Ein guter Look? Im Segment der Kleinstwagen normalerweise Nebensache. Anstatt ums Aussehen geht's hier ums Geld, anstatt um PS eher ums problemlose Parken in überbevölkerten Großstädten.

Zwei kleine Stromer im Test

Testsieger
Renault
Twingo E-Tech 80 Urban Range
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2,1
gut
2,8
befriedigend
Im Fall von Fiat 500 Elektro und Renault Twingo verhält sich die Sache anders: Ihre Designer haben sich viel Mühe gegeben, die Historie beider Knirpse optisch am Leben zu erhalten. Garniert wird das Ganze mit vollelektrischen Antrieben.

Überblick: Welcher passt zu wem?

  • Fiat 500 Elektro: Der Fiat richtet sich stärker an emotionale Käufer, die Design und Fahrspaß über maximale Alltagstauglichkeit stellen.
  • Renault Twingo E-Tech: Der Twingo ist die bessere Wahl für pragmatische Fahrer, die möglichst viel Auto für ihr Geld suchen.

Optik folgt historischen Vorbildern

Der Renault ist neu auf dem Markt und muss sich als Erster beweisen. Technisch steht er auf der gleichen Ampere-Small-Plattform wie R4 und R5. Optisch ist er unverkennbar an seinen 1993 gestarteten Urahn angelehnt. Als Fünftürer gab es den zwar eigentlich nie, im Vergleich machen sie den Twingo dennoch zum praktischeren Auto.
Renault Twingo E-Tech 80 Urban RangeFiat 500 Elektro
Zwei kleine Stromer im Retro-Look: Renault Twingo E-Tech und Fiat 500 Elektro zitieren optisch ihre Urahnen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Zustieg gelingt einfacher, mehr Platz gibt es sowieso. Auch ganz hinten im Gepäckabteil hat der Twingo (3,79 m) mit 205 bis 966 Litern mehr zu bieten als der 16 Zentimeter kürzere 500 Elektro (185 bis 550 Liter).

Twingo macht das Bedienen leicht

Vorn wartet ein Cockpit, das kaum Fragen aufwirft: Zwei Displays, Klima mit Drehreglern sowie ein konfigurierbarer Modus für die gesammelte Assistenz ("My Safety Perso") halten die Bedienung angenehm simpel.
Renault Twingo E-Tech 80 Urban Range
Am Arbeitsplatz wirkt der Twingo authentisch, auch wenn viele Teile aus dem Konzernregal stammen. Die Bedienung gibt keine Rätsel auf.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das schaumig gepolsterte Gestühl bietet kaum Seitenhalt, geht für die Kurzstrecke aber völlig in Ordnung. Auf dem auffällig hoch bauenden Armaturenträger sitzt im Twingo schon ab der Basis ein 10-Zoll-Touchscreen, der kabelloses Apple CarPlay sowie Android Auto bietet.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Synchronelektromotor
Einbaulage
vorn
vorn
Spitzenleistung
87 kW (118 PS)
60 kW (82 PS)
Dauerleistung
43 kW (58 PS)
35 kW (48 PS)
max. Drehmoment
220 Nm
175 Nm
Vmax
150 km/h
130 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Vorderradantrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Trommel
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
205/45 R 17 V
205/45 R 18 H
Reifentyp
Goodyear EfficientGrip
Continental EcoContact 7
Radgröße
6,5 x 17"
7 x 18"
Fach unter Frontklappe
–
–
Reichweite*
310 km
261 km
Verbrauch*
13,6 kWh/100 km
12,6 kWh/100 km
Batterieart
Lithium-Ionen
Lithium-Eisenphosphat (LFP)
Batteriekapazität
37,3 kWh
27,5 kWh
Ladeleistung AC/DC
11/85 kW
11/50 kW
Ladezeit (DC-Ladung)
30 Minuten (0–80 %)
28 Minuten (15–80 %)
Vorbeifahrgeräusch
69 dB(A)
65 dB(A)
Kofferraumvolumen
185–550 l
205–966 l
Länge/Breite/Höhe
3632/1683–1900**/1527 mm
3789/1720–1953**/1491 mm
Radstand
2322 mm
2493 mm
Grundpreis
30.990 Euro
19.990 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
35.990 Euro
22.190 Euro
Die Google-Dienste mit Navi, KI-Sprachsteuerung und App Store sind ab Techno (+1600 Euro) an Bord, zusammen mit Extras wie dem umklappbaren Beifahrersitz oder einer Rückfahrkamera, die im Testwagen allerdings immer wieder ausfiel.
Kleinere Abzüge in der B-Note gibt es für die Bereiche der Armablage in den Türen.
Vorn wie hinten fehlt eine Aufpolsterung komplett, sodass der Ellenbogen bei Fahrten über Kopfsteinpflaster ordentlich malträtiert wird. Dazu gibt es zwar viele offene Ablagen, aber keinen grifffreudigen Cupholder oder einen Platz, um das Smartphone rutschfrei zu platzieren.

