Erste Fahrt im Cadillac Optiq
Der Cadillac Optiq ist definitiv anders – und trotzdem artig

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Mit dem Optiq bringt Cadillac jetzt sein zweites Modell der Neuzeit nach Europa. Was das vollelektrische SUV aus Übersee draufhat, klärt der AUTO BILD-Fahrbericht!
Bild: GM
Die traditionsreiche GM-Luxusmarke Cadillac erhob schon 1908 den Anspruch, "Standard of the World" zu sein. Was anfangs durchaus zutraf: erster elektrischer Anlasser (1912), erstes synchronisiertes Schaltgetriebe (1929) – die Liste ließe sich fortsetzen. Meistens aber baute sie auf den US-Markt zielende Luxusschlitten mit ausuferndem Blech und leichtgängig-diffusen Lenkungen.
Das zweite Cadillac-Modell der Neuzeit nach dem größeren, ebenfalls elektrischen Lyriq, ist mit 4,82 Meter Länge und 1,90 Meter Breite ein kompaktes Auto nach US-Maßstäben, auch die 1,64 Meter Höhe lassen den Optiq eher geduckt wirken. Wer einen traditionellen Caddy sucht, sollte lieber zu Oldtimerhändlern wie Toms Club gehen: Das hier ist entschiedenes Hier und Jetzt.
Unser Testwagen ist noch ein Vorserienexemplar; bis auf teils fehlendes Verkleidungsmaterial im Fahrerfußraum hinterlässt die Verarbeitung bereits einen soliden Eindruck. Auch in diesem E-Auto finden sich viele Recyclingmaterialien, billig wirkt keines.
Der Cadillac Optiq wirkt trotz Vorserienstand solide verarbeitet
Im Fond gibt sich das SUV geräumig: Kniefreiheit satt, Passagiere ab 1,85 Meter kommen dem Dachhimmel aber nahe. Gleich zwei Touchscreens (ein zweiter, kleiner sitzt links der Lenkung) dominieren das Interieur. Angenehmerweise ist der Innenraum nicht komplett leer geräumt: Es gibt echte Metalltasten für Heizung/Klima und für die Sitzverstellung. Letztere sitzen in den Türverkleidungen wie bei Mercedes.
Der Innenspiegel ist in Wahrheit ein Heckkamera-Monitor – und gewöhnungsbedürftig, denn Objekte hinter mir erscheinen entgegen der Sehgewohnheit näher, als sie sind. Wer das nicht mag, kann einfach auf einen konventionellen Spiegel umschalten.

Den fein gemachten Innenraum des Cadillac Optiq prägt der gigantische aufgesetzte 33-Zoll-Tablet-Computer. Dank der schwebend erscheinenden Mittelkonsole ergibt sich ein angenehm luftiges Raumgefühl.
Bild: GM
Navi und Sprachbedienung kommen von Google. Wegen des Vorserien-Standards lohnt es nicht, darüber viele Worte zu verlieren – widmen wir uns lieber den Fahreindrücken.
Erfüllt die um die Mittellage etwas indifferente Lenkung noch halbwegs die Erwartungshaltung, so birgt sie bereits die erste Überraschung: Sie gibt sich erstaunlich mitteilsam und nicht zu entkoppelt, stellt durchaus eine physische Verbindung zur Straße her – sie stammt von Bosch.
Erfüllt die um die Mittellage etwas indifferente Lenkung noch halbwegs die Erwartungshaltung, so birgt sie bereits die erste Überraschung: Sie gibt sich erstaunlich mitteilsam und nicht zu entkoppelt, stellt durchaus eine physische Verbindung zur Straße her – sie stammt von Bosch.
Das Fahrerlebnis im Cadillac Optiq geht absolut in Ordnung
Die zweite Überraschung ist die Fahrwerksabstimmung: Angesichts der serienmäßigen 21-Zoll-Räder auf Continental PremiumContact 6 hätten wir ja kein wattiges Ansprechen erwartet, aber der Optiq federt an wie ein Sportwagen. Und die Dämpfung soll offenbar jede Karosseriebewegung möglichst rasch unterbinden – nein, das ist so gar nicht der alte Wasserbett-Caddy. Leider wirkt das konventionelle Stahlfeder-Fahrwerk schon stuckerig. Hintergrund: Chefentwickler John Cockburn stand lange in Diensten der Sportwagenmarke Corvette – man merkt's.

Der Laderaum des Cadillac Optiq schluckt 1340 Liter, dank variablem Ladeboden ergibt sich auch beim Umlegen der Fondlehne eine Ebene. Es gibt zwei Verzurrösen, die solide am Blech verankert sind.
Bild: AUTO BILD/Rolf Klein
Längsdynamisch ist der Optiq kein brutaler Reißer wie die Topversionen von Kia EV6 oder Polestar 4, aber die 6,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h (Werksangabe) wirken angemessen flott. Zumal der Cadillac mit knapp 2,4 Tonnen kein Leichtgewicht ist; ein (allerdings kürzerer) Genesis GV60 wiegt rund 250 kg weniger.
Der Allradantrieb arbeitet ähnlich wie der Lamellenkupplungs-Allrad eines frontantriebsbasierten Verbrenner-SUV. Der Asynchron-Motor hinten steuert nur 90 PS zur Gesamtleistung bei und läuft bei gleichmäßiger Fahrt passiv mit, um aber bei Bedarf prompt zur Stelle zu sein. Und: Die großzügigen 21 Zentimeter Bodenfreiheit verleihen dem Optiq durchaus etwas Schlechtwegetauglichkeit.
Der Cadillac Optiq empfiehlt sich allen abseits des Mainstreams
Ladetechnisch hat der in Mexiko gebaute 400-Volt-Stromer nichts Besonderes zu bieten – abgesehen von der noch immer nicht selbstverständlichen Fähigkeit, die stärkeren 22-kW-Wallboxen auszuschöpfen. Die kurzen Ladezeiten von 800-Volt-Konkurrenten wie Audi Q6 e-tron oder Genesis GV60 aber kann er nicht liefern. Auch die maximale Ladeleistung von 110 kW ist nicht gerade ein neuer Bestwert. Der Optiq teilt sich die Bodengruppe mit dem Chevrolet Equinox EV. Und der ist drei Jahre alt – in der schnelllebigen Welt des Elektroautos ist das eine ganze Generation.

Der Cadillac Optiq verfügt nicht über einen Heckscheibenwischer– ob er ihn wirklich nicht braucht oder er dem Sparwillen, der Aerodynamik oder dem Design geopfert wurde, ließ sich im trockenen Spanien nicht testen.
Bild: GM
Die Stärken des Optiq sind die hochwertigen Komponenten (Stoßdämpfer von ZF, Sechskolben-Bremssättel von Brembo, Akku von CATL, Audioanlage von AKG mit Dolby-Atmos-Raumklang), die Fast-Komplettausstattung – nur einige Außen- und Interieurfarben sowie das Dach in Kontrast-Schwarz kosten extra – und dass er auch in Metropolen nicht an jeder Ecke stehen wird. Bestellbar ist er ab sofort, online oder in fünf stationären Stores in Deutschland. 143 Servicebetriebe stehen unter Vertrag. Erste Auslieferungen im Februar 2026.
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