Ford Bronco 2.7L EcoBoost 4x4: Test
Mehr als nur retro: Ford Bronco Outer Banks überzeugt im Gelände
Ford Bronco Outer Banks im Test
Bild: AUTO BILD
Der erste Ford Bronco 1966 war ein kleiner, kastiger Geländewagen –US-untypisch kompakt mit nur 3,86 Meter Länge und 1,75 Meter Breite, aber gerade deshalb unvergessen.
Er kam kurz nach dem Mustang und war wie dieser eine typische Schöpfung des legendären Ford-Managers Lee Iacocca: niedriger Einstiegspreis, aber ein tristes Kassengestell – Heizung, Radio und elektrisch betriebene Scheibenwischer waren Aufpreis-Extras!
Grundarchitektur ist dem Bronco geblieben
Dafür fuhr der Ur-Bronco onroad zivilisierter als bei Geländeklassikern üblich, weil er anders als die Jeeps oder sein fünf Jahre älteres (auch optisches) Vorbild IHC Scout auf die Starrachse vorn verzichtete. Dank Einzelradaufhängung und Schraubenfedern vorn war die (bis 1973 servolose) Lenkung deutlich präziser.

Beim Fahrwerk noch ganz der Alte: Hinten hat der Bronco eine Starrachse, vorne Einzelradaufhängung – das war schon immer so.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Im Grunde hat sich nichts geändert: Der direkte Konkurrent Jeep Wrangler setzt noch heute auf Starrachsen vorn wie hinten, der Bronco auf Einzelradaufhängung vorn, Starrachse nur hinten. Nur dem Breitenwachstum konnte sich der Bronco nicht entziehen: 1,93 Meter ohne Spiegel!
Fahrzeugdaten
Modell | Ford Bronco 2.7L EcoBoost 4x4 |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | V6, Biturbo |
Einbaulage | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 2694 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 246 (335)/5250 |
Nm bei 1/min | 563/3100 |
Vmax | 161 km/h |
Getriebe | Zehnstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 255/70 R 18 T |
Reifentyp | Bridgestone Dueler A/T RH-S |
Radgröße | 7,5 x 18" |
Verbrauch/Abgas CO2 | 11,3 l/100 km*/257 g/km* |
Tankinhalt | 79 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Vorbeifahrgeräusch | 69 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1250/750 kg |
Stützlast | 50 kg |
Kofferraumvolumen | 504–1780 l |
Länge/Breite/Höhe | 4811/1929–2199**/1852 mm |
Radstand/Bodenfreiheit | 2950/237 mm |
Böschungswinkel vorn/hinten | 38,1°/31,4° |
Wattiefe | 800 mm |
Grundpreis | 74.500 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 74.500 Euro |
Den Bronco der Neuzeit hatte Ford schon 2004 mit einer seinerzeit bejubelten Detroit-Studie angekündigt. Jetzt ist er endlich Realität – und passt in die neue Ford-Markenstrategie: weg von Brot-und-Butter, hin zu Spezialitäten mit mehr Gewinnmarge.
Im Gelände meint es der Ford ernst
Wir testen hier die preiswertere Outer-Banks-Version. Darüber rangiert der Badlands – ein voll ausgestatteter Offroader. Der zielt auf den Wrangler Rubicon und bietet wie dieser einen entkoppelbaren Vorderachs-Stabilisator, damit das Fahrwerk wild gewellten Unterböden folgen kann, ohne dass die Antriebskraft an einem durchdrehenden Rad verpufft.

Gut gerüstet: 800 Millimeter Wattiefe und große Böschungswinkel machen den Bronco ganz ordentlich geländetauglich.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wie ernst auch der Outer Banks gemeint ist, lässt sich schon an den 800 mm Wattiefe oder den 238 mm Bodenfreiheit ablesen (alle Werte von uns gemessen). Der Böschungswinkel vorn (38 Grad) macht Feindberührung mit Felsen unwahrscheinlich. Hinten reduziert der unglücklich vulnerabel platzierte Europa-Nummernschildhalter den Geländewinkel auf 31,4 Grad.
Messwerte
Modell | Ford Bronco 2.7L EcoBoost 4x4 |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,8 s |
0–100 km/h | 7,1 s |
0–130 km/h | 11,0 s |
0–160 km/h | 17,0 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,6 s |
80–120 km/h | 4,4 s |
Leergewicht/Zuladung | 2230/519 kg |
Gewichtsverteilung vorn/hinten | 55/45 % |
Wendekreis links/rechts | 12,6/12,7 m |
Sitzhöhe | 845 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 43,0 m |
aus 100 km/h warm | 43,3 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 69 dB(A) |
bei 130 km/h | 74 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 9,9 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 11,7 l S/100 km (+4 %) |
Sportverbrauch | 15,8 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 277 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 675 km |
Wie in den 60ern: Die Lenkung ist indirekt, aber präziser als bei den gern seitlich versetzenden Vollstarrachsern. Ein Genuss ist der im Standgas flüsterleise, aber unter Last kehlig röhrende Biturbo-V6. Der erinnert dann akustisch an altbritische Roadster – schon wieder die Sechziger.
Unschöne Details stören den guten Eindruck
Der anfängliche Tresor-Eindruck wird etwas entzaubert, wenn man über Kopfsteinpflaster fährt und Verkleidungen und Hardtop leicht zirpen und knarzen. Die sichtbaren Schweißpunkte der offen liegenden Karosseriefalz zwischen Türen und Trittbrettern sehen ebenfalls wenig edel aus.

