Formel 1: Im Gedenken an Roland Ratzenberger
Heute vor 22 Jahren in Imola

Vor 22 Jahren trug die Formel 1 am 30. April auch ein Qualifying aus: Dabei starb in Imola Roland Ratzenberger. Bei ABMS erinnert sich der Vater des Österreichers.
Bild: Getty Images / Picture-Alliance / FH
- Frederik Hackbarth
Samstag, 30. April, Qualifying der Formel 1. Doch die Königsklasse ist nicht auf dem hochmodernen Sotschi Autodrom zu Gast sondern auf der altehrwürdigen Traditionsstrecke von Imola. Das Wetter ist gut, viel zu heiß für einen Frühlingstag. Kurz nach Beginn des Zeittrainings, um 13.18 Uhr Ortszeit, fangen die Kameras einen völlig zerstörten Wagen ein, der auf dem Asphaltband in der Tosa-Kurve austrudelt. Schnell wird klar: Es ist der Simtek Ford von Roland Ratzenberger. Die ersten Bilder im TV lassen nichts gutes verheißen...

Roland Ratzenberger debütierte 1994 in der Formel 1
„Meine erste Überlegung danach war: Wie sage ich das meiner Frau? Sie war gerade in der Küche und hat Radio gehört, was sie sonst eigentlich nicht macht. Ich wollte die Aufregung bei mir zwar erst ein bisschen setzen lassen“, erinnert sich Ratzenberger. „Doch kurze Zeit später kamen schon die Meldungen und ich habe es ihr sagen müssen...“ Für die Ratzenbergers bricht eine Welt zusammen, ihr Leben ändert sich auf einen Schlag. „Es ging dann natürlich sofort los. Das Telefon hat ununterbrochen geklingelt, Freunde haben sich gemeldet, die Medien“, erinnert sich Rudolf Ratzenberger an die schlimmen Stunden nach der Tragödie.

Das Wrack des Simtek Ford nach dem schweren Unfall
„Als die Leute gemerkt haben, da kommt jemand mit Salzburger Nummer, sind sie hergekommen und haben auf das Auto getrommelt. Die Polizei musste anrücken und eine Gasse bilden, damit wir reinfahren können“, beschreibt Ratzenberger seinen wohl schwersten Gang. Mehr als zwei Jahrzehnte später verblassen die schlimmen Erinnerungen aber vor der Vielzahl an guten an seinen Sohn: Roland Ratzenberger, der begnadete Rennfahrer, der sich seinen Weg aus einfachen Verhältnissen durch harte Arbeit doch noch in die Formel 1 gebahnt hat – im hohen Rennfahreralter von 33 Jahren.

Ratzenbergers Grab auf dem Freidhof in Maxglan
Im Land der aufgehenden Sonne hat sich Ratzenberger einen Namen gemacht, sowohl im Gruppe-C-Sportwagen als erster europäischer Toyota-Werksfahrer, als auch in der Formel 3000. „Dort fahren viele Söhne reicher Leute und die nehmen kaum Rücksicht. Man muss sich raushalten, damit nix passiert“, hat er seinen Eltern einmal erzählt. Es ist die bittere Ironie des Schicksals, dass Ratzenberger kurz nach seiner Ankunft in der hochmodernen Formel 1 ausgerechnet einem technischen Defekt zum Opfer fällt. In der ultraschnellen Vollgaskurve Villeneuve bricht ihm in Imola der linke obere Teil des Frontflügels. Ratzenberger hat bei weit über 300 Stundenkilometern keine Chance.Dem damaligen Simtek-Team seines Sohnes hat Rudolf Ratzenberger nie einen Vorwurf gemacht. „Das wäre mir nicht eingefallen. Jeder, der sich in so ein Rennauto setzt, muss wissen, was er für ein Risiko eingeht“, sagt der Österreicher, auch mit Blick auf Nick Wirth, den damals jüngsten Teamchef in der Formel 1 und Konstrukteur des Unglückswagens Simtek Ford S941. „Ein bisschen enttäuscht“, sei er lediglich von einem gemeinsamen Auftritt mit Wirth in einer RTL-Fernsehsendung gewesen. „Dort war seine Reaktion auf das Ganze verdammt englisch kühl.“ Ob aus schlechtem Gewissen oder dem damit verbundenen Selbstschutz, möchte Ratzenberger nicht beurteilen.

Star in Japan: Ratzenberger im Toyota-Sportwagen
Seine Reaktion war eine andere: „Es ist nun einmal passiert. Ich kann es weder ändern, noch mich deswegen verkriechen oder sonst etwas.“ Vielmehr hat er es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken an seinen Sohn aufrechtzuerhalten. Das ist seine Art der Trauerbewältigung. „Wenn man überlegt, wie viele Leute nach so einem Schicksalsschlag jahrelang auf der Couch des Psychiaters liegen, muss man sagen: Wir haben das nicht gebraucht. Meine Frau hat etwas länger gebraucht, aber meine Aufarbeitung war der Kontakt mit den Leuten, seinen Freunden, der Presse...“

Rolands Eltern Margit und Rudolf Ratzenberger bei einer Gedenkveranstaltung in Italien 2014
Lesen Sie im zweiten Teil unseres Gesprächs mit Roland Ratzenbergers Vater, wie er die Veränderungen in der Sicherheit der Formel 1 beurteilt, wie er den Umgang mit der Presse einschätzt und warum die Familie in Italien keinen Prozess anstrebte:
Im Gedenken an Roland Ratzenberger - Teil 2: Das schwarze Wochenende von Imola
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