Kein Radio, kein Klima, keine Rücksitze – dafür ein gigantischer Heckflügel, Sidepipes und ein 5,4-Liter-V8 unter der Haube: Der Cobra R ist einer der radikalsten Ford Mustang aller Zeiten. In Deutschland wurde das auf 300 Stück limitierte Sondermodell nie offiziell angeboten, in den USA wird Nummer 22 aktuell versteigert. Besonders krass: Trotz sechs Vorbesitzern in 23 Jahren stehen gerade mal 1003 Kilometer auf dem Tacho. Das soll der Cobra R kosten!
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Der Ford Mustang ist eine DER automobilen Legenden überhaupt. Das gilt natürlich in erster Linie für die frühen Modelle der ersten Generation, wobei sich auch der neuen Mustang unter Fans großer Beliebtheit erfreut.
Weniger gesucht ist Mustang Nummer vier. Pünktlich zum 30. Jubiläum legte Ford 1994 die neue Generation auf, die erst 2004 abgelöst wurde. Durchschlagenden Erfolg hatte der Mustang anfänglich nicht, was auch am vermeintlich schwachen 3,8-Liter-V6-Basismotor mit überschaubaren 147 PS lag. Selbst das vorläufige Topmodell, der GT, holte aus seinem 5,0-Liter-V8 gerade mal 218 PS aus seinen Brennräumen.

Schon 1995 gab es den ersten Cobra R

Doch Ford besserte ständig nach. Das sogenannte "Special Vehicle Team", kurz SVT, brachte schon im Erscheinungsjahr den limitierten Mustang Cobra, 1995 folgte der nur 250 Mal gebaute Cobra R (erste Version) mit immerhin 309 PS. Nach verschiedensten Modellpflegen, Sondermodellen und Anpassungen der Motorenpalette wurde im Jahr 2000 ein echter Hammer vorgestellt: der Ford Mustang Cobra R!
2000 Ford Mustang Cobra R mit 623 Meilen
Dezent ist anders: Den ausladenden Frontsplitter und den XXL-Heckflügel gab es nur für den Cobra R.

Fürs Modelljahr 2000 wurden vom SVT-Team und mithilfe verschiedener Zulieferer exakt 300 durchnummerierte Exemplare gebaut. Schon auf den ersten Blick macht der Cobra R klar, dass er zu den brachialsten Mustang aller Zeiten gehört. Die Front wird von einem demontierbaren Splitter dominiert, auch der Powerdome auf der Motorhaube ist nicht von schlechten Eltern.
2000 Ford Mustang Cobra R mit 623 Meilen
Heckschürze mit großem Mustang-Schriftzug, dafür ohne sichtbare Endrohre. Die Sidepipes enden vor den Hinterrädern.

Auf den Kotflügeln befinden sich Cobra-Logos, vor den Hinterrädern mündet die Abgasanlage in zwei Sidepipes pro Seite. Dieses Feature hat nicht nur optische Gründe, sondern ist auch der Tatsache geschuldet, dass der Cobra R einen größeren Tank hat. Das Highlight am Heck ist der feststehende XXL-Heckflügel, den kein anderer Mustang trägt.
Spezielle Fünfspeichen-18-Zoll-Felgen, eine Vierkolben-Brembo-Bremsanlage und eine Tieferlegung mittels einer Kombination aus Eibach-Federn und Bilstein-Dämpfern sind nur beim Cobra R Serie. Die Außenfarbe: "Performance Red".

Offiziell hatte der Cobra R 390 PS

Alles andere als Serie ist der 5,4-Liter große V8 unter der Haube. Das SVT-Team überarbeitete den V8 umfangreich und stattete ihn unter anderem mit Schmiedekolben, DOHC-Zylinderköpfen, einer neuen Ansaugung, Alukühler und speziellen Nockenwellen aus. Die offizielle Leistung wurde mit 390 PS und 522 Nm angegeben, doch schon damals hielt sich das hartnäckige Gerücht, dass Ford bei der Leistung etwas untertrieben haben soll, da mehrere Cobra R auf Prüfständen deutlich mehr Leistung auf die Rolle gebracht haben sollen.
2000 Ford Mustang Cobra R mit 623 Meilen
5,4-Liter-V8 mit veränderter Ansaugung und speziellen Zylinderköpfen, die später in abgewandelter Form auch im Ford GT zum Einsatz kamen.

Alle 300 Exemplare wurden mit einer Sechsgang-Handschaltung von Tremec mit Alu-Schwungrad, Sperrdifferenzial und einer speziellen Sportabgasanlage mit Bassani-X-Pipe und Borla-Endschalldämpfern ausgeliefert. Für eine gute Performance auf dem Dragstrip wurde die Übersetzung in den niedrigen Gängen besonders kurz ausgelegt. So soll der Cobra R aus dem Stand in 4,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Trotzdem wurde der Topspeed mit 282 km/h angegeben.
2000 Ford Mustang Cobra R mit 623 Meilen
Alles andere als spektakulär: Das Cockpit ist eine einzige Plastiklandschaft. Das Lenkrad trägt einen Cobra-Schriftzug.

Im Vergleich zum spektakulären Äußeren ist das Interieur trist. Mit Ausnahme der schwarzen Recaro-Stoffsitze mit Cobra-R-Logo ist das Cockpit eine einzige Plastiklandschaft und könnte auch aus einem 99er Ford Focus stammen. Um das Gewicht möglichst gering zu halten, wurden beim Cobra R fast alle Komfortfeatures gestrichen. Radio? Gibt es nicht! Klimaanlage? Fehlanzeige! Rücksitze? Braucht niemand. Immerhin sind eine Heizung und elektrische Fensterheber an Bord. Ansonsten ist der Innenraum auf das Wesentliche reduziert – nämlich aufs Fahren!

Das haben die sechs (!) Vorbesitzer dieses Ford Mustang Cobra R, der aktuell auf der Auktionsplattform bringatrailer.com angeboten wird, allerdings nicht getan. In den vergangenen 23 Jahren stand Nummer 22/300 mehr herum, als dass sie gefahren wurde. Auf dem schlichten Tacho stehen 623,3 Meilen, was umgerechnet gerade mal 1003 Kilometern entspricht.
2000 Ford Mustang Cobra R mit 623 Meilen
Schwarze Recaro-Stoffsitze sind das einzige Highlight im ansonsten tristen Innenraum. Die Rücksitze entfallen beim Cobra R.

Da ist es auch wenig verwunderlich, dass sich der Mustang auf den über 200 veröffentlichten Fotos in einem entsprechend guten Zustand präsentiert. Bis auf minimale Kratzer an der Unterseite des Frontsplitters könnte der Cobra R glatt als Neuwagen durchgehen. Dass er unfallfrei ist, sollte sich bei der geringen Laufleistung von selbst verstehen.

Aktuelles Höchstgebot: über 70.000 Euro

Angeboten wird das seltene Sondermodell mit frischem Ölwechsel und allen dazugehörigen Dokumenten – darunter das Original-Zertifikat und ein Ordner, den alle Cobra-R-Besitzer beim Kauf erhielten.
Das Höchstgebot liegt aktuell bei umgerechnet 73.800 Euro (80.000 US-Dollar). Im Jahr 2000 betrug der Neupreis übrigens 54.995 US-Dollar. Fraglich, ob es sich gelohnt hat, den seltenen Mustang all die Jahre nicht zu fahren. Hoffentlich ändert sich das beim neuen Besitzer!