Ford Edge: Gebrauchtwagen-Test
Der Ford Edge ist riesig – aber auch günstig?
Gebrauchtwagen-Test Ford Edge
Als Alternative zum SUV-Establishment war der zweite Ford Edge bis 2020 zu haben. Was taugt der große Allradler als Gebrauchtwagen?
Klare Kante bei den XXL-SUVs, so Fords Devise auf dem europäischen Markt. Die zweite Generation des Ford Edge (engl. Kante) ging als Alternative zum europäischen SUV-Mainstream von 2016 bis 2020 also auch in Deutschland an den Start. Optisch hat sich das Allrad-SUV bis heute gut gehalten. Er ist noch immer eine imposante Erscheinung, die auf potenzielle Interessenten anziehend wirkt. Im Format kommt er BMW X5 und Mercedes GLE verdächtig nah, preislich und technisch spielt er jedoch eine ganze Liga darunter.
Unser Testfahrzeug vom Autohus in Gyhum (Niedersachsen) wurde im März 2018 erstmals zugelassen. Neu kostete dieser Ford Edge als 2.0 TDCi Bi-Turbo 4x4 Titanium inklusive Navigationssystem, Panoramadach und LED-Scheinwerfern laut Schwacke-Datenbank stolze 53.820 Euro, jetzt wäre er für moderate 21.980 Euro zu haben.
Ford Edge: verschwenderisches Platzangebot für fünf Personen
Bis auf eine daumengroße Delle in der Haube und ein von innen beschlagenes Heckleuchtenband sieht das 4,81 Meter lange SUV richtig frisch aus. Doch halten die inneren Werte, was der gute erste Eindruck in der Außenansicht verspricht? Leider nicht ganz. Einerseits ist der Edge ein echter Kumpeltyp mit Ami-Tugenden: Familien wird das verschwenderische Platzangebot für fünf Personen begeistern, das man sich für manche Luxuslimousine so nur wünschen kann. Die großen Sitze und das polterfreie Fahrwerk sind von der soften Sorte. Sie passen prima zum gemütlichen Charakter des in erster Linie für den amerikanischen Markt konstruierten Reisewagens.

602 bis 1847 Liter Volumen sind top, die Lehnen via Taster umklappbar.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
Auch LED-Scheinwerfer, Park-Assistent und adaptiver Tempomat arbeiten überzeugend. Über den Sinn der sportlich angehauchten ST-Line lässt sich dagegen trefflich streiten. Besser zum Gesamtkonzept passt die Luxusausstattung Vignale, die unter anderem speziell abgesteppte Ledersitze mit Heizung und Belüftung bietet. Top sind neben der Zuladung von 606 Kilogramm der riesige Kofferraum mit elektrisch öffnender Heckklappe und 602 bis 1847 Liter Volumen sowie das klangstarke Soundsystem mit zentral angeordnetem Sync 3-Infotainment-Touchmonitor.
Technische Daten Ford Edge 2.0 TDCi 4x4 Titanium
Motor | Vierzylinder/vorn quer |
|---|---|
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1997 cm³ |
Leistung | 155 kW (211 PS) bei 3750/min |
Drehmoment | 450 Nm bei 2000/min |
Höchstgeschw. | 211 km/h |
0–100 km/h | 9,4 s |
Tank/Kraftstoff | 64 l/Diesel |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang-DSG/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4808/1928/1686 mm |
Kofferraumvolumen | 602-1847 l |
Leergewicht/Zuladung | 1949/606 kg |
Der Zweiliter-Biturbo-Diesel ist ein klassischer Vernunftmotor
Die Kehrseite der Edge-Medaille: Dreieinhalb Jahre Marathonbetrieb und 175.810 Kilometer haben zu deutliche Verschleißspuren hinterlassen. Der Lederkranz des heizbaren Multifunktionslenkrades beginnt sich großflächig aufzulösen. Die Sitzwange des Fahrersitzes ist im hinteren Teil vermutlich durch einen schweren Fahrer fast bis zur Konturlosigkeit platt gedrückt. Und auch die Teppiche in den Fußräumen und im Kofferraum wirken bereits ziemlich mitgenommen. Der 2,0 Liter große Vierzylinder-Dieselmotor ist ein klassischer Vernunftmotor und wurde bis August 2018 verbaut. Er erfüllt die Abgasnorm Euro 6b und ist angesichts eines zulässigen Gesamtgewichts von 2555 Kilogramm ein lediglich ausreichendes Triebwerk.

Der Zweiliter-Biturbo-Diesel wird vom Leergewicht gebremst. Trotz 211 PS taugt er nur für ausreichende Fahrleistungen.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
Lästig wirken angesichts des ansonsten hohen Komfortniveaus das bei niedrigen Touren nähmaschinenartige Nageln des ansonsten ordentlich gedämmten Motors und das gut hörbare Tankschwappen. Zwei Tonnen mögliche Anhängelast (bis 12 Prozent Steigung) sollten zwar für die Mehrheit ausreichen, sind für ein Allrad-SUV dieser Größe jedoch kein Paradewert. Der serienmäßige Sechsgang-Powershift-Doppelkuppler neigt insbesondere beim Anfahren und Rangieren zu unangenehmen Gedenkpausen. Ford besserte Anfang 2019 mit einem Achtstufen-Wandlerautomaten nach. Das moderate Facelift brachte außer neuen Dieseln mit 150 bis 238 PS ein leicht geschärftes Design.
Bei hierzulande angebotenen Benziner-Versionen ist Vorsicht angebracht: Bei ihnen handelt es sich um Grauimporte. Wurden diese gebraucht aus den USA eingeführt, sollte unbedingt über eine Carfax-Auskunft online recherchiert werden, ob das Fahrzeug in den USA möglicherweise Vorschäden erlitten hat. Positiv bei vielen deutschen Fahrzeugen: Die Garantie wurde oft auf sieben Jahre verlängert. Das verringert die Risiken und Nebenwirkungen.
Unterhaltskosten Ford Edge 2.0 TDCi 4x4 Titanium
Testverbrauch | 8,3 l D/100 km |
|---|---|
CO2 | 149 g/km |
Inspektion | 250-550 Euro |
Haftpflicht (18)* | 497 Euro |
Teilkasko (29)* | 844 Euro |
Vollkasko (27)* | 1359 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 298 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 766 Euro |
|---|---|
Anlasser | 485 Euro |
Wasserpumpe | 760 Euro |
Zahnriemen | 578 Euro |
Nachschalldämpfer | 705 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 743 Euro |
Bremsscheiben und -klötze | 644 Euro |
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