Wer ein Elektroauto fährt, kennt bestimmt diesen Ärger: Man steuert bei Lidl, Aldi Süd, Bauhaus, Kaufland oder Ikea die Ladesäule an, um während des Einkaufs kostenlos den Akku zu füllen – doch da steht schon einer.
Verblüffend jedoch, wenn man beim Heranfahren sieht: Der Fahrer sitzt ja drin! Oder aber: Man parkt, kauft ein, kehrt zurück, und das Auto tankt noch immer an der Discounter-Ladesäule. Klarer Fall: Es handelt sich um einen sogenannten Ladeschnorrer.
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Dieses Phänomen ist fast so neu wie die Gratis-Ladesäulen von Aldi und Co: E-Autofahrer, die das kostenlose Stromangebot dreist missbrauchen. Anstatt nur während des Einkaufs zu laden, stöpseln sie ihr Auto rasch an und verschwinden. Machen irgendwas, gehen spazieren oder Kaffee trinken – aber kaufen nicht ein und blockieren die Säule, oft stundenlang.

Geheime Netzwerke von Elektroauto-Fahrern?

Erboste Kunden berichten von Ladeschnorrern, die im Büroblock gegenüber arbeiten und mit ihrem E-Auto den ganzen Tag über die Gratis-Ladeplätze vom Supermarkt oder Baumarkt blockieren. Einige behaupten sogar, es existierten regelrechte Netzwerke von Teslafahrern, die sich gegenseitig den Platz freihalten – und der Ehrliche sei der Dumme.
AUTO BILD hat nachgefragt, wie die Handelsketten auf das Problem reagieren.

Wie viel kostet das Laden von E-Autos bei Aldi Süd?

Bisher war das E-Auto-Laden bei Aldi Süd kostenlos. Aber nicht mehr lange: Seit dem 1. Juni 2022 werden an jedem der tausend Ladepunkte Gebühren fällig. Die Reaktion auf immer mehr Ladeschnorrer hat aber auch einige Vorteile für die Nutzer: Mit dem Bezahlsystem macht Aldi Süd auch das Laden jenseits der Geschäftsöffnungszeiten möglich.
BMW i3 an Strom-Tankstelle bei Aldi Süd
Bei Aldi Süd hat man das Problem erkannt und steuert jetzt gegen: Stromtanken kostet dort seit Juni 2022 für alle – aber der Tarif ist günstig.
Ein weiterer Lichtblick: Das Laden könnte für viele günstiger sein als an der heimischen Wallbox. Denn an gewöhnlichen 22-kW-Ladestationen berechnet Aldi Süd nur 29 Cent pro Kilowattstunde. An den etwa zehn Prozent CCS-Schnellladern mit maximal 150 kW kostet die Kilowattstunde 39 Cent – im Vergleich mit Ionity oder anderen Anbietern ist das ebenfalls sehr günstig.

Wie wird der Aldi-Strom künftig bezahlt?

Bezahlt wird bequem per Kredit- oder Girocard (oft noch EC-Karte genannt). Auch das Bezahlen über Google- oder Apple Pay soll bald möglich sein. Aldi Süd teilte gegenüber AUTO BILD mit, dass die neue Bezahlfunktion nicht überall zeitgleich eingeführt werde. Auch die neuen Ladezeiten werden nicht einheitlich sein: "Wo immer möglich, von 6 bis 22 Uhr – auch an Sonn- und Feiertagen." An einigen Standorten soll es sogar rund um die Uhr und sieben Tage die Woche möglich sein.
ALDI SÜD baut flächendeckendes Netz von Elektrotankstellen - Der Schriftzug «Sonne tanken» steht bei der Eröffnung einer neuen Ladestation für Elektroautos auf einem Aldi-Parkplatz nahe der Autobahn 5 (A5) über der Ladestation. Aldi Süd nimmt die erste von 28 neuen Schnellladestation in Betrieb.
Die Aldi-Süd-Ladesäulen werden bald auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten nutzbar sein. Bezahlt wird dann per Kredit- oder EC-Karte.
Auch die Begrenzung auf maximal eine Stunde Ladedauer, die bisher bei Aldi Süd galt, fällt weg. Bleibt abzuwarten, ob der Discounter in naher Zukunft Blockiergebühren erheben wird – viele Energieversorger schlagen inzwischen einen Strafbetrag auf, wenn E-Auto-Fahrer zu lange an einer der knappen Ladesäulen parken.

