Fahrbericht VW up!
So fährt der VW up!

Der neue VW up! spukt schon seit Monaten herum, jetzt können wir endlich einsteigen und Gas geben. Was kann das Stadtauto? Und welche der vielen Versprechen löst der Winzling wirklich ein?
- Joachim Staat
Der Kleinste von VW hat – bevor wir ihn exklusiv fahren konnten – schon reichlich bekommen: Vorberichte, Vorfreude, sogar Vorschusslorbeer als großer Hoffnungsträger, als möglicher Volkswagen von morgen. Kann er all das auch rechtfertigen? Mal sehen. Der up! ist auf einen Zentimeter genau so groß, wie es der bis 2005 gebaute Lupo war: 3,54 Meter lang und 1,64 Meter breit. Kein Fortschritt? Das ist ja gerade der Fortschritt, dass der Neue nicht größer geworden ist. Und dass VW seinen Fehler einsieht und endlich wieder einen Kleinstwagen baut. Auf den ersten Blick erscheint der up! mit seinem senkrechten Heck und den steilen Seiten wie jeder x-beliebige Aygo, Panda oder Spark – auf dem Raum einer Singleküche kann auch Walter de Silva das Auto nicht neu erfinden.
Überblick: Alle News und Tests zum VW up!
Video: VW up!
So fährt der VW up!
Überblick: Alle News und Tests zu Volkswagen

Charakteristischer Look: Den VW up! erkennt man an seiner schwarzen Heckklappe.
Bild: Thomas Starck
Während mancher Konkurrent Lärm und Vibrationen kaum besser dämmt als die Trennwand im Großraumbüro, hält der VW die Welt ab. Der Motor bleibt akustisch draußen, die bösen Kanaldeckel auch. Dazu kommt eine Federung, die Schläge und Wellen eher sanft abreitet, als sie kernig weiterzureichen. Die Zeiten, als man gegen den Lärm in den kleinen Kisten das Radio aufdrehte, sind vorbei. Der up! bringt eine neue Qualität in diese Klasse. Nur beim Ausreizen der 75 PS wird es lauter. Auf dem Papier schafft der stärkere der beiden Motoren 171 km/h Spitze, doch auf der Autobahn beschleunigt der Dreizylinder ab Tempo 140 zäh. Liegt es am fehlenden Drehmoment oder den langen Übersetzungssprüngen zwischen viertem und fünftem Gang?
Der Fahrer neigt zum Ausquetschen des Motors, was den Verbrauch an die neun Liter treibt. Ein Langstreckenauto wird der up! nie werden – soll er nicht. Kurvenkünstler auch nicht, mit längeren Federwegen neigt er sich kräftig zur Seite, da greift das ESP lieber früher als später ein. Na und? So ein Stadtauto lebt davon, bewussten Verzicht zu kultivieren. Manches gibt es im up! gar nicht: sechs Gänge, Gurthöhenverstellung, Klimaautomatik oder Regensensor. Stattdessen aber bald fünf Türen (ab 2012 für runde 500 Euro mehr), einen Elektromotor ab 2013 oder eine automatische Notbremse für Stadttempo. Oder einfach das gute Gefühl, dass die Kleinwagen mit dem up! noch mehr gewonnen haben. Das ist doch mal ein Ausrufezeichen wert!
Technische Daten VW up! • Dreizylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 999 cm³ • Leistung 55 kW (75 PS) bei 6200/min • max. Drehmoment 95 Nm bei 3000–4200/min • Vorderradantrieb • Fünfganggetriebe • Tank 35 l • Kofferraumvolumen 251–951 l • Reifen 185/50 R 16 • L/B/H 3540/1641/1478 mm • Gewicht 929 kg • 0–100 km/h 13,2 s • Spitze 171 km/h • Verbrauch 4,7 l/100 km (ECE-Norm) • CO2 111 g/k.
Fazit
Der up! ist keine Sensation, sondern ein konsequent gebauter Kleinstwagen: Der Späteinsteiger dieser Klasse wirkt solider und komfortabler als die Konkurrenz, das besondere VW-Gefühl lassen sich die Wolfsburger teuer bezahlen. Jedes bisschen Luxus geht ins Geld. Der neue Motor überzeugt, auf die Alltags-Verbräuche bin ich gespannt. Auch VW kann in der umkämpften 10.000-Euro-Liga keine Wunder vollbringen.
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