Formel 1: Alpine feuert Teamchef Szafnauer
Alonso tritt gegen Ex-Boss nach: "Sollte ruhig sein"

Bei Alpine bleibt aktuell kein Stein auf dem anderen: Fernando Alonso bereitet das Chaos beim Ex-Team Genugtuung, besonders die Entlassung eines Mannes.
Bild: Aston Martin
- Frederik Hackbarth
Das Alpine-Beben hat in der Formel 1 seine Spuren hinterlassen: Nach dem Aus von CEO Laurent Rossi und den hochrangigen Abgängen von Pat Fry und Renault-Urgestein Alan Permane, erwischt es am letzten Wochenende vor der Sommerpause in Spa mit Teamchef Otmar Szafnauer die nächste Königsfigur bei den Franzosen, die ihren Hut nehmen muss.
Gut ein Jahr nach der unrühmlichen Posse um die Fahrerbesetzung für 2023 ist praktisch die komplette Führungsetage des Rennstalls weg: Kein Wunder, dürfte auch den Entscheidern bei Mutterkonzern Renault klar sein, dass man dieses Jahr mit Oscar Piastri, der bei McLaren nach nur einem halben Jahr seinen Ruf als Supertalent mehr als bestätigt hat, und Altmeister Fernando Alonso eine der aufregendsten Fahrerpaarungen des Grids stellen könnte.
Stattdessen ist Alpine mit den beiden Franzosen Esteban Ocon und Pierre Gasly in der Realität anno 2023 ans Ende des Mittelfeldes und auf einen abgeschlagenen sechsten Platz in der Konstrukteurs-WM zurückgefallen. Zwei Nullrunden für das Team in Folge, zuletzt in Silverstone und Ungarn, gaben offenbar den Ausschlag auch Teamchef Szafnauer seines Amtes zu entheben.

Alonso und Piastri: Diese Fahrerpaarung hätte Alpine haben können
Bild: Alpine
Bei Alonso, der wegen Alpines Zögern in den Vertragsgesprächen letzten Sommer als Nachfolger von Sebastian Vettel zu Aston Martin flüchtete, sorgt das für eine Menge Genugtuung:
"Es ist die Art und Weise, wie sie Dinge machen. Oder die Art und Weise, wie Otmar Dinge macht. Nach diesem Jahr sollte er ruhig sein. Er sollte überhaupt nicht mehr reden", poltert Alonso im Gespräch mit der britischen BBC. "Nach den ganzen Resultaten von Aston Martin und den Resultaten, die er erreicht, redet er immer noch und ist immer noch stolz auf seine Entscheidung, was unglaublich ist, wirklich erstaunlich."
Alonsos Aston-Martin-Team, bei dem Szafnauer brisanterweise vor seinem Wechsel zu den Franzosen Teamchef war, hat 2023 mehr als dreimal so viele Punkte auf dem Konto wie Alpine. Der Spanier selbst fuhr zu Saisonbeginn reihenweise Podestplatzierungen ein und belehrt mit seinem x-ten Frühling im Spätherbst der Karriere die Kritiker wie Rossi und Szafnauer eines Besseren.
Alpine unterschätze bis heute, welchen Wert er ins Team gebracht habe, sagt Alonso: "Wenn du jedes Wochenende dein Bestes gibst und wie ich auch so viel für Renault getan hast, dann nimmst du es ein bisschen persönlich, wenn jemand deine Leistung, dein Alter oder solche Dinge in Frage stellt", erklärt der 42-Jährige: "Dann willst du natürlich besonders beweisen, dass du in der besten Form deiner Karriere bist. Die Resultate sprechen aber für sich, das ist der beste Weg."

Wie Teamchef Szafnauer muss auch Alan Permane (l.) gehen
Bild: F1
Szafnauer selbst kann seine Entlassung nach nur anderthalb Jahren indes nicht verstehen, in Spa sorgte er in Anspielung auf Alpines ursprünglichen 100-Rennen-Plan mit einem pikanten Spruch für Aufsehen: "Man kann nicht neun Frauen schwängern und hoffen, dass man in einem Monat Vater wird", kritisierte der US-Amerikaner die wenige Zeit, die ihm zum Umkrempeln des Rennstalls eingeräumt wurde.
Beim Verlassen des Fahrerlagers legt Szafnauer am Sonntag nach: "Ich weiß nicht, warum die Entscheidung getroffen wurde, das ist offensichtlich erst in den letzten Tagen passiert. Natürlich hatten wir zuletzt vier Ausfälle am Stück, das lag aber nicht wirklich am Team (unverschuldeter Doppelcrash am Start in Ungarn, Kollision und Defekt in Silverstone; d. Red.)", rechtfertigt sich der scheidende Teamchef und kritisiert seine Absetzung: "Wenn die Entscheidungsträger keine guten Informationen haben, können sie eben auch keine richtigen Entscheidungen treffen."
Bei den Experten im Fahrerlager gehen die Meinungen zu Szafnauers Absetzung auseinander - für Alpines Vorgehensweise, die Entlassung des Teamchefs schon vor dem Belgien GP zu kommunizieren, ihn das Wochenende in Spa aber dennoch leiten zu lassen, herrscht hingegen wenig Verständnis. "Das ist nicht nachvollziehbar. Warum die Eile?", wundert sich beispielsweise Ex-Rennfahrer Mathias Lauda bei ServusTV.
"Man hat jetzt so lange Zeit in der Pause, da hätte man alles in Ruhe klären können, wenn sie glauben, dass er gehen muss. Ich fand das sehr unnötig und es macht das Team auch unsympathisch", findet der Sohn von Formel-1-Legende Niki Lauda klare Worte.

Aus bei Alpine nach nur anderthalb Jahren: Otmar Szafnauer
Bild: F1
Ex-Formel-1-Fahrer Christian Klien geht sogar noch ein Stück weiter: "Bei Alpine hat es nicht funktioniert, aber ich glaube es lag nicht an seinem Managementstil, sondern eher an dem französischen Selbstbewusstsein", schiebt der ehemalige Jaguar- und Red-Bull-Pilot den schwarzen Peter nicht Szafnauer, sondern Rossi und der Konzernführung zu: "Für mich war es nicht Otmars Fehler, dass das Team nicht vorangekommen ist. Da konnte er nicht viel machen."
Um Stehaufmännchen Szafnauer macht sich der Österreicher aber keine Sorgen: "Otmar taucht immer wieder auf. Er ist schon so lange in der Formel 1, bei verschiedensten Teams, in verschiedensten Positionen - er hat ein unglaubliches Wissen und vor allem auch einfach die Kontakte in der Formel 1", glaubt Klien an ein baldiges Comeback im Fahrerlager.
Wann und wo dieses aber stattfinden könnte, "das kann ich jetzt noch nicht beantworten", lacht Szafnauer beim Abschied in Spa: "Hoffentlich bald und hoffentlich in einer wichtigen Rolle, wo ich auch Einfluss haben kann, um ein hochleistungsfähiges Team zusammenzustellen und die Kultur zu verändern. Also all das, was ich bei Alpine machen wollte. Aber dafür war die Zeit zu kurz."
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