Beim Fahren ist der Twingo ausgeglichener

Praktisch, dass die entstehenden g-Kräfte im Twingo ohnehin überschaubar bleiben. Die E-Maschine an der Vorderachse leistet maximal 82 PS beziehungsweise 175 Nm. Für den Alltag reicht das völlig aus, fährt sich aber spürbar verhaltener als im leistungsstärkeren Fiat. 130 km/h reichen ebenfalls fürs tägliche Pendeln, etwas Luft jenseits der Richtgeschwindigkeit wäre aber schon nett gewesen. 100 Sachen brauchen 11,9 Sekunden.
Renault Twingo E-Tech 80 Urban Range
Vorteil Twingo: Der Renault hat im Vergleich die bessere rückmeldende Lenkung, die weichere Federung und die besseren Bremsen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Insgesamt macht der Twingo den ruhigeren und ausgeglicheneren Eindruck. Seine Lenkung vermittelt mehr Rückmeldung, er federt weicher, bremst besser und zeigt auf unserer buckeligen Fahrwerksstrecke mehr Reserven.
Auch der leiser laufende E-Motor strahlt etwas mehr Seriosität aus als das unter Last leicht fiepende Aggregat des 500 Elektro. Geschlagen geben muss sich der Twingo letztlich nur beim Geräuschkomfort insgesamt. Auf der Autobahn rauscht es vernehmlicher, was auch die Messwerte widerspiegeln.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,3 s
3,8 s
0–80 km/h
6,0 s
7,7 s
0–100 km/h
8,8 s
11,9 s
0–120 km/h
12,5 s
18,2 s
0–130 km/h
14,8 s
23,2 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,8 s
7,1 s
80–120 km/h
6,5 s
10,5 s
Leergewicht/Zuladung
1342/348 kg
1241/354 kg
Gewichtsverteilung v./h.
57/43 %
57/43 %
Wendekreis links/rechts
9,9/9,9 m
10,0/10,0 m
Sitzhöhe
625 mm
615 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
37,1 m
34,9 m
aus 100 km/h warm
38,0 m
36,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
59 dB(A)
61 dB(A)
bei 100 km/h
68 dB(A)
69 dB(A)
bei 130 km/h
72 dB(A)
74 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
12,4 kWh/100 km
9,7 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
15,4 kWh/100 km 
(+13 %)
13,9 kWh/100 km 
(+10 %)
Sportverbrauch
17,5 kWh/100 km
15,7 kWh/100 km
CO2 (Testverbrauch)
0 g/km
0 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
266 km
211 km
Beim Laden herrscht ungefähr Gleichstand: Beide füllen ihren Akku in ca. einer halben Stunde wieder auf 80 Prozent. Allerdings lädt der Fiat mit mehr Leistung in der Spitze (85 zu 50 kW) und befüllt einen deutlich größeren Akku. Wichtig zu wissen: Den 500 Elektro gibt es mit zwei verschiedenen Motor-/Akku-Kombinationen. Die kleine Variante ist mit ihrem 22-Kilowattstunden-Akku aber wirklich dem City- und Pendelbetrieb vorbehalten.

