Ford hat seinen Dauerbrenner auf Alltag getrimmt - sogar mit einem Hubraumzwerg unter der Haube. Aber ist das noch ein Mustang? Fahrbericht!
Bild: Erwin Fleischmann
Joachim Staat
Video: Ford Mustang EcoBoost (2015)
So fährt der Diät-Mustang
Amerika schenkte uns Begriffe wie "fettfrei" und "kalorienarm". Jetzt kommt – neben dem weiter angebotenen V8 – sogar ein "Mustang Light": mit Vierzylinder! Diese Hubraum-Diät auf nur noch 2,3 Liter lässt sich schmerzfrei nur im entspannten Cabrio austesten – sozusagen temporeduziert. Aber ist das noch ein echter Mustang? Optisch eindeutig, denn der Ami überragt ein BMW 4er Cabrio in der Länge um stolze 14 Zentimeter. Vorm Fahrer erstreckt sich ein gefühlt endloser Haubenhorizont, auch wenn der offiziellen Importversion die Lufthutzen des US-Originals fehlen. Dafür trimmt Ford Bremsen, Kühlung und Fahrwerk auf deutsche Autobahnreife. Auch die Einrichtung genügt endlich unseren Ansprüchen. Schluss mit der Plastikwüste von früher, stattdessen weicher Kunststoff, verchromte Kippschalter und ein hochauflösendes Display. Eine labberige Filzmatte wie früher liegt nur im Kofferraum. Die elektrisch verstellbaren Ledersitze passen gut, doch trotz imposanter Länge bietet der Mustang hinten nicht mehr Knieraum als ein Audi Cabrio.
Auch das Stoffdach (serienmäßig elektrisch!) zeigt die neue Qualität: Die große Glasheckscheibe erweitert das Sichtfeld, das Verdeck sitzt fest und dämmt ordentlich. Geöffnet stürmt es hinter der steilen, kurzen Frontscheibe so, wie es sein soll. Dinge wie Windschott oder ausfahrende Überrollbügel gelten vermutlich als Weicheier-Extras. Denn der Mustang spielt wieder das Männerauto. Klare Instrumente, wenig Schnickschnack, wichtigstes Assistenzsystem ist die manuelle Handbremse.
Unter der Haube lässt der kleine Vierzylinder-Ecoboost reichlich Luft.
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Also los, den Startknopf drücken. Jetzt kommt der Moment der Wahrheit. Vorne erwacht das Hubraumbübchen, das den Motorraum gerade mal zur Hälfte ausfüllt – und die Gehörgänge gar nicht. Was ist das denn? Mondeo? S-Max? EcoBoost steht auf dem Motordeckel, und so klingt der 2,3-Liter auch. Wie ein gurgelnder Müsli-Esser, ohne Röcheln, ohne Ballern oder einprogrammiertes Spotzen, das den Verzicht auf den durstigen V8 zumindest akustisch versüßt hätte. Schade, der Mustang hätte bessere Begleitmusik verdient. Etwa in der Tonlage eines A 45 AMG, dessen zwei Liter Hubraum Mercedes so überzeugend inszeniert. Zumal der Einstiegsmotor im Ford durchaus Muckis hat: In gut sechs Sekunden schiebt er den Brocken auf Tempo 100, jedes Schalten ein Holzfäller-Handschlag des knackigen Getrag-Getriebes. Weil 65 Kilo weniger als beim V8 auf der Vorderachse lasten, nimmt der Vierzylinder-Mustang Kurven besser ausbalanciert (53:47 Prozent).
Im Innenraum herrscht Old Style: schwarz und mattes Metall, klare Instrumente.
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Die Lenkung, zunächst als luschig empfunden, baut mit jedem Kilometer mehr Vertrauen auf. An einem der Kippschalter lässt sich das Lenkgefühl in drei Stufen einstellen – doch Normal, Sport oder Komfort bringen kaum Unterschiede. Egal, weil der Mustang seine Passagiere nicht perfekt, aber grundehrlich durch die Weite schaukelt. Trotz der schicken, flachen 40er-Querschnitt-Slipper schluckt sein Fahrwerk bei trockener Grundnote erstaunlich viel weg. Erst auf schlechten Straßen knistert der geöffnete Convertible gelegentlich im Frontscheibenrahmen oder poltert ungehobelt in tiefe Löcher. Verstellbare Dämpfer? Vergiss es. Für konkurrenzlose 39.000 Euro sind schon Zwei-Zonen-Klima, Tempomat, Leder, Xenonlicht und Regensensor serienmäßig an Bord.
