Erste Pole-Position in der Formel 1 für Carlos Sainz Junior. Bei seinem 150. Grand Prix stellt der Spanier den Ferrari auf den ersten Startplatz, meistert den regennassen Kurs von Silverstone ohne Fehler - anders als Weltmeister Max Verstappen und Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc, die sich in Q3 beide einen Dreher leisten und entsprechend hinter Sainz einsortieren müssen.
"Es hat sich schrecklich angefühlt da draußen, das habe ich definitiv nicht erwartet", lacht Sainz am Funk und erklärt nach dem Aussteigen: "Mit dem vielen stehenden Wasser, war es extrem schwierig auf den Intermediates. Mein Runde war ganz gut, aber meiner Meinung nach auch nichts Besonderes. Deswegen war es eine ziemliche Überraschung, dass es für die Pole gereicht hat."
Nach der ersten Pole, will der Spanier am Sonntag jetzt auch seinen ersten Grand-Prix-Sieg: "Ich denke, unsere Pace war das ganze Wochenende da, deswegen sollten wir in einer guten Position sein, um uns vorne zu halten. Sicher werden Max und Charles viel Druck machen, aber ich werde mein Bestes geben."
Max Verstappen landet auf dem zweiten Platz.

Verstappen hadert nach dem Qualifying mit dem Timing: Beim ersten schnellen Run dreht sich der Niederländer selbst einmal um die eigene Achse, beim zweiten muss er dann wegen gelben Flaggen nach Leclercs Dreher kurz vom Gas. "Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. In Q3 ist es immer ein bisschen eine Lotterie und da wurde ich heute etwas von den gelben Flaggen eingebremst", erklärt Verstappen. Für das Rennen ist er aber zuversichtlich: "Die erste Reihe ist sehr gut für uns, denn wir haben im Rennen immer ein starkes Auto."
Auch WM-Rivale Leclerc will am Sonntag zurückschlagen: "Glückwunsch erstmal an Carlos, er hat heute einen tollen Job gemacht. Ich habe mich in der letzten Runde, wenn du als Fahrer alles zusammenbringen musst, gedreht - deswegen habe ich es auch nicht verdient da vorne zu stehen, wo Carlos steht", sagt der Monegasse.
Sergio Perez im zweiten Red-Bull rundet die Top-4 ab. Mercedes-Superstar Lewis Hamilton muss sich bei seinem Heimspiel mit Startplatz fünf begnügen, schlägt aber klar seinen Silberpfeil-Teamkollege George Russell auf Rang acht.
Mick Schumacher haderte erneut mit Problemen an seinem Haas.

Ein Debakel erleben indes die Deutschen im verregneten Silverstone: Sebastian Vettel und Mick Schumacher scheiden auf den Plätzen 18 und 19 schon im ersten Quali-Abschnitt aus. "Nicht schon wieder", ärgert sich Vettel am Funk. Bereits in Kanada war für den Heppenheimer in Q1 Schluss. Während Vettel immerhin Teamkollege Lance Stroll hinter sich lässt, der Letzter wird, muss sich Schumi Jr. Kevin Magnussen um fünf Zehntel geschlagen geben, obwohl auch der zweite Haas gleich in der ersten Quali-Runde Feierabend hat.
Jubel hingegen bei Nicholas Latifi, der am Samstag neben Sainz zum zweiten Mann des Tages avanciert: Der Williams-Pilot war als einziger Fahrer im Feld 2022 noch gar nicht in Q2 - bis Silverstone: Am Samstag zieht Latifi sogar in die Top-10 ein, weil er in Q2 früh in der Session seine Rundenzeit setzt. Als der Regen danach wieder stärker wird, kann die Konkurrenz den Kanadier nicht mehr abfangen.

Grand Prix von Großbritannien
Qualifying, Ergebnis

1. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Ferrari 1:40,983 Min.
2. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull +0,072 Sek.
3. Charles Leclerc (Monaco) - Ferrari +0,315
4. Sergio Perez (Mexiko) - Red Bull +0,633
5. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes +1,012
6. Lando Norris (Großbritannien) - McLaren +1,101
7. Fernando Alonso (Spanien) - Alpine +1,133
8. George Russell (Großbritannien) - Mercedes +1,178
9. Zhou Guanyu (China) - Alfa Romeo +1,736
10. Nicholas Latifi (Kanada) - Williams +22,112
11. Pierre Gasly (Frankreich) - Alpha Tauri 1:43,702
12. Valtteri Bottas (Finnland) - Alfa Romeo 1:44,232
13. Yuki Tsunoda (Japan) - Alpha Tauri 1:44,311
14. Daniel Ricciardo (Australien) - McLaren 1:44,355
15. Esteban Ocon (Frankreich) - Alpine 1:45,190
16. Alexander Albon (Thailand) - Williams 1:42,078
17. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas 1:42,159
18. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Aston Martin 1:42,666
19. Mick Schumacher (Gland/Schweiz) - Haas 1:42,708
20. Lance Stroll (Kanada) - Aston Martin 1:43,430

Von

Frederik Hackbarth