e.Go Life 60 im Test

e.Go Life 60: Test

Der e.Go Life fährt wie von gestern

Elektroautos wie der e.Go Life sind die Zukunft des Stadtverkehrs. Doch dieses fährt leider wie vor zehn Jahren. Erster Test!
Die folgenden Zeilen zu schreiben, ist nicht einfach und tut weh. Die Wahrheit zu sagen, ohne respektlos zu sein. Und ein Auto nicht zu empfehlen, dessen Idee großartig ist, richtig und wichtig. Dessen Macher großen Respekt verdienen, die aber an einigen Zielkonflikten zu scheitern drohen. Aber es muss sein, also los: Das Aachener Start-up e.Go trat mit dem Vorsatz an, ein kleines, sportliches, schickes, aber auch bezahlbares Elektroauto zu produzieren. Einen Stadt- und Zweitwagen zu Preisen ab 11.900 Euro (nach Abzug der E-Prämie).

Der e.Go Life kommt erstmal nur als Kleinserie

Technisch beschnitten: Die erste Serie des e.Go Life ist nicht auf Höhe des aktuell Machbaren.

Jetzt ist die Serienversion des e.Go fertig, die Fabrik in Aachen auch. Das ist doch schon mal was. Knuffig sieht der e.Go Life 60 aus. Steht breitbeinig da, 225er-Reifen auf 17 Zoll, breite Spur, keine 3,40 Meter kurz. Ein Kampfzwerg. Professor Günther Schuh, Vater des Life und Boss der e.Go Mobile AG, steht stolz davor, lächelt – und verkündet die Hiobsbotschaft: Der Zulieferer des ESP habe die Homologation verweigert und werde dies erst im Herbst 2019 nachholen. Die Folge ist eine Kettenreaktion: Der Life ist in der "First Edition" zunächst nur als Kleinserie (1000 Stück) zugelassen, die Rekuperation (Bremsenergie-Rückgewinnung) ist aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. So steigt der Verbrauch auf über 24 kWh, sinkt die Reichweite auf rund 100 Kilometer und die Dauerleistung auf 25 kW (statt 32). Das alles zu einem Preis von 24.650 Euro.

Das Fahrwerk ist hoppelig und wenig komfortabel

Er poltert und rappelt: Der e.Go Life fordert von seiner Besatzung reichlich Nehmerqualitäten.

Der Life ist eine Zeitmaschine – willkommen im Jahre 2008, dem Beginn der E-Mobilität. Mit dem Noch-nicht-ganz-aber-bald-Serienmodell wünscht uns Schuh eine schöne Fahrt. Es ist die Topversion, der Life 60. Wir fahren auch über Autobahn und Landstraßen, doch die natürliche Umgebung des Life ist die Innenstadt. Auf dieser Probefahrt zeigen sich leider schnell die Schwächen des Life, die auch das putzige Äußere nicht kaschieren kann. Man muss es so deutlich sagen: Der häufig despektierlich verwendete Begriff "E-Mobil" trifft hier leider zu – es ist ein Plastikauto. Trotz Antriebsstrang von Bosch: Der Kleinstwagen macht nur Spaß, wenn er im "Sport"-Modus gefahren wird. Und dann steigt der Verbrauch noch weiter. Der "Comfort"-Modus reicht so zum Mitschwimmen im Stadtverkehr, in "Eco" macht's wirklich keinen Spaß mehr.
Auch mit eher aufwendigem Fahrwerk, breiter Spur und tiefem Schwerpunkt hoppelt der e.Go mehr, als dass er komfortabel rollt. Es poltert und rappelt. Positiv ist die erhöhte Sitzposition, doch leider fehlt den Sitzen jeder Seitenhalt, und sie quietschen schon im Neuwagen. Für den Autor (1,92 Meter) ist es quasi unmöglich, auf die beiden Rücksitze zu kommen und dort länger als fünf Minuten zu sitzen.

Beim Laden braucht man im Moment noch viel Zeit

Geduldsprobe: Mehr als 3,7 kW Ladeleistung sollte nicht anliegen – und dann dauert das Laden.

Wie sehr ein bezahlbarer Preis die Qualität beeinflusst, zeigt sich besonders im Innenraum, wo neben Teilen anderer Hersteller viel billigstes Hartplastik zum Einsatz kommt. Es ist schwer, sich wohlzufühlen. Touchscreen (1200 Euro) und Klima (1700 Euro) kosten extra. Und auch das Laden ist eine Zeitreise: Mehr als 3,7 kW Ladeleistung soll den Samsung-Rundzellen zunächst nicht zugemutet werden. 2020 sollen rund 10.000 Life aus dem blitzsauberen Werk in Aachen rollen. Dann auch die Versionen Life 20 und Life 40. Der Kleinste kostet tatsächlich ab 11.900 Euro. Dafür gibt es dann aber ein 20-kW-Motörchen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 112 km/h und einer Reichweite, die 100 Kilometer nicht übersteigt. Das konnte vor zehn Jahren in etwa auch schon der Mitsubishi i-MiEV. Wer sich die First Edition für fast 25.000 Euro gönnt, bekommt übrigens einen Rabatt von 1750 Euro – wegen der Unannehmlichkeiten ...
Technische Daten e.Go Life 60*:Motor: E-Motor, hinten • Antrieb: Heck • Leistung: 55 kW (Dauerleistung 32 kW) • Akkugröße: 23,5 kWh • Reichweite: max. 145 km • Länge/Breite/Höhe: 3348/1748/1581 mm • Leergewicht: 1210 kg • 0–50 km/h: 3,5 s • Vmax: 142 km/h • Verbrauch (WLTP): 16,2 kWh/100 km • Ladezeit: 6,9 bis 9,8 Std. • Sitzplätze: 4 • Preis: ab 19.900 Euro
* Serienversion ab Herbst 2019, Werksangaben
Das Fazit von Hauke Schrieber: "So hart es klingen mag: Stand jetzt ist der e.Go Life keine Kaufempfehlung. Ob die wirkliche Serienversion ab Herbst 2019 an diesem Urteil etwas ändert, bleibt zu hoffen. Doch dann kommen auch die nächsten VW e-Up und Renault Zoe."
AUTO BILD-Testnote: 3-

e.Go Life 60 im Test


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