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Ford Mustang (2015): Preise und Leistungsdaten
So übersichtlich wie von gestern auch die Extras: Das Premium-Paket für 2500 Euro fasst Navi, Parksensoren und den letzten Schuss Glimmer zusammen – fertig. Wo macht der Mustang-Reiter dann Abstriche? Wo er’s sowieso nicht braucht. Das Navi liefert keine Echtzeit-Stauinfo, der Wendekreis ist groß (12,2 Meter), das Wartungsintervall kurz (16.000 Kilometer). Dafür zuckelt das Hubraum-Bübchen unter einem sensiblen Cabrio-Gasfuß mit unter zehn Litern über die Autobahn, wo der größere Achtzylinder locker drei Liter mehr schluckt. Aber: Der kostet nur 4000 Euro mehr und klingt! Dafür lassen viele den Diät-Mustang stehen – und nehmen die Vollfettstufe.
Fazit
von
Joachim Staat
Kleine Motoren sind sparsam und günstig. Aber bitte nicht im Mustang! Nicht im Männerauto, der grollenden Unvernunft, die klingen muss! Wenn schon Sparmotor, dann ein V6 mit Stimme. Es hört ja auch niemand Elvis mit dem Organ von Pharrell Williams.
Ford Mustang (2015): Preise und Leistungsdaten
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Lange, lange mussten wir warten. Und ganz allmählich, Stückchen für Stückchen, gibt Ford Einzelheiten zum neuen Ford Mustang bekannt. Jetzt haben die Amis verraten, wie schnell das Pony auf Tempo 100 galoppiert: 5,8 Sekunden braucht es mit dem 2,3-Liter-EcoBoost-Motor mit vier Zylindern, mit Fünfliter-V8 ist es genau eine Sekunde weniger (beide mit manuellem Getriebe). Wie lange ...
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... die Automatik- und Cabrio-Versionen brauchen, werden die Cowboys bestimmt auch noch irgendwann verraten. Wir wissen bereits: Los geht's im Sommer 2015, wenn der Mustang nach Europa kommt. Und das quasi zum Schnäppchenpreis: Los geht es bei 35.000 Euro mit dem 2,3-Liter-Herz, und das Pony mit Fünfliter-V8 ...
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... gibt's als Fastback GT ab 40.000 Euro. Freiluftfans müssen für das Cabrio mindestens 39.000 Euro hinlegen. Es kommt zeitgleich mit dem Coupé, das Dach faltet sich in 15 Sekunden weg. Alle Versionen kommen serienmäßig mit Performance-Paket, das unter anderem dank einer modifizierten Fahrwerksabstimmung inklusive ...
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... angepasster Fahrwerkslager, einer verbesserte Kühlleistung, einer zusätzlichen Strebe zwischen oberer Radaufhängung und Motorraum-Stirnwand, verstärkten Stabilisatoren hinten sowie einer spezielle Abstimmung der Fahrer-Assistenz-Systeme sowie der elektrischen EPAS-Servolenkung noch bessere Handling- und Fahreigenschaften garantieren soll.
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1979 kam die dritte Generation des Mustang als Cobra-Edition mit einem 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbo unter der Haube und bescheidenen 116 PS. Der 2,3-Liter-EcoBoost-Turbo im neuen Mustang hat 314 PS und ...
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... stemmt 434 Newtonmeter (Nm) Drehmoment auf die Hinterachse, maximal sind 234 km/h drin. So muss sich der Käufer nicht gleich von jedem GTI an der nächsten Ampel vernaschen lassen, erspart sich aber die Sauf-Eskapaden des ...
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... 5,0-Liter-V8, der mit Automatikgetriebe satte 12, mit Sechsgang-Handschaltung 13,5 Liter Sprit schluckt. Der Achtzylinder leistet 441 PS und 542 Nm, schafft Tempo 250, kommt todsicher mit dem passenden Brabbeln und wird für echte Fans wahrscheinlich der einzig wahre Antrieb sein.
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Ein Mustang ist keine Rennmaschine, sondern ein GT für die flotte Reise. Die Motoren werden mit einer manuellen Sechsgang-Box gekoppelt, auf Wunsch gibt es eine Automatik mit sechs Stufen und Schaltwippen am Lenkrad.
