Neben seinem Eisernen Kreuz bekommt Günther Steiner auch immer breitere Schultern. Grund: Seine beiden Piloten Mick Schumacher (22) und Nikita Mazepin (22) zerren wie verrückt daran. Auch im Qualifying zum Großen Preis der Niederlande in Zandvoort gab es wieder Stress zwischen den beiden jungen Kampfhähnen.
Hintergrund: Schumacher überholt Mazepin in der Aufwärmrunde, obwohl eine Vereinbarung das verbietet. Das Problem: Der Deutsche hatte sich von seinem Renningenieur die Freigabe geholt. „Ich brauchte aus irgendeinem Grund mehr Speed um die Reifen auf Temperatur zu bringen“, verrät Schumi junior in der Haas-Presserunde, in der nacheinander Mick, Mazepin und Teamchef Steiner sprechen. „Also habe ich nachgefragt und die Freigabe bekommen, ihn bis Kurve drei zu überholen.“ Er betont: „Ich wollte ihn nicht behindern oder sein Leben schwerer machen, sondern nur meines leichter.“
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Resultat: Platz 19 für Schumacher, Platz 20 für Mazepin. Und genau deshalb glaubt der Russe eben auch nicht, dass es Schumacher nur um sein eigenes Heil ging in der Flucht. Nachdem er schon in den TV-Interviews seinem Ärger freien Lauf ließ, legte er im Videocall mit der schreibenden Presse nach.
Mazepin mit klaren Worten: „Ich mag keine Leute, die frech sind und im Kampf um Platz 19 ihre wahre Natur zeigen. Solange ich in der Formel 1 fahre, werde ich das nicht tolerieren.“ Grund: Aus seiner Sicht hat Teamkollege Schumacher eine interne Absprache gebrochen. „Als ich ihn in Imola im Qualifying überholt habe, hat er rumgeheult, dass das nicht geht. Danach gab es eine Klarstellung, dass wir die Positionen halten. Trotzdem hat er mich schon in Spielberg überholt und jetzt wieder.“
Eine Strafe fürs Blockieren von Vettel gab es für keinen der beiden Jungstars.
Mazepin fordert: „Wir müssen Regeln finden, an die sich jeder hält – nicht nur, wenn wir wollen, sondern weil wir müssen.“ Der Sohn des Chefs von Hauptsponsor Uralkali nimmt die Journalisten sogar mit ins Cockpit und erklärt seine Sicht. „Als ich gesehen habe, dass er mich überholen will, habe ich am Funk gefragt, was das soll. Die Antwort: Wir reden später drüber. Mir war nicht bewusst, dass er grünes Licht vom Team bekommen hat.“
Deshalb kann er Schumachers Verhalten zwar einordnen, ist aber trotzdem sauer. „Ich war verärgert, weil er mich überholt hat, obwohl er das nicht hätte tun sollen und er hat mich so auch noch in Vettels Weg bugsiert. Das waren ein paar sehr stressige Minuten für mich.“
Hintergrund: Von hinten nahte der Heppenheimer auf einer schnellen Runde und wäre Mazepin im Stau vor der letzten Kurve fast ins Heck gerauscht. Allein: Bestraft wurden beide Haas-Piloten nach einer Anhörung nicht.
Mazepin kündigt nun ein weiteres klärendes Gespräch mit Schumi jr. an: „Wir werden einen netten Chat haben – vielleicht nicht so nett aus Sicht der anderen Partei. Aber wir sollten versuchen, als Team zu arbeiten.”
Nikita Mazepin
Zwischen den Fronten: Günther Steiner, der Mann mit dem Eisernen Kreuz. Der sowohl den Sohn des Hauptsponsors als auch den Ferrari-Protegé und Filius des Rekordweltmeisters ausbilden soll. Ein Balanceakt.
„Es gibt kein Richtig oder Falsch“, sagt er deshalb. „Wir mussten die Reifentemperaturen optimieren und standen schon am Boxenausgang in der Schlange. Egal, was wir da machen, es endet nicht wie gewünscht.“
Der Südtiroler weiß auch, dass im Teamduell mit erbitterten Bandagen gekämpft wird. „Jeder will beweisen, dass er besser als der andere ist. Das liegt daran, dass beide Rookie sind. Das taucht bei erfahrenen Fahrern nicht so auf. Wir müssen daran arbeiten und den Fight auf ein akzeptables Level heben.“
Klar sei aber auch: „Es gibt keine magische Lösung“, so Steiner. „Die Unzufriedenheit kommt daher, dass wir am Ende des Feldes nur gegeneinander kämpfen. Ich arbeite aber weder im Interesse eines Sponsors noch eines Partners, sondern im Interesse des Teams. Und da ist das Ziel immer fair zu sein und das Meiste aus dem Auto rauszuholen.“
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Dafür wird er wohl in Zukunft noch breitere Schultern brauchen. Immerhin: Eine Strafe fürs Blockieren von Vettel gab es für keinen der beiden Jungstars. Mick Schumacher fühlt sich trotzdem schlecht. „Ich habe nicht gewusst, dass ein schnelles Auto von hinten kommt. Mit unseren kleinen Außenspiegeln ist es nicht so einfach zu sehen ob jemand pusht oder nicht. Leider war Seb der Leidtragende. Ich hab mich schon entschuldigt und weiß, dass das natürlich auf meine Kappe geht.“
Ein Satz der zeigt: Schumacher kann Einsicht zeigen – zumindest wenn es nicht um Nikita Mazepin geht.

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Von

Bianca Garloff