Strategische Meisterleistung von Mercedes: Lewis Hamilton gewinnt den Großen Preis von Mexiko dank einer Einstoppstrategie vor Sebastian Vettel und Valtteri Bottas.
Alle Zahlen aus Mexiko: Rennergebnis im Überblick
Weltmeister ist er damit allerdings noch nicht. Seinen sechsten Titel kann der Brite jetzt am kommenden Wochenende in Austin (USA) holen, nur noch vier WM-Punkte fehlen ihm dazu.
Hamilton fast schon am Ziel: Aktueller WM-Stand hier
Hamilton: "Ein unglaubliches Ergebnis. Mein Auto war nach der Berührung mit Verstappen beschädigt und der Stint auf den harten Reifen dauerte ewig, aber ich habe es durchgezogen!"
Für Mercedes ist der Sieg am Sonntag der 100. als Konstrukteur in der Formel 1, für Hamilton ist es das 100. Podium mit Mercedes und insgesamt sein 83. Grand-Prix-Sieg. Michael Schumachers Bestmarke von 91 Triumphen kommt er damit immer näher.
Auto darf mit aufs Podium: Hamiltons irre Fiesta Mexicana
Hamilton
Hamilton feiert seinen Mexiko-Sieg mit Donuts
Ferrari ist dagegen der große Verlierer des Rennens in Mexiko City. Von den Plätzen eins und zwei gestartet, muss man den Sieg erneut der silbernen Konkurrenz überlassen.
Pole-Mann Charles Leclerc wird wegen einer Zweistoppstrategie nur Vierter. Vettel reagiert zu spät auf einen Undercut von Hamilton, obwohl er wie beide Mercedes mit dem richtigen Riecher auf eine Einstoppstrategie setzt. Am Ende reicht es aber nicht. "Valtteri hat hinter mir Druck gemacht, deshalb konnte ich Lewis nicht mehr richtig angreifen", sagt Vettel.
Ferrari Opfer der Führungsrolle: Mercedes mit Mut und Glück
RTL-Experte Timo Glock: "Mercedes konnte heute aggressiver mit der Strategie spielen und Ferrari so aus der Reserve locken. Ferrari hat sich mit Vettel verpokert, weil sie dachten, dass der harte Reifen bei Lewis nicht so lange hält."
Der zweite Deutsche Nico Hülkenberg (Renault) landet nach Kollision mit Daniil Kvyat in der Zielkurve (s. unten) nur auf Platz zehn. Max Verstappen wird hinter seinem Teamkollegen Alex Albon Sechster. Der Red-Bull-Star verliert nach einem Duell mit Bottas und einem aufgeschlitzten Reifen früh im Rennen alle Chancen aufs Podium.
Wilder Ritt von Verstappen: Crash mit beiden Mercedes
Lokalmatador Sergio Perez (Racing Point) wird umjubelter Siebter.

So lief das Rennen:

Start: Beide Ferrari kommen am besten weg, behaupten die Plätze eins und zwei: Leclerc bleibt vor Vettel. Hamilton gerät mit Verstappen aneinander, schickt den Red-Bull-Star auf die Wiese und fällt selbst auf Platz fünf zurück. Verstappen ist nur Achter. Profiteur ist sein Teamkollege Albon, der vor Carlos Sainz auf Platz drei vorfährt.
Kleines Scharmützel auch zwischen den beiden Ferrari: Leclerc rutscht im Geschlängel kurz neben die Piste, Vettel attackiert und berührt dabei das Heck des Monegassen, kommt aber nicht vorbei.
Verstappen ist indes zu aggressiv unterwegs: In Runde vier rammt er Bottas im Stadion unsanft von der Ideallinie. Dabei schlitzt ihm der Mercedes-Pilot den Reifen auf. Verstappen muss an die Box, muss seine Aufholjagd von hinten starten.
Runde 12: Albon holt auf Vettel auf, Hamilton schon auf Platz vier, Bottas Fünfter.
Runde 16: Albon biegt in die Box, weil Hamilton Druck macht. Pech: Er kommt hinter Sainz raus und kann seine frischen Pneus nicht nutzen.
Runde 17: Ferrari reagiert auf Red Bull, holt Leclerc an die Box und zieht ihm mittelharte, gelbe Reifen auf. Der Ferrari-Kommandostand fragt Vettel indes nach Plan C. Antwort: "Alles rosig." Sieht so aus, als mache Mercedes nur einen Stopp. Zweistopper Leclerc bekommt die Ansage: "Das wird ein wichtiger Stint."
Ferrari
In der ersten Rennhälfte lag Ferrari noch vorne
Runde 25: Mercedes setzt auf Risiko und wagt mit Hamilton den Undercut gegen Vettel. Ferrari will kontern, ruft eine Runde später auch den Deutschen an die Box. Vettels Gegenvorschlag: "Lasst ihn doch einfach fahren." Der Hesse bleibt tatsächlich draußen. Ferraris nächster Auftrag an Leclerc: "Du musst jetzt pushen." Der Monegasse hat zwölf Sekunden Rückstand auf Vettel und sechs Sekunden Vorsprung auf Hamilton. Der Brite motzt: "Es fühlt sich an, als hätten wir viel zu früh gestoppt. Die Reifen fühlen sich schon tot an." Vettel und auch Bottas bleiben weiter draußen. Der Finne hat sechs Sekunden Rückstand.
Runde 37: Vettel verliert bei Überrundungen viel Zeit, liegt nur noch drei Sekunden vor Bottas. Eine Runde später ruft Mercedes den Finnen zum Stopp. Ferrari reagiert und holt einen Umlauf später auch Vettel zum Reifenwechsel. Der Ferrari-Star fällt hinter die Zweistopper Leclerc und Albon zurück, hat 15 Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen und sechs auf Hamilton, bleibt aber vor Bottas. Jetzt wird klar: Vettel ist im Vergleich zu Hamilton zu lange draußen geblieben.
Runde 44: Leclerc funkt: "Meine Reifen sind tot." Ferrari bittet ihn zum Service, doch der dauert 6,2 Sekunden. Eine Runde später kommt auch Albon - und macht damit den Weg für Vettel auf Platz zwei hinter Hamilton frei.
Runde 52: Vettel fährt 2,6 Sekunden hinter Hamilton, knapp hinter ihm: Bottas. Beide sind in Lauerstellung. Leclerc kommt mit harten Reifen von hinten, hat zehn Sekunden Rückstand auf Hamilton.
Runde 63: Die vier Führenden belauern sich weiter. Vettel holt leicht auf Hamilton auf, liegt zwei Sekunden zurück und hat seinerseits 1,5 Sekunden vor Bottas, hinter dem Leclerc angreift.
Zieleinlauf: An der Spitze tut sich nichts mehr, Hamilton holt den Sieg. Im Mittelfeld knallt es aber: Daniil Kvyat räumt Nico Hülkenberg ab. Der Deutsche landet in der letzten Kurve in der Mauer, humpelt mit beschädigtem Heckflügel als Elfter noch über die Ziellinie. Das lohnt sich: Nach dem Crash brummen die Stewards Kvyat zehn Strafsekunden auf und Hülkenberg kriegt den letzten Punkt für Platz zehn.

Von

Bianca Garloff