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Insgesamt streckt sich der Mustang auf 4,78 Meter Länge, ist aber nur 1,38 Meter hoch. Ein neuer Mustang muss auch immer irgendwie ein Retro-Mobil bleiben, deshalb hat sich Ford weit von den Irrungen der 80er- und 90er-Jahre auf einen Mix aus Neu und Alt besonnen. Besonders das Heck ...
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... zitiert die Vorfahren der 60er, aber auch hier wurde modernisiert: Wo hinten früher schnöde Glühbirnen die schmalen Streifen hinterleuchteten, erstrahlen mittlerweile sechs vertikale LED-Linien. An der Front ...
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... gelingt Ford eine Mischung aus Retro und aktuellem Ford-Design: Der große Grill ist eingerahmt von schmalen Scheinwerfern statt der runden Leuchten wie beim Vorgänger. Zwei markante Sicken ...
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... prägen die lange Haube und die massigen Flanken.
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Der Kofferraum ist flach, hat eine hohe Ladekante und soll zwei Golfbags schlucken.
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Das Cabrio (kommt zeitgleich) behält die muskulöse Linie des Coupés bei und trägt eine Stoffhaube, ...
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... die in 15 Sekunden unter einer Blechklappe verschwindet.
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Der Rahmen der Windschutzscheibe wird verstärkt und dient als Schutz bei einem Überschlag.
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Der Kofferraum verdient den Namen nicht, dazu ist die Ladekante hoch.
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Das Cockpit übernimmt das Cabrio vom Coupé, ...
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... hinten gibt es weder Platz noch Kopfstützen.
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Mehr als moderner Touch ist dagegen die Mehrlenker-Konstruktion der Hinterachse, die endlich das starre Fahrwerk der Vorgänger-Generationen ablöst. Ein Quantensprung, der das labbrige Fahrwerk älterer Mustang endlich dahin schickt, wohin es gehört: auf den Autofriedhof.
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Hinter mindestens 19 Zoll großen Rädern warten standfeste Bremsen auf Zugriff, im Fall des Achtenders stammen sie von Brembo.
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Über Kippschalter in der Mittelkonsole lassen sich Lenkung und Fahrdynamik beeinflussen, hier bekommt das Musclecar eine Gehirnwäsche mit Hilfe der Elektronik.
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Kleiner Gag am Rande für den großen Auftritt: Die Ingenieure haben in die Außenspiegel Minibeamer integriert, die einen galoppierenden Hengst mit wehender Mähne auf den Boden neben den Türen projektzieren – das braucht kein Mensch, aber es sorgt für zusätzliche Blicke.
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Einem neuen Gaul schaut man durchaus ins Maul – im Fall des Mustang werfen wir einen Blick auf dessen Tauglichkeit für die Zukunft.
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Das Rennpferd erfreut den Betrachter mit modernen Instrumenten, die nicht nur so aussehen, ...
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... als seien sie auf der Höhe der Zeit, sondern sie sind es auch: Rund um die ...
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... zwei klassisch gezeichneten Rundinstrumente geben diverse Anzeigen den Hinweis auf Helfer wie Tempomat, Totwinkelwarnung und andere Assistenzsysteme. Öldruck ...
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... und ähnliche Infos gibt's in Uhren auf der Mittelkonsole.
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Ford-SYNC2 mit Sprachsteuerung und Konnektivität mit medialen Endgeräten hat der neue Mustang locker drauf.
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Die Rücksitze sind wie bisher allenfalls ein Notbehelf, lange Fahrten sind Erwachsenen kaum zuzumuten. Vorne soll's dafür umso gemütlicher werden, sagt Ford: Fahrer und Beifahrer nehmen in ledergepolsterten Sportsitzen Platz. Sie sind sechsfach elektrisch einstellbar und verfügen je über eine justierbare Lendenwirbelstütze, auf Fahrerseite ...
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... ebenfalls elektrisch einstellbar. Lenkrad, Handbremsgriff und – bei Fahrzeugen mit Schaltgetriebe – der Schaltknauf sind mit Leder bezogen. Alu-Pedale zeigen die sportlichen Gene. Wer es noch individueller und komfortabler mag, kann sich für 2500 Euro Aufpreis das Premium-Paket leisten.
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Es umfasst unter anderem Navigationssystem und ein Premium-Sound-System mit zwölf Lautsprechern.
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