Wie denkt Aldi Nord über Ladeschnorrer?

Auch der zweite Aldi-Konzern, Aldi Nord, betreibt an seinen Supermärkten Ladestationen zum kostenlosen Füllen der Akkus. Allerdings verfährt man hier deutlich vorsichtiger als die Kollegen im Süden; es gibt bisher nur sehr wenige Standorte.
In puncto Ladeschnorrer antwortete Aldi Nord auf AUTO BILD-Anfrage: "Zu den von Ihnen beschriebenen Problemen fehlen uns bislang flächendeckende Erkenntnisse." Aber der Firmensprecher hat auch eine gute Nachricht für alle, die das Gratis-Laden lieben: "Eine Registrierungspflicht halten wir jedoch nicht für das richtige Instrument."

Was tut Bauhaus gegen Gratislader-Missbrauch?

"Die Herausforderung durch Ladeschnorrer ist uns bekannt", sagt ein Sprecher der Heimwerkermarkt-Kette Bauhaus gegenüber AUTO BILD. Traurige Konsequenz: "Wir gehen dazu über, dass kostenloses Laden nicht mehr möglich sein wird." Im Zuge dessen wird Bauhaus seine Ladesäulen zentral vom Energieversorger EnBW bewirtschaften lassen.
Wann das Laden bei Bauhaus nach EnBW-Tarif abgerechnet wird, ist noch nicht ganz klar: "Hängt davon ab, wann die einzelnen Standorte ans Netz gehen – wir rechnen im Lauf des Jahres [2022, d. Red.] damit", so der Bauhaus-Sprecher. Ob es einen Rabatt auf Kundenkarte oder Ähnliches als Kaufanreiz geben soll, ist noch Gegenstand von Überlegungen.

Kennt Lidl ein Mittel gegen Ladesäulen-Blockierer?

"Wir prüfen intensiv, wie wir eine dauerhafte Blockade der Ladesäulen vermeiden", so eine Sprecherin des Discounters Lidl gegenüber AUTO BILD. Doch einen Übergang zu kostenpflichtigem Laden zieht man beim – nach eigenen Angaben – größten Discounter der Welt derzeit noch nicht in Erwägung.

Ladeschnorrer haben bei Lidl leichtes Spiel

Seit Anfang Februar 2022 ist das Laden vor einem Lidl-Markt zwar auf maximal eine Stunde begrenzt; die Säule wird nur freigegeben, wenn man den QR-Code auf der Säule mit der Lidl-E-Charge-App scannt. Damit war es dann aber schon: Wer nach den 60 Minuten Gratis-Laden den Vorgang von Neuem beginnt, hat freie Bahn! "Eine aktive Unterbindung eines zweiten Ladevorgangs direkt im Anschluss an einen vorangegangenen Ladevorgang erfolgt derzeit nicht", teilt eine Lidl-Sprecherin auf Anfrage von AUTO BILD mit.
Als "ersten Schritt für bessere Planbarkeit" verkauft Lidl die Implementierung der Ladefunktion in eine weitere App: die Lidl-Plus-App. So sehen E-Autofahrer mit einem Blick auf die App, ob eine Ladesäule gerade frei ist. Wie das gegen Ladeschnorrer helfen soll, ist allerdings unklar.