Bessere Fahrleistungen im Fiat

Fiat hat uns die große Variante angeliefert. Bedeutet: 118 PS, 150 km/h Topspeed, 37,3 kWh netto passen in die Batterie (zu 27,5 im Twingo). Weil der 500 Elektro mehr verbraucht, kommen am Ende aber lediglich 55 Kilometer mehr ermittelte Reichweite dabei raus (266 zu 211 Kilometer).
Fiat 500 Elektro
Schneller und spritziger: Der Fiat 500 Elektro erreicht Tempo 100 nach 8,8 Sekunden und schafft maximal 150 km/h.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Insgesamt wirkt der 500 Elektro spritziger (0–100 km/h in 8,8 Sekunden) und hat auf der Autobahn mit 150 km/h Topspeed jene Reserven zu bieten, die im Twingo ein wenig fehlen. Allerdings bringt er auch einige seltsame Marotten mit. Da wären etwa die drei Fahrmodi: Warum der Eco-Modus "Sherpa" heißt – angelehnt an die Himalaya-Bewohner –, erschließt sich nicht ganz. Vielleicht, weil auch hier der Sauerstoff knapp wird.
Einmal aktiviert, knipst der 500 Elektro kommentarlos die Lüftung aus und begrenzt den Topspeed auf 80 km/h. Der Range-Modus hat eine etwas ruppige One-Pedal-Drive-Funktion zu bieten. Wer die nicht will, muss im Normal-Modus fahren, wo ohne Fuß auf der Bremse kaum rekuperiert wird. Alles etwas umständlich.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
555
498
Platz
1
2
Testnote
2,1
2,8
Fazit
Ein schickes kleines Elektroauto mit überschaubar großem Akku, aber dafür auch fairem Preis. Harmonisches Paket.
Wirkt etwas in die Jahre gekommen. Charmant und wuselig kann er noch immer. Die Listenpreise sind zu hoch.
Auf der Habenseite des 500 Elektro stehen die nettere Materialanmutung und die seitenhaltstärkeren Sitze – vorn, versteht sich. Hinten halten es höchstens kleinere Kinder länger aus, streng genommen ist der Fiat eher ein 2+2-Sitzer.

An der Kasse gewinnt der Twingo

Dafür allerdings ganz schön teuer. Wie getestet, werden 35.990 Euro fällig – das gliedert sich auf in knapp 31.000 Euro Basispreis und 5000 Euro für die getestete Top-Ausstattung La Prima. Die Marktpreise, zu denen der 500 Elektro tatsächlich angeboten wird, liegen zwar ein ganzes Stück darunter, aber für Preisnachlässe gibt es hier eben keine Punkte.
Fiat 500 Elektro Renault Twingo E-Tech 80 Urban Range
Deutlicher Preisunterschied: Zwischen Twingo und 500 Elektro liegen 13.800 Euro – zu Ungunsten des Fiat.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auch im Unterhalt ist der Fiat – abgesehen von seiner niedrigeren Vollkasko-Einstufung – eher teurer. Der Renault bietet ein längeres Wartungsintervall und den geringeren Wertverlust. Vor allem aber haben seine Macher ihn mit knapp 22.190 Euro (Testwagen) fair eingepreist.

Die wichtigsten Fragen zu Fiat 500 Elektro und Renaul Twingo E-Tech

Wer bietet die besseren Fahrleistungen?

Der Fiat 500 Elektro hat mit 118 PS deutlich mehr Leistung als der Twingo mit 82 PS. Er beschleunigt schneller auf 100 km/h und erreicht mit 150 km/h eine höhere Höchstgeschwindigkeit.

Wer fährt sich komfortabler?

Der Renault Twingo Electric überzeugt mit einer weicheren Federung, einer ausgewogeneren Fahrwerksabstimmung und einer präziseren Lenkung. Dadurch wirkt er im Alltag komfortabler und souveräner.

Mit welchem kommt man weiter?

In Sachen Reichweite ist man beim 500 Elektro besser aufgehoben. Der Fiat schafft bei einem Testverbrauch von 15,5 kWh/100 km 266 Kilometer. Im Renault Twingo E-Tech reicht eine Akkuladung nur für 211 Kilometer, auch wenn sein Testverbrauch von 13,9 kWh/100 km geringer ausfällt.

Wer hat das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis?

Der Renault Twingo Electric punktet mit einem deutlich niedrigeren Kaufpreis, mehr Platz und günstigeren Unterhaltskosten. Wer vor allem auf Alltagstauglichkeit achtet, bekommt hier das attraktivere Gesamtpaket.

Bildergalerie

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Fiat 500 Elektro
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Zwei kleine Stromer im Test

Fazit

von AUTO BILD
Am Ende eine klare Sache: Der Twingo ist das modernere Auto, fährt sparsamer und komfortabler, kostet weniger. Was nicht heißt, dass man sich mit dem 500 Elektro nicht anfreunden kann – wenn der Rabatt stimmt.