Michael Schumacher: Stationen seiner Karriere

Formel 1: 50 Jahre Schumi

Tricksen, Tarnen, Triumphieren

Teil 4 unserer Serie zu Schumis 50. Geburtstag. Kaum ein Rennfahrer machte so viele Negativ-Schlagzeilen. Um zu siegen, waren Schumi auch Fouls recht.
91 Siege hat er geholt und sieben Weltmeistertitel. Immer hat er alles richtig gemacht. Nur ein paar Mal, ja, da ist Michael Schumacher übers Ziel hinausgeschossen. Und ausgerechnet dieser kleine Bruchteil seines Schaffens war es, der einen Großteil seines Images bestimmte.
Ein Image, das Schumacher oft als fragwürdigen Superstar dastehen ließ. Kollisionen, Tricksereien, Täuschungsmanöver – im Mittelfeld der Formel 1 sind sie Alltag. Aber Michael Schumacher war eben kein Mittelmaß. Als Titelkandidat stand er stets im Mittelpunkt des Interesses. Immer unter Beobachtung, ununterbrochen im Bild. Und gerade deshalb wogen seine Fehler so schwer.
Teil 1 - Schumis Anfänge: Kart, Cola und Krafttraining
Dabei erinnert sich Jürgen Dilk, Schumis Ziehvater aus Kartzeiten, an einen grundehrlichen Burschen. „Damals haben viele Fahrer mit einer Vergaserbüchse die Leistung des Motors illegal gesteigert. Ich wollte das auch tun. Aber Michael sagte: ,Wenn Sie meinen, aber dann höre ich auf, Kart zu fahren.“ Schumi war damals 15. Und hielt nichts von technischen Tricksereien.

Per Kollision zum ersten Titel: Schumi gegen Hill 1994

Auf der Piste war er aber schon als Teenie wenig zimperlich. „Wenn das Fernsehen von der Kartbahn in Kerpen berichtete, gab es immer eine Kurve, die die Kameras nicht einfangen konnten“, erzählt ein Wegbegleiter, „hinter diesem Hügel hat Michael seine Gegner dann von der Strecke torpediert.“
Schlitzohr Schumi. Kompromisslos zum Sieg. Sechs Jahre später. Formel-3-Weltfinale in Macau 1990: Schumi führt vor Mika Häkkinen. Der attackiert den Deutschen in der letzten Runde. Schumi zackt leicht in Häkkinens Spur und schickt den Finnen bei Tempo 270 in die Leitplanken. Später fragt er verständnislos einen Freund: „Wie kann Mika nur glauben, dass ich mich in der letzten Runde überholen lasse?“
Teil 2 - Schumis Idol: Die ganze Story mit Ayrton Senna
Das ist sie, Schumis Rennphilosophie, die ihm so viele Siege, so viele Titel und noch mehr Feinde eingebracht hat. Besonders in der Formel 1.

Michael Schumacher: Alle seine Teamkollegen

Benetton 1994. Ein junges, ein aufstrebendes Team. Mit ein paar Siegen, aber noch ohne WM-Titel. Es liegt in der Natur des Motorsports, die Grenzen des technisch Erlaubten auszuloten. Benetton macht das ganz besonders gut. Es ist Williams-Pilot Ayrton Senna, der erstmals Zweifel an der Legalität des B194 anmeldet.
Nachdem Schumis Boxencrew beim GP Brasilien zweimal schneller war als Sennas, spekuliert der vielsagend: „Da ich davon ausgehen will, dass alle Tankanlagen gleich schnell sind, müssen wir eine ganze Menge mehr Sprit gebraucht haben.“ Ein Satz, der noch drei Monate später in Hockenheim nachhallt. Denn beim Tankstopp geht der Benetton von Schumis Teamkollegen Jos Verstappen plötzlich in Flammen auf. Ein Drahtfilter wurde entfernt. Angeblich mit Genehmigung des Herstellers.

