"Was für ein Langweiler!", mögen Sie sich beim Anblick des Ford Mustang 2.3 LX vielleicht denken. Wir drehen gern noch mal eine Runde mit dem Weißen und meinen: Drescht doch nicht alle auf ihn ein! Das letzte Facelift der dritten Mustang-Generation ist nur Opfer seiner Umstände: Denn Ende der Achtziger hat Ford sein Kultmodell längst abgeschrieben – unglaublich, aber wahr.
Ford Mustang 2.3 LX Convertible
Von wegen Flop: Den Mustang-Jahrgang 1990 verkauft Ford an 128.189 Kunden.
Bild: Christian Bittmann
Damals entwickelt Ford gemeinsam mit den Japanern einen Mustang-Nachfolger. Es droht ein Pony-Car-Pearl-Harbor. Bitter-böse Briefe empörter Mustang-Fans gehen daraufhin in der Ford-Zentrale Dearborn ein. Der "Mazdang" mit Vorderradantrieb kommt trotzdem: als Ford Probe. Der brummige 90-PS-Vierzylinder im weißen Cabrio ist typisch für jene trübe Zeit, obwohl Ford auch den Cobra SVT mit Fünfliter-V8 im Programm hatte. Die abgeschrägte Aero-Schnauze des späten Mustang III von Jens Heise erinnert ein wenig an den europäischen Ford Scorpio, das Cockpit könnte auch aus einem 1978er Audi 80 stammen. In dieser Disziplin ist der Weiße tatsächlich ein typischer Mustang: für einen Ami erfrischend unamerikanisch. Weniger spritzig dagegen: der lasche Motor in Verbindung mit der müden Marshmallow-Vierstufenautomatik. Der Mustang III brilliert zwar mit dem präzisesten Handling, wirkt dafür aber in jedem Drehzahlbereich, als wäre er Tage halb verdurstet durch die Wüste galoppiert. Der Vierzylinder-Mustang ist nicht nur der Jüngste, sondern auch der Trägste in diesem Vergleich: Mehr als 15 Sekunden vergehen von null auf 100 – eine Ewigkeit. Lieutenant Frank Bullitt würde in den 90ern vermutlich aus einem anderen Auto steigen.
Liebling der Asphalt-Cowboys: Ford Mustang GT 390 

Perfekter Youngtimer für Coke-Zero-Trinker

Ford Mustang 2.3 LX Convertible
Wer den schlappen 90-PS-Basismotor mit Multiport-Einspritzung nicht mag, kann auch einen Fünfliter-V8 haben.
Bild: Christian Bittmann
Doch wer keine Verbrecher jagen, sondern die Welt retten will, der kann mit dem Cabriolet zumindest ökonomisch fahren: Weniger als zehn Liter auf 100 Kilometer sind drin. Respekt. Dieser Mustang ist der perfekte Youngtimer für Coke-Zero-Trinker, die einen Chrysler LeBaron noch zu extrovertiert finden. Der junge Klassiker fährt nicht spannender als das US-Spießerauto Taurus, stellt seinen Besitzer aber auch vor keinerlei Herausforderungen. Cowboys freuen sich, wenn sich das Verdeck elektrisch hinter die Rücksitze faltet und dabei klingt wie eine elektrische Zahnbürste. Sie genießen seine unaufdringlichen Manieren, sein alltagsnah abgestimmtes Fahrwerk, kuscheln sich gern ins Velours und warten, bis das optionale Kassettenradio "Axel F" spielt, weil wenigstens dann etwas Beverly-Hills-Gefühl durchs industriegraue Plastik-Interieur weht. Unglaublich, dass Ford diese Modellreihe über fast anderthalb Jahrzehnte am Laufen hält, von 1979 bis 1993. Lee Iacocca ist schon beim Debüt nicht mehr dabei: Henry Ford II feuert ihn bereits 1978. Iacocca geht gekränkt, aber immer noch voller Ideen zu Chrysler, wo er das nächste Zeitgeist-Auto erfindet: den Minivan. Und Amerikas Paradepferd galoppiert derweil ewig weiter. Das weiße Cabriolet, ein Langweiler? Nur für Leute, die sich nicht für neuere Autogeschichte interessieren.

Fazit

von

AUTO BILD
Zugegeben, der Mustang III kann nur scheitern, wenn wir ihn mit seinen Vorgängern vergleichen. Betrachten wir das Langzeit-Modell lieber als das, was es zu seiner Zeit war: Fords Antwort auf die Invasion der Japaner in den späten 70ern. Und gegen die schlug sich der Mustang III gar nicht schlecht. Nur der lendenlahme 90-PS-Basismotor ist heute ein ernsthaftes Handicap.