Kurve rechts, Kurve links, Berg rauf und wieder runter – ja, will dieser Kuga denn ein Sportwagen sein? Fords Fahrwerktechnikern gelang bei der neuen Generation des kompakten SUV ein Abstimmungs-Kunststück. Der Kuga flitzt sicher und sportlich ums Eck, behält auf schlechten Wegen trotzdem die Ruhe, schüttelt und schaukelt seine Passagiere nicht unnötig durch. Und zwar ohne unterstützende Elektronik, mit einem rein mechanischen Fahrwerk. Kein Wunder: Die technische Plattform für den neuen Kuga liefert der Ford Focus, der seine Talente ja schon in vielen Vergleichstests unter Beweis stellte.
Ford Kuga
Gewachsen: Der neue Ford Kuga ist acht Zentimeter länger als sein Vorgänger und bietet mehr Platz.
Bild: Werk
Auf den ersten Blick kommt das neue SUV eher unscheinbar daher – optisch mehr Evolution als Revolution. Acht Zentimeter länger als der Vorgänger, wird er nun familientauglich. Vor allem die Fondpassagiere finden endlich genug Platz für lange Beine, in den Kofferraum passt eine Sporttasche mehr. Etwas Luxus gegen Aufpreis: Die Klappe öffnet auf Wunsch elektrisch, sogar nach einem angedeuteten Fußtritt unters Heck (575 Euro, inklusive schlüssellosem Zugang). Auch vorn sitzen die Passagiere nun besser. Auf bequem gepolsterten Sitzen, die für mehr Seitenhalt dicke Backen an den Lehnen tragen. Nicht so gelungen ist die Lehnenverstellung über einen Hebel: grob gerastert und kaum mit einer Hand bedienbar, weil die Lehne versehentlich wegklappen kann. Mit dem klassischen Handrad geht das feinfühliger, exakter, sicherer. Typisch Ford: die Inneneinrichtung. Das Cockpit aus dunkel glänzendem Kunststoff mit vielen winzigen Tasten in der Mittelkonsole kennen wir aus dem Focus. Leider sind der zu kleine Navi-Bildschirm und die umständlichen Bedienungsmenüs geblieben.
Ford Kuga
Der 1,6 Liter große Vierzylinder-Benziner leistet 182 PS, die Automatik raubt ihm aber seine Spritzigkeit.
Bild: Werk
Für die erste Testfahrt stand uns der neue 1,6-Liter-EcoBoost-Vierzylinder mit 182 PS zur Verfügung (ab 29.250 Euro). Den gibt es nur mit einer klassischen Sechsstufen-Wandlerautomatik. Dieses Getriebe wechselt Gänge zwar sanft, dämpft aber das Temperament des Vierzylinders. Besonders agil wirkt der automatische Kuga deshalb nicht. Es hilft übrigens auch wenig, das Sport-Programm einzulegen. Vielleicht schärft Ford die elektronische Steuerung des Getriebes bis zum Verkaufsbeginn im April 2013 noch nach. Deutlich besser gelungen: Der Motor klingt so leise, als sei er weit entfernt, der Wind zischelt auch jenseits von 100 km/h nur sanft um die Karosserieecken. Die Akustiker schotteten den Motor nämlich mit dicken Kunststoffmatten vom Innenraum ab und schäumten für mehr Ruhe die Dachsäulen mit einer schallschluckenden Spezialmasse aus. Komplett neu: der Allradantrieb. Der beherrscht nun allerlei elektronische Regeltricks, die verhindern, dass ein Rad haltlos durchdreht, verteilt die Antriebskraft stufenlos von vorn nach hinten und wieder zurück.
Wer möchte, kann über ein Display im Kombiinstrument verfolgen, was unter dem Auto gerade passiert. Wer dort nicht hinschaut, merkt vom ganzen Regelzauber nichts. Außer, dass eben fast nie ein Rad durchdreht. Und was kostet der neue Kuga? Mindestens 24.000 Euro für den Trend mit 1,6-Liter-EcoBoost-Benziner und Vorderradantrieb – 2000 Euro weniger als ein vergleichbarer VW Tiguan.

Fazit

von

Andreas Borchmann
Der neue Kuga hat das Zeug zum Tiguan-Bezwinger. Er liegt gut, bietet endlich genug Platz für Passagiere mit Gepäck und kostet rund 2000 Euro weniger als der VW.