Elektromobilität
China dominiert den E-Auto-Weltmarkt

Wohin geht die automobile Entwicklung? Wie tickt der Markt? Prof. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management analysiert die globalen Trends in der Elektromobilität.
Bild: BYD
Die Elektromobilität hat weiterhin hohe Wachstumsraten. So wurden 2023 weltweit neun Millionen vollelektrische Pkw verkauft – 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ergab eine Untersuchung vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.
Den stärksten Anteil an dieser Entwicklung hat China. Mit 5,1 Millionen neu zugelassenen E-Autos (plus 21 Prozent) kletterte der nationale Elektro-Marktanteil im Jahr 2023 auf 23,7 Prozent. Doch das ist nicht alles: 57 Prozent aller weltweit verkauften E-Autos stammen aus chinesischer Produktion. "Damit bestätigt China seine globale Stellung als Leitmarkt der Elektromobilität", sagt Studienleiter Prof. Stefan Bratzel.
Die anderen automobilen Kernregionen – Europa und die USA – steigerten ihre Elektro-Neuzulassungen ebenfalls, befänden sich jedoch "noch in früheren Entwicklungsphasen", so das CAM. Demnach kam Europa 2023 auf rund zwei Millionen E-Autos (plus 27 Prozent), was zu einer Steigerung des Elektroanteils an den Gesamtzulassungen von 13,9 auf 15,7 Prozent führte. Dagegen fallen die USA mit 1,2 Millionen E-Autos und einem Marktanteil von 7,7 Prozent ab. Zusammen kommen die Hersteller aus Europa und den USA auf gerade mal 35 Prozent des weltweiten E-Auto-Absatzes.

2023 war das Mittelklasse-SUV Tesla Model Y das weltweit meistverkaufte Auto.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Eine chinesische Besonderheit: Plug-in-Hybride erfreuen sich anders als in Europa oder den USA steigender Beliebtheit und legten 2023 um satte 82 Prozent zu. Die lokalen Akteure setzen auf immer größere elektrische Reichweiten von teilweise über 200 Kilometern oder verbauen Verbrennungsmotoren als Stromgenerator.

Der als Golf-Nachfolger angedachte VW ID.3 kam bislang nicht so richtig in Fahrt.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Mehr als 80 Prozent des globalen Elektroauto-Absatzes 2023 teilen sich zehn Autohersteller. Die drei größten – Tesla, BYD und der Volkswagen-Konzern – sind zusammen für knapp die Hälfte (46 Prozent) aller Neuzulassungen verantwortlich. Tesla steigerte als globaler Marktführer seine Auslieferungen um 38 Prozent auf 1,8 Millionen. Der Elektropionier gerät allerdings zunehmend unter Druck, da BYD seinen Wachstumskurs mit einem Plus von 73 Prozent auf 1,6 Millionen E-Autos fortsetzt.
Den Großteil seiner Absätze (92 Prozent) realisiert BYD auf dem chinesischen Heimatmarkt, allerdings haben sich die Exporte in andere Länder im Vergleich zu 2022 bereits mehr als verdreifacht. "Es ist davon auszugehen, dass BYD seine Internationalisierungsstrategie 2024 fortsetzen wird", meint Stefan Bratzel. Mit seiner aggressiven Preispolitik könne BYD Tesla perspektivisch überholen.
BYD (China) und Tesla (USA) vergrößern den Abstand zu VW (Deutschland)
Mit VW schafft es erstmals ein deutscher Hersteller in die Elektro-Top-3. Der Abstand zu Tesla und BYD wird jedoch größer – auch, weil VWs Elektro-Verkaufsanteil 2023 nur leicht auf 8,6 Prozent stieg (2022: 7,2 Prozent). Die deutschen Premiumhersteller BMW und Mercedes weisen ein hohes E-Auto-Wachstum auf und kommen auf die Plätze 8 und 10.
Für das laufende Jahr 2024 prognostiziert das CAM global ein weiteres moderates Wachstum der Elektromobilität und rechnet mit rund 11 Millionen Elektro-Pkw (plus 22 Prozent). "In den Top 6 der absatzstärksten Elektroautohersteller befinden sich mit BYD, SAIC, Geely und GAC gleich vier chinesische Unternehmen", so Stefan Bratzel. "Vor allem BYD und Tesla profitieren zunehmend von Skaleneffekten und ihrer im Wettbewerbsvergleich sehr guten Kostenposition." Die Reduzierung der Kosten sei gerade für die deutschen Hersteller von immenser Bedeutung – denn 2024 müsse mit einer "Intensivierung des Preiskampfes" gerechnet werden.
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