Das sind die zurzeit besten E-Autos

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
BMW iX
UVP ab 77.300 EUR, Ersparnis: bis zu 13.386  EUR
Kia EV6
UVP ab 44.990 EUR, Ersparnis: bis zu 14.069 EUR / im Leasing schon ab 274  EUR
Mercedes EQS
UVP ab 97.807 EUR, Ersparnis: bis zu 6152  EUR
Hyundai Ioniq 5
UVP ab 41.900 EUR, Ersparnis: bis zu 12.280 EUR / im Leasing schon ab 234  EUR
Audi Q4 e-tron
UVP ab 41.900 EUR, Ersparnis: bis zu 12.420 EUR / Leasing-Bestpreis: 89  EUR
Skoda Enyaq iV
UVP ab 34.600 EUR, Ersparnis: bis zu 11.584 EUR / Leasing-Bestpreis 124  EUR
Mazda MX-30
UVP ab 34.490 EUR, Ersparnis: bis zu 13.035 EUR / im Leasing schon ab 90  EUR
Smart EQ fortwo
UVP ab 21.940 EUR, Ersparnis: bis zu 8240 EUR / im Leasing schon ab 77  EUR
Tesla Model 3
UVP ab 46.560 EUR; Ersparnis: bis zu 7975 EUR / Leasing-Bestpreis 289 ,00 EUR
Opel Corsa-e
UVP ab 30.400 EUR; Ersparnis: bis zu 11.920 ,00 EUR
Volvo XC40 Recharge
UVP ab 48.650 EUR; Ersparnis: bis zu 9570 ,00 EUR

Warum Famila weiter Strom verschenkt

Die Supermarktkette Famila hat in Norddeutschland bisher 37 Standorte mit Ladesäulen bestückt und baut das Angebot kontinuierlich aus. Kunden können dort für eine Stunde kostenlos Strom zapfen.
"Wir haben bislang keine Probleme mit Ladeschnorrern festgestellt, deshalb ist derzeit keine Änderung geplant", sagt eine Firmensprecherin. Der Service, eine Stunde kostenlos zu laden, solle für die Famila-Kunden so einfach wie möglich gehalten werden.

Wann stoppt Ikea das Gratis-Laden?

"Wir sind uns des Problems bewusst", antwortet Ikea auf die Anfrage von AUTO BILD. Derzeit arbeite man noch an Lösungen, um Ladeschnorrern das Handwerk zu legen. Grundsätzlich können E-Autos bisher kostenlos vor allen Ikea-Einrichtungshäusern aufgeladen werden, unabhängig von einem Einkauf dort. Die Ladesäulen stehen allerdings nur während der Öffnungszeiten zur Verfügung.
Dacia Spring E-Auto Ikea Gratis Laden
Beim Möbelhaus Ikea denkt man gerade darüber nach, das kostenlose Laden an den eigenen Ladesäulen zu regulieren.
Der schwedische Möbel-Discounter hat inzwischen alle 154 Filialen in Deutschland mit insgesamt 200 Ladepunkten für E-Autos ausgestattet. Der Strom kommt vielfach direkt von riesigen Fotovoltaik-Anlagen auf dem Dach. Die Ladedauer ist auf 90 Minuten begrenzt – danach muss der Vorgang lediglich neu gestartet werden, solange keine Kontrolle erfolgt.

Hat Kaufland die Schnorrer im Blick?

Beim Handelskonzern Kaufland, der wie Lidl zur sogenannten Schwarz-Gruppe gehört, gibt es an 140 Filialen immerhin rund 270 Ladepunkte. Das Laden ist dort ebenfalls kostenlos. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass die überwiegende Mehrheit unserer Kunden die E-Ladestationen ausschließlich für die Dauer ihres Einkaufs nutzt."
Kaufland eröffnet 100. Schnellladestation für Elektroautos
Auch bei Kaufland ist das Laden bisher gratis. Eigentlich nur eine Stunde pro E-Auto – aber einige halten sich nicht daran.
Auch ansonsten beantwortet Kaufland AUTO BILD-Fragen mit freundlichen Floskeln. "Um auch anderen Kunden das Laden ihres Elektroautos an unseren Ladesäulen zu ermöglichen, bitten wir unsere Kunden die Parkfläche nach ihrem Einkauf in der Filiale direkt zu räumen."
Wenn sie das nicht tun, passiert allerdings nichts. Immerhin gibt es wie bei Lidl ein elektronisches Limit, das zumindest das stundenlange Blockieren einer Ladesäule unattraktiver werden lässt: Per eCharge-App muss ein QR-Code auf der Ladesäule gescannt werden, dann startet der Ladevorgang für exakt 60 Minuten. Das funktioniert übrigens auch ohne die App. Einziger "Vorteil" der App: Man sieht schon vor Ankunft, ob eine Ladesäule frei ist.

Von

Roland Wildberg