Beistand von ganz oben kann der neue Ferrari Luce aktuell gut gebrauchen. Während Ferraris erster Elektro-Sportwagen weltweit für heftige Diskussionen sorgt, bekommt der futuristische Luce jetzt immerhin Unterstützung sogar vom Papst höchstpersönlich. (Kommentar zum Luce-Design)
Es sind Bilder, die man selbst in Maranello nicht alle Tage sieht. Ferrari-Chef John Elkann präsentiert den neuen Ferrari Luce im Vatikan. Papst Leo XIV nimmt im Elektro-Ferrari Platz, schaut sich das Cockpit genau an und lässt sich die verschiedenen Fahrmodi erklären.
Ferrari-Chef John Elkann präsentiert den neuen Ferrari Luce im Vatikan.
Bild: Ferrari
Eigentlich perfekte PR für Ferraris Elektro-Zukunft. Doch genau diese Zukunft sorgt gerade für heftige Diskussionen.

Ferrari-Fans reagieren schockiert

Denn der neue Ferrari Luce ist nicht einfach nur Ferraris erstes Elektroauto. Er ist gleichzeitig auch ein kompletter Bruch mit vielem, wofür Ferrari jahrzehntelang stand. Konkret heißt das: über fünf Meter lang, vier Elektromotoren, fünf Sitzplätze und ein Design wie aus einem Science-Fiction-Film. Entwickelt wurde der Luce gemeinsam mit Ex-Apple-Designer Jony Ive. Im Netz sorgt genau das für massive Kritik.
Viele Nutzer vergleichen den Ferrari plötzlich mit einem Nissan Leaf oder einem günstigen Toyota. Andere sprechen eher von einem "Tech-Produkt" als von einem klassischen italienischen Supersportwagen.

Ex-Ferrari-Boss warnt vor "Zerstörung einer Legende"

Besonders hart fällt die Kritik von Ex-Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo aus. Der frühere Ferrari-Boss gilt für viele Fans bis heute als eine Art Ferrari-Gott. Sein Urteil klingt entsprechend drastisch.
"Immerhin ist es ein Auto, das die Chinesen nicht kopieren werden."
Ex-Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo
Bild: Ferrari
"Wenn ich sagen würde, was ich wirklich denke, würde ich Ferrari einen Bärendienst erweisen", betont der Italiener. "Wir riskieren, eine Legende zu zerstören, und das tut mir wirklich leid. Ich hoffe, sie entfernen zumindest das springende Pferd von diesem Auto."
Ironisch an dieser Aussage: Ferrari scheint beim Luce sogar besonders deutlich zeigen zu wollen, dass es sich trotz aller Kritik um einen echten Ferrari handelt. Neben den klassischen Emblemen an Front und Heck können Kunden das Elektroauto zusätzlich mit einem silbernen "Cavallino Rampante" auf den Türen oder alternativ mit großen Scuderia-Ferrari-Logos auf den Kotflügeln konfigurieren.
Vielleicht auch deshalb ist Montezemolo noch nicht am Ende seiner Kritik. Denn der frühere Ferrari-Boss schiebt direkt noch einen spitzen Seitenhieb hinterher: "Immerhin ist es ein Auto, das die Chinesen nicht kopieren werden."
Auch Carlo Calenda, ehemaliger italienischer Industrieminister und früher selbst bei Ferrari tätig, schießt scharf gegen den neuen Luce. Er spricht von einer "ästhetischen und technologischen Beleidigung".

Ferrari verteidigt den Luce

Ferrari selbst versucht dagegen, die Aufregung herunterzuspielen. "Der Ferrari Luce ist ein Auto der Zukunft – und unverwechselbar Ferrari", erklärt Chairman John Elkann bei der Präsentation in Rom.
Auch von der allgemeinen Aufregung rund um das Design zeigt er sich demonstrativ unbeeindruckt: "Der Ferrari Luce ist keine Reaktion auf Veränderungen. Er ist eine bewusste Entscheidung, um mit Klarheit und Mut voranzugehen und zu bestimmen, was als Nächstes kommt."
Technisch liefert der Elektro-Ferrari tatsächlich spektakuläre Werte. Vier Elektromotoren erzeugen zusammen mehr als 1000 PS. Der Sprint auf Tempo 100 soll in nur 2,5 Sekunden gelingen, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 310 km/h.
Trotzdem dreht sich die Debatte aktuell kaum um die Technik, sondern fast ausschließlich um die Optik. Die Diskussionen bleiben auch an der Börse nicht folgenlos. Nach der Präsentation verliert die Ferrari-Aktie zeitweise mehr als acht Prozent.