Manchmal schreibt die Formel 1 Geschichten, die man als Journalist eigentlich nur noch fehlerfrei zu Papier (oder ins Internet) bringen muss. Pierre Gasly und dieses Monza-Wochenende ist so eine.
Am Freitag verliert der Franzose endgültig seinen dritten Platz vom Monaco-GP. Zwei Strafen wegen zu schnellen Fahrens in der Boxengasse, von Alpine zunächst erfolgreich angefochten, werden vom FIA-Berufungsgericht nach Einsprüchen von Red Bull und McLaren wieder eingesetzt.
Das Podium ist weg. Und Alpine geht auf die Barrikaden.

Briatore schießt gegen die FIA

Flavio Briatore akzeptiert das Urteil zwar, schiebt aber gleich hinterher, was er wirklich davon hält. Ein Mitglied des vierköpfigen Berufungsgerichts habe sich während der Verhandlung wie ein Staatsanwalt verhalten. Noch brisanter: Briatore stellt öffentlich dessen Unabhängigkeit infrage und verweist auf angebliche Verbindungen zu McLaren.
Alpine gegen die FIA. Briatore gegen McLaren. Befangenheit, Unterstellungen, Berufungsgericht. Das komplette Formel-1-Theater also.
Pierre Gasly holt alles aus dem Alpine heraus und belohnt sich mit der ersten Pole seiner Karriere.
Bild: Rudy Carezzevoli/Getty Images
Und dann kommt Pierre Gasly. Der Franzose steigt am Samstag in seinen Alpine und fährt einfach schneller als alle anderen. Vielleicht ist das die schönste Pointe an dieser ganzen Geschichte. Dass Gasly Briatores Schlacht gar nicht braucht.
„Die Story meines Lebens“, sagt der Pilot hinterher trocken. Ob ihn die Monaco-Entscheidung zusätzlich motiviert habe? „Keine Ahnung, ich hätte das bestimmt auch ohne die News gestern hinbekommen.“
Natürlich. Gasly fährt schließlich nicht aus Wut sechs Hundertstelsekunden schneller als George Russell und 0,180 Sekunden schneller als Oscar Piastri. So funktioniert die Formel 1 nicht. Aber Formel-1-Märchen werden genau so geschrieben.
Und deshalb passt es wunderbar, dass ausgerechnet Gasly seinem Teamchef zeigt, wie man auf eine Niederlage reagiert.
Dabei ist diese Pole weit mehr als eine Trotzreaktion. Gasly gilt seit Jahren als starker Qualifier und stand trotzdem noch nie auf Pole. „Ich habe in der letzten Runde wirklich alles aus mir herausgeholt“, betont er. „Ich bin jetzt seit neun Jahren in der Formel 1 und hatte noch nie eine Pole Position.“
Jetzt hat er eine. Und natürlich ausgerechnet in Monza.

Monza und Gasly – da war doch was

Vor sechs Jahren hat Gasly hier schon einmal eines dieser kleinen Formel-1-Wunder vollbracht. 2020 gewann er im AlphaTauri sensationell den Italien-GP. Es war sein erster Sieg und ist bis heute sein einziger geblieben. Jetzt also die erste Pole ebenfalls im Tempo-Tempel vor den Toren seines Wohnorts Mailand.
Und wer noch einen Beleg dafür braucht, wie außergewöhnlich Gaslys Runde gewesen sein muss, sollte einfach ein paar Plätze weiter nach hinten schauen. Franco Colapinto fährt als Siebter die beste Startposition seiner bisherigen Formel-1-Karriere heraus. Eigentlich ein Grund für große Freude.
Nur steht sein Teamkollege eben ganz vorne. Colapinto erkennt neidlos an: „Das war eine sehr beeindruckende Runde von ihm. Ein großes Lob an Pierre und natürlich auch an das Team.“
Der Alpine ist an diesem Samstag offenbar richtig gut. Colