Ebicos Schlafmodul im Test
Mit diesem Heckauszug gibt's mehr Platz im Bulli

Mehr Platz im Bulli hatte sich Gelegenheitscamper Marcel Graf schon lange gewünscht. Seine Lösung: ein außergewöhnliches Schlafmodul für die Heckklappe.
Bild: Christian Bittmann
Der VW Bus beflügelt die Fantasie von Campern mit handwerklichem Geschick schon lange. Ob Hoch- oder Schlafdach, Oldtimer oder Neuwagen, komplex oder simpel. Ausgebaute Bullis gibt es in jeder Variante. Da ist es gar nicht so leicht, etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Marcel Graf aus Rothenburg/Oberlausitz ist das gelungen.

Mit Muskelkraft wird der Auszug ins Heck geschoben.
Bild: Christian Bittmann
Unter dem Namen Ebicos baut er ausgetüftelte Schlaf- und Kochmodule für alle gängigen Kleinbusse und Hochdachkombis. Der Name hat übrigens eine Bedeutung: Easy build innovative caravan of Saxony, kurz: Ebicos. Das Besondere: Bei dem Schlafmodul handelt es sich um einen manuellen Slide-out, der aus dem Heck herausgezogen wird und so mehr Platz im Innenraum schafft.
Schlafmodul Bulli: Geht nicht, gibt's nicht
Die Idee dazu hatte Marcel Graf schon lange. Als Handwerker und Gelegenheitscamper suchte er vergeblich nach einer Lösung, seinen Transporter, den er zum Arbeiten braucht, am Wochenende schnell und einfach in einen Camper verwandeln zu können. Und was macht ein Mensch mit zwei rechten Händen, wenn es nichts Passendes gibt? Na klar, er baut etwas Passendes! Während der Coronapandemie und der Lockdowns hatte Marcel Graf schließlich genug Zeit, um seine Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Daraus entstand das Modell Happy Dreamer.

Die Seitenwände klappen nach unten. Deckel drauf, fertig!
Bild: Christian Bittmann
Der Clou: Der Slide-out funktioniert rein händisch, das heißt ohne Elektromotoren, die das Schlafmodul schwer und teuer machen würden. Außerdem ist es ganz ohne Werkzeug herausnehmbar. Das war Marcel Graf wichtig. Schließlich soll das Fahrzeug flexibel bleiben. Dank eines selbst entwickelten und ausgetüftelten Schienensystems mit einer Funktion zum Einhaken bleibt das Happy-Dreamer-Modul auch während der Fahrt sicher an seinem Platz.
Heckauszug T6: Schlafmodul mit Aufstellfenster
Am Campingplatz angekommen, muss der Kasten nur ganz leicht angehoben und ein Stück herausgezogen werden. Dann kommen die Beine darunter. Im Anschluss kann das Modul auf die Endposition gezogen werden. Eine zusätzliche Stütze unter der Stoßstange des Bullis sorgt für eine Entlastung der Konstruktion. Dann wird die Heckklappe ins Dach der Box eingehakt. Besonders clever: An der Rückwand befindet sich ein aufstellbares Fenster, um nachts ausreichend lüften zu können.

Ein Fenster im Heck sorgt für ausreichend Belüftung in der Nacht.
Bild: Christian Bittmann
Im Innenraum muss nun das Bett -gebaut werden. Dafür verlängert Marcel Graf die Liegefläche mit einem Rahmenstück, klickt die einzelnen Lattenroste in die Aussparungen ein und puzzelt die Polster zusammen. Ist alles an Ort und Stelle, bleibt im Bus trotzdem noch jede Menge Platz, um sich frei zu bewegen. Dieser Raum fehlt bei anderen Schlafmodulen, die es bereits auf dem Markt gibt.
Bettkonstruktion VW-Bus: Dichtung mit Befestigung aus Bootsbedarf
Bleibt nur noch die Frage nach der Dichtigkeit. Schließlich ist das Modul ein einfacher Kasten und nicht an die Form des Busses angepasst. Bei Regen würde es drinnen also ordentlich nass werden. Doch auch dafür hat Marcel Graf eine Lösung gefunden. Er entwickelte spezielle Abdichtungen, die zwischen Box und Fahrzeug eingesetzt werden. "Die Befestigung dafür stammt aus dem Bootsbedarf", erklärt der Erfinder.

Im T6 misst das Bett ca.1,40 Meter in der Breite. Passend für zwei Camper.
Bild: Christian Bittmann
"Ich habe mich lange damit beschäftigt, was die beste Lösung wäre, und bin dort fündig geworden." Die Dichtstücke werden ganz einfach mit Seilen an einer Kammklemme festgemacht. Ebenso funktioniert die Befestigung des Sicherungsnetzes, das während der Fahrt ans Modul angebracht wird. Alle Einzelteile zum Bettenbau finden während der Fahrt nämlich in der Schlafbox Platz. Auf- und Abbau dauern nur wenige Minuten.
Küchenmodul Bulli: Box mit Spüle und Gaskocher
Schlafbereit ist der VW T6 nun, doch zum Campen fehlt noch eine Küche. Deshalb hat der Ebicos-Gründer gleich ein zweites Modul mit dem hübschen Namen Happy Cook gebaut. Auch das lässt sich selbstverständlich herausnehmen und hat einige clevere Features.

Das Happy-Cook-Modul samt Wasser und Kocher gibt es für 950 Euro.
Bild: Christian Bittmann
Die Box verfügt über zwei Klappen, eine obere und eine seitliche, die jeweils den Stauraum und die Wassertanks freigeben. Das Kochmodul enthält nicht nur einen Kocher und genügend Platz für Geschirr, sondern auch eine kleine Spüle mit Wasserversorgung und elektrischer Pumpe. Damit die Küche so flexibel und autark bleibt wie das Schlafmodul, arbeitet Marcel Graf hier mit Blockbatterien, die bei Bedarf ganz einfach auch von Laien getauscht werden können.
Flexibles Modul VW Bus: Camper bei Bedarf
Gedacht ist die Küche ebenfalls als Auszug. Im Bulli des Erfinders steht sie hinter der Trennwand zum Fahrerhaus auf dem gleichen Schienensystem mit Einhakfunktion wie auch das Schlafmodul. Möchte man draußen kochen, wird der Kasten aus der offenen Schiebetür gezogen und ebenfalls mit eingesteckten Stützbeinen gesichert. "Die Module bestehen beide aus stabilem und leichtem Polypropylen. Nur die Klappen der Küche sind aus Multiplexplatten. Das ging wegen der Ausschnitte nicht anders", erklärt Marcel Graf.
Ein besonderes Augenmerk hat der Tüftler von Beginn an auf Flexibilität gelegt. Der Bulli sollte stets mehrere Rollen im Leben des Besitzers oder der Besitzerin spielen können. Wie in seinem Fall: Handwerkskarre im Alltag, kleiner Camper am Wochenende. Da sich das Schlafmodul zusammenfalten lässt, braucht man nicht einmal eine große Garage zum Verstauen. Nur zwei weitere Hände zum Herausnehmen aus dem Heck sind sinnvoll.
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