Der Formel 1 droht ein Klassenkampf: Noch nicht einmal ein Drittel der Saison ist absolviert, doch der Mehrzahl der Teams geht bereits das Geld aus. Denn die Einhaltung der Budgetobergrenze von 130 Millionen Euro stellt besonders die großen Rennställe vor enorme Probleme.
"Keines der drei Top-Teams ist derzeit innerhalb der Budgetgrenze", verrät Red-Bull-Motorsport-Berater Helmut Marko am Rande des Spanien GP. Neben Red Bull und B-Team AlphaTauri sind auch Mercedes, Ferrari, McLaren und allen voran Aston Martin betroffen.
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Der Grund: "Die Transportkosten sind teilweise um 60 Prozent gestiegen, die Materialkosten ebenfalls und zwar in immensem Ausmaß. Das ist einfach die Realität", sagt Marko und erklärt: "Es hat bereits Gespräche gegeben über eine gewisse Inflations-Angleichung. Erst Pandemie, dann der Krieg, das sind Ereignisse, die nicht vorhersehbar waren und diese Inflations- und Steigerungsraten sind ja auch nicht normal."
Der Doktor der Juristerei wirbt deshalb für eine einmalige Ausnahme in der Saison 2022. "Wenn wieder Normalität einkehrt, wird man auch im Rahmen der Budgetbegrenzung wieder normal agieren können", sagt der Grazer.
Red Bull warnt vor ausgelassenen Rennen und sogar Entlassungen

Kurios ist aber: Während die Top-Teams derzeit jeden Euro umdrehen, um das Budget nicht zu überschreiten, haben ausgerechnet die kleinen Rennställe dieses Problem nicht. Denn viele von ihnen liegen aus Geldmangel ohnehin deutlich unter dem Kostendeckel. Somit droht der Fall zum Politikum zu werden.
Das Problem: Eine Aussetzung oder Inflations-Anpassung der Obergrenze ist nur mit Zustimmung aller Teams möglich: Alfa Romeo, Alpine, Haas und Williams wollen sich darauf aber nicht einlassen. Sie fürchten um die Chancengleichheit und tragen Sorge, dass die Top-Teams das Geld nur zum Fortführen des Wettrüstens im WM-Kampf nutzen. Und damit weiter enteilen, obwohl die Kleinen sich - zugegebenermaßen notgedrungen - an die abgemachten Spielregeln gehalten haben.
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Alfa-Romeo-Teamchef Fred Vasseur spottet deshalb in Bezug auf den Schrei nach mehr Geld: "Die Teams, die nicht mehr viel Luft nach oben haben, können doch ganz einfach darauf reagieren. Sie müssen nur ihren Windkanal abstellen und weniger neue Teile bauen." Auch Alpine-Boss Otmar Szafnauer drängt die Konkurrenz, das fehlende Geld über die Entwicklungsbudgets einzusparen: "Wenn wir das können, müssen es die anderen auch schaffen", sagt Szafnauer.
Bei Red Bull will man sich damit nicht zufriedengeben. Teamchef Christian Horner malt den Teufel an die Wand: "Dann müssen sieben Teams wahrscheinlich die letzten vier Rennen auslassen, nur um das Budgetlimit einzuhalten", kritisiert der Brite und warnt sogar vor Entlassungen bei der Belegschaft, sollten die Kosten zwanghaft gedrückt werden müssen.
Alfa-Romeo-Teamchef Fred Vasseur kann über die Großen nur lachen

Wie die Formel 1 auf den drohenden Zwist zwischen Klein und Groß reagiert, ist noch unklar. Zuletzt ist der Vermarkter den Rennställen aber bereits mit dem Verzicht auf ein Ersatzrennen für abgesagten Russland GP im September entgegengekommen. Ein weiterer Grand Prix hätte für die Teams auch weitere Ausgaben bedeutet.

Kalender-Reform 2023 für mehr Effizienz

Mit Blick in die Zukunft ist die Königsklasse zudem um effizientere Nutzung der Ressourcen bemüht: Dafür soll für 2023 endlich auch der Rennkalender angepasst werden, um unnötige Flugrouten zu vermeiden. Das neue Rennen in Miami soll beispielsweise im Doppelpack mit dem Kanada GP in Montreal stattfinden, Baku eine Reisekette mit den asiatischen Events bilden. Die Rennen im Nahen Osten sollen ebenfalls paarweise steigen, zwei zu Beginn der Saison und zwei am Ende.
F1-Boss Stefano Domenicali hatte die Teamchefs am Sonntagmorgen in Barcelona über die strategische Neuausrichtung informiert. Während F1-Vermarkter Liberty Media sich von der Restrukturierung wohl vor allem verspricht, Platz für weitere Rennen im Kalender zu finden, dürften sich zumindest bei diesen Sparmaßnahmen ausnahmsweise mal alle Teams einig sein: Denn kommende Saison wird die Budgetobergrenze gemäß Vereinbarung ohnehin noch einmal um 4,5 Millionen nach unten geschraubt.

Formel 1 im TV

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Von

Frederik Hackbarth