Um die Legalität des Benetton gab es viele Debatten

Auffällig sind 1994 auch Schumachers regelmäßige Blitzstarts. Der Verdacht des Einsatzes einer Traktionskontrolle, die zu Trainingszwecken zwar erlaubt, im Rennen aber verboten ist, drängt sich auf. Beim dritten Grand Prix in Imola konfisziert der Automobilweltverband FIA den Datenrekorder des Schumi-Renners. In Hockenheim schockt das Ergebnis: Tatsächlich ist eine Startkontrolle installiert. Das Problem: Die FIA kann nicht nachweisen, dass das System tatsächlich im Rennen eingesetzt wurde. Schumacher kommt mit einem blauen Auge davon. Und mit dem neuen Spitznamen „Schummel-Schumi“.
Frank Dernie, damals Benetton-Ingenieur, beteuert gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT: „Michael hat nicht betrogen. Und wenn doch, dann so, dass selbst ich davon nichts mitbekommen habe.“ Schumis Teamkollege JJ Lehto flüsterte allerdings schon damals: „Michael hat Knöpfe am Lenkrad, die ich nicht habe.“ Aussage steht gegen Aussage.
Teil 3 - Schumis Fahrstil: Geheime Kurventechnik
Noch drei weitere Male fällt Schumi 1994 negativ auf. In Silverstone überholt er Damon Hill in der Einführungsrunde, kassiert dafür eine Stop-and-go-Strafe, die er und das Benetton-Team ignorieren. „Wir dachten, das wäre eine Zeitstrafe“, rechtfertigt sich Teamchef Flavio Briatore. Schumi wird disqualifiziert. Doch auch die schwarze Flagge sieht er nicht. Und der Teamchef am Boxenfunk schweigt. Die FIA zerrt Schumi vors Berufungsgericht: zwei Rennen Sperre. Schumi belastete das enorm.

Michael Schumacher: Seine WM-Gegner heute

In einem Interview nach seinem ersten Karriere-Ende im Magazin der Süddeutschen Zeitung verrät er: „Mein Empfinden damals war: Es war alles inszeniert, und ich sollte der böse Bube sein. Wir hatten einen großen Vorsprung in der WM, die Bestrafung kam vielen gelegen.“
Genau wie die Disqualifikation in Spa. Der Sieg wird aberkannt, weil die Holzplatte am Unterboden an einigen Stellen zu dünn ist. Mögliche Ursache: ein Highspeed-Dreher über die Curbs. Den Rennkommissaren ist das egal. Mit nur einem Punkt Vorsprung auf Williams- Rivale Damon Hill kommt Schumi deshalb zum letzten Rennen in Adelaide. Es geht um alles oder nichts. Nach einem Fahrfehler des Deutschen setzt Hill zum Überholmanöver an. Doch Schumacher haut die Tür zu. Gnadenlos.

Schumis Foul gegen Villeneuve ging nach hinten los

Obwohl bei nur zwölf von 16 Rennen gewertet, wird er so Weltmeister. „Ich habe mich für die Linie entschieden und gedacht, die fahre ich jetzt auch so.“ Für Schumi gilt eben das Recht des Schnelleren...
Die gleiche Situation drei Jahre später. Nur: Der Rivale ist in Jerez 1997 ein anderer. Aber gegen Jacques Villeneuve misslingt der instinktive Foul-Versuch. Der Final-Rammstoß befördert nicht den Konkurrenten ins Aus, sondern Schumi selbst. Für die Kritiker aber viel schlimmer: Der Kerpener sieht den Fehler nicht gleich ein. Alle Punkte und der Vize-Titel werden Schumi aberkannt. Das Foul bringt diesmal nur Ärger. „Wenn ich etwas ungeschehen machen könnte, dann Jerez“, bekennt Schumi in einem Interview 1999 mit dem "Stern".
Zuletzt rief 2006 das Parkmanöver im Qualifying von Monaco alle Kritiker auf den Plan. Als Schumi seinen Ferrari nach angeblichem Fahrfehler abstellt, Alonsos letzte fliegende Runde zerstört und sich erneut vor einer glaubhaften Erklärung drückt. Warum er wieder Raum gelassenhat für Spekulationen? Warum er seinen Kritikern so ein weiteres Mal die Gelegenheit gegeben hat, ihn zu verurteilen? Das weiß nur Schumiselbst.

Die Park-Aktion im Monaco-Quali 2006 wurde bestraft

„Wir haben in den letzten Jahrzehnten einige Zeit miteinander verbracht“, sagt Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone zu ABMS. „Und ich kann versichern: Arrogant ist Michael nicht. In England wurde immer viel über seine Fouls und Missetaten gesprochen. Aber ich sage: Er war ein Sieger, weil er gewinnen wollte. Und um so oft zu gewinnen, muss man den anderen schon mal in den Weg fahren. Das Einzige, was ich an ihm kritisiere, war sein Monaco-Auftritt 2006. Entschuldigung, aber es war, ehrlich gesagt, richtig bescheuert, das Auto in der Rascasse zu parken.“
Fakt ist: Ohne Ellenbogen wurden weder Ayrton Senna noch Alain Prost Weltmeister. Und es war wohl gerade eben jene Durchbox-Mentalität, die Michael Schumacher zum erfolgreichsten Rennfahrer aller Zeiten werden ließ.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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