Fahrbericht Hyundai ix55 3.0 V6 CRDi
Premium für Tiefstapler

Im Mai 2009 startet bei uns der Verkauf des Hyundai ix55. Mit Dreiliter-Diesel überzeugt das neue Flaggschiff der Koreaner als luxuriöser Gleiter. Lexus-Flair für 42.290 Euro.
- Ralf Bielefeldt
Erstmals Xenonlicht. Erste Sechsgang-Automatik. Erster V6-Diesel. Mit dem ix55 liefert Hyundai in Europa sein Meisterstück ab. "Der ix55 setzt für Hyundai neue Maßstäbe – und ist ein echter Herausforderer für etablierte Premium-SUV wie BMW X5, Audi Q7 und Volvo XC90", verkündet Hyundai-Chef Werner H. Frey bei der Präsentation in Leipzig selbstbewusst. Besser und moderner ausgestattet war noch kein Hyundai zuvor. Auch preislich steigen die Koreaner mit dem 4,84 Meter langen und fast zwei Meter breiten Siebensitzer eine Klasse auf: 42.290 kostet die Basisausstattung "Comfort". Für 46.990 Euro darf man in der "Premium"-Version Platz nehmen. Einzig bestellbare Extras: Metallic-Lackierungen wie Satin Beige, Natural Khaki oder Dark Bronze für einheitlich 790 Euro sowie ein Panorama-Hub-/Schiebedach für 1090 Euro. Ansonsten ist alles an Bord, was das Luxus-Herz begehrt: Lederausstattung, Sitzheizungen vorn und hinten, Audiosystem mit USB-Anschluss, Zwei-Zonen-Klimaanlage mit separater Regelung für die Fondpassagiere (inklusive Kopfdüsen im Fahrzeughimmel), Niveauregulierung, elektrisch öffnende und schließende Heckklappe und und und.
In den Vereinigten Staaten bereits mehr als 25.000 Mal verkauft

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Der neu entwickelte Dieseldirekteinspritzer leistet 239 PS und 451 Nm

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Für ein Auto dieser Dimensionen ist das vertretbar, aber nicht wirklich im grünen Bereich. Der CO2-Wert von 249 Gramm pro Kilometer ist nominal ein Schlag fürs Öko-Gewissen, aber im Rahmen der Mitbewerber. Den Fahrer ficht all das nicht an, wenn er erstmal hinterm Volant Platz genommen hat. Alles sauber verarbeitet, übersichtliche Bedienelemente, schöne Alu-Applikationen, genarbte Oberflächen. Korea-Muff? Kein Spur. Luxus wie im Lexus, Ästhetik wie im Audi. Nur ein Multimediasystem sucht man vergebens. Das folgt inklusive Navigationssystem erst im September 2009. Breite, bequeme Ledersitze gibt es für die Passagiere in der ersten Reihe schon jetzt. Hinten lässt sich zwischen den äußeren Plätzen eine multifunktionale Armlehne ausklappen. Mit zwei integrierten Cupholdern und einem seidenweich ausgeschlagenen Fach für Kleinkram.
Das Fahrwerk bügelt schlechte Straßen kommentarlos aus

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500 Einheiten will Hyundai dieses Jahr vom ix55 bei uns absetzen. 2010 sollen es dann 1300 Stück werden. "Gern auch mehr", sagt Frey. "Ich bin sicher, der Wagen wird sich in Deutschland behaupten." Am konservativ kalkulierten Absatzziel von Hyundai Deutschland hätte der ix55 damit einen sehr bescheidenen Anteil: 50.000 Einheiten insgesamt hat Werner H. Frey als Ziel für 2009 ausgegeben. Knapp 3000 weniger als 2008. "Wenn es im März so weiterläuft wie bislang, sollten wir im ersten Quartal auf 25.000 Einheiten kommen", rechnet er hoch. Und grinst. Mit knapp 16.000 verkauften Fahrzeugen in den ersten beiden Monaten dieses Jahres und 4,3 Prozent Marktanteil im Februar hat Hyundai Deutschland das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte eingefahren. Nachschubsorgen? Nicht nötig: Derzeit landen im Wochentakt frische Fahrzeuge an. Und mit dem dreitürigen Kleinwagen i20 steht auf der AMI das nächste Ass bereit. Frey: "Umweltprämie plus neue CO2-Steuer plus Steuerbefreiung für saubere Neuwagen – besser konnte es für uns eigentlich nicht laufen."
Fazit
Ein schweres SUV als neues Flaggschiff? Keine wirklich gute Zeit dafür. 12,4 Liter in der Stadt, CO2-Emission 249 g/km, dazu 4,84 Meter lang und knapp zwei Meter breit: Als politisch korrekt lässt sich der schöne Koreaner wahrlich nicht verkaufen. Dabei hat Hyundai in seiner Europa-Zentrale einen zeitgemäßen Dreiliter-V6-Diesel entwickelt. Ein Erstling mit Signalwirkung. Hyundai kann und will Premium sein. Die mitdenkende Sechsgang-Automatik schaltet butterweich, 451 Nm Drehmoment verleihen Kraft in allen Lagen, durchschnittlich 9,4 Liter Diesel sind für einen 2,2-Tonnen-Brummer nicht (zu) viel. Schlechte Straßen schluckt er souverän. Mit seiner kieselrunden Form fährt er lässig gegen den Trend zur Kante. Wer was bewegen will, wird den ix55 und seine bis zu 3,2 Tonnen Anhängelast lieben.
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