekündigt, in China mit einer neuen Submarke an den Start zu gehen – um auch bei der jüngeren Kundschaft wieder attraktiver zu wirken. Hintergrund: Meistverkauftes VW-Modell in China ist nach wie vor der Lavida – eine sehr klassische Limousine, kein trendiges E-Auto.
Volkswagen Lavida
Meistverkaufter VW in China ist der Lavida. Eine klassische Limousine, kein modernes E-Auto.
Bild: Hersteller

E-Marktführer in China ist BYD

Wer sich die aktuellen Top 10 der in China verkauften E-Autos anschaut, wird staunen. Platz eins belegt mit weitem Abstand BYD, gefolgt von Tesla. Als einziges deutsches Unternehmen ist BMW auf Platz neun dabei. Die Autoren der Allianz-Studie schätzen: Wenn chinesische Importe in Europa einen Marktanteil von zehn Prozent erobern, würde der europäische Automobilsektor bis 2030 rund 24 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren – die Zulieferer dabei noch nicht eingerechnet.
Brilliance Zhonghua
Der Brilliance Zhonghua ist 2005 das erste China-Auto bei uns. Vorgestellt damals auf der Messe in Leipzig. Groß wie eine E-Klasse, aber unter 20.000 Euro.
Bild: Ulrich Sonntag / AUTO BILD

Erstes China-Auto kam 2005 nach Deutschland

Erstaunlich ist die Geschwindigkeit, mit der Chinas Automobilwirtschaft gewachsen ist. Keine 20 Jahre ist es her, dass auf deutschen Messen das erste chinesische Auto gezeigt (und süffisant belächelt) wurde. Heute nun drängen Marken wie BYD, Nio oder MG auf den Weltmarkt und zeigen den etablierten Herstellern aus der Alten Welt, wie es geht. Oder haben sich diese gleich selbst einverleibt. Etwa der Geely-Konzern, zu dem unter anderem Volvo und Lotus gehören. Und der als größter Aktionär von Mercedes seinen Einfluss in Europa festigt. Ein Beispiel: Der neue E-Smart wird nicht mehr in Europa gebaut, sondern in – China.
MG 5
Moderne Internetseite: Hersteller wie MG sind längst in Deutschland angekommen. Und bringen hier mit dem MG 5 den ersten E-Kombi auf den Markt
Bild: Internet

MG bringt ersten E-Kombi

Längst haben die chinesischen Marken begriffen, womit sie im Mutterland des Automobils punkten können. Der erste Elektro-Kombi kommt nicht etwa von VW oder Opel. Sondern aus China, als MG5 mit sieben Jahren Garantie. Wie professionell die chinesischen Marken inzwischen bei uns auftreten, zeigen auch deren Online-Auftritte. Wer etwa bei BYD auf "Über uns" klickt, dem wird schnell klar, welches Potenzial da schlummert: "Wusstest du, dass wir als internationales Hightech-Unternehmen in vier Branchen tätig sind? […] Seit der Unternehmensgründung im Jahr 1995 haben wir unser fundiertes Fachwissen im Bereich wiederaufladbarer Batterien stetig weiterentwickelt …" Vom Batterie- zum Autohersteller. Die europäische Konkurrenz versucht es gerade andersherum.
Mit Erfolg? Die Allianz-Experten sind skeptisch: In wenigen Jahren würden die Kunden nur noch E-Autos verlangen. Und die kämen dann, so die Studie, weitgehend aus China. Unabhängig davon, ob das Logo einer chinesischen, amerikanischen oder europäischen Marke darauf klebe.

Kommentar

Früher waren Autos aus China dreiste Kopien, vom Smart bis zum BMW X5. Heute droht uns China zu überholen. Während bei uns noch die Ingenieure damit beschäftigt waren, den Diesel künstlich schönzurechnen, setzte man in Fernost längst auf E-Mobilität. Aus Klitschen sind Konzerne geworden. BYD etwa ist heute Weltmarktführer bei Autos mit Steckern (Hybride und rein elektrisch). Und wird noch in diesem Jahr mit fünf (!) E-Modellen auf dem europäischen Markt vertreten sein. Wenn wir  alten Autonationen, allen voran Deutschland, den Technologie-Vorsprung der Chinesen aufholen wollen,  braucht es wohl nicht weniger als das, was uns nach dem Krieg groß gemacht hat.  Ein Wirtschaftswunder. Mit Demut, Fleiß, Kreativität. Und weniger verkrusteten Strukturen in den Konzernen. Hochmut kommt vor dem Fall, lautet ein altes deutsches Sprichwort. Und ein chinesisches: Ist der Weg lang, erkennt man die Stärke eines Pferdes. Manchmal sind es auch Pferdestärken.