Nicht ganz so schön: Auf Kopfsteipflaster knarzen die Verkleidungen, die A-Säulen verformen sich, wenn man die Türen öffnet.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auch nichts für Qualitätsfanatiker: Die A-Säulen verformen sich sichtbar, wenn man eine der vorderen Türen öffnet. Etwas Schlendrian kauft man bei einem US-Fahrzeug – dieses hier entsteht im Werk Wayne/Michigan – immer mit. Was nichts an der meist tapferen Gebrauchstüchtigkeit ändert. Echt amerikanisch kundenorientiert: das Navi, mit Ranking der billigsten lokalen Tankstellen samt Preisangabe.
Ford verlangt stolze 74.500 Euro
Anfangs stoppte Ford die Auslieferung der Hardtop-Bronco, weil die Qualität der Zulieferteile Wünsche offenließ. Noch immer fällt die Passform der vorderen Dachhälften nicht so perfekt aus, wie der Wagenpreis von stolzen 74.500 Euro erwarten lässt: vernehmliche Windgeräusche schon bei Landstraßentempo, und ab 120 km/h klingt der Bronco, als ob eine Tür offen stünde – typisch für Offroader mit segmentweise demontierbaren Hardtops; der Wrangler ist ähnlich laut. Leider lässt sich das hintere Dachsegment nicht abnehmen: Die Reling ist im Weg.
Wertung
Modell | Ford Bronco 2.7L EcoBoost 4x4 |
|---|---|
Karosserie | Insgesamt solide Karosserie auf Leiterrahmen, A-Säulen labil. Platzangebot vorn gut, hinten mittel. |
3,5/5 Punkten | |
Antrieb | Biturbo-V6 mit Kraft satt. Allradsystem (Lamellenkupplung, manuell sperrbar) ähnlich wie Wrangler. |
3,5/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Fahrsicher, guter Geradeauslauf, Agilität offroader typisch eingeschränkt. Großer Wendekreis. |
3/5 Punkten | |
Connected Car | Telefonfunktionen und Audio prima. Navi fällt etwas ab, da nicht in Cockpit und Head-up einblendbar. |
3,5/5 Punkten | |
Umwelt | Konsequenter Offroader mit V6 ohne besondere Spritspartechnik, schwer – naturgemäß kein Öko. |
1,5/5 Punkten | |
Komfort | Herb, aber auch kein nicht zugerittenes Pferd (das heißt Bronco). Sitze vorn gut. Innen wie außen laut. |
3,5/5 Punkten | |
Kosten | Teurer als der (allerdings nur vierzylindrige) Wrangler. Wartung und Versicherungsklassen kosten. |
2/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 3 |
Ein derart konsequenter Offroader birgt immer Nachteile, die unser Pkw-orientiertes Bewertungsschema naturgemäß abstraft: 43 Meter Bremsweg, 11,7 Liter Testverbrauch, Zuglast nur 1250 kg – fehlt Ford womöglich das Vertrauen in die eigene Technik?
Im Sand bleibt der Bronco nicht stecken
Käufer müssen sich jedenfalls einlassen auf die Kantigkeit des Bronco, die das stämmige Auto übersichtlich macht – gleicher Effekt wie beim Range Rover. Naturbeobachtung, Picknick oder auch Outdoorsport inszeniert er geradezu, macht sie zu einem echten Ereignis.

Ganz leichte Übung: Dank seines Sandmodus haben wir uns mit dem Bronco bei den Testfahrten im Gelände nie eingegraben.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Raus kommt man mit ihm fast immer. Im Sand-Modus haben wir uns in den Kieswerken Andresen bei Bad Segeberg (wir danken!) nie eingegraben. Notfalls hilft der Geländetempomat "Trail Control" – nur noch lenken! Sogar Ahnungslose lässt er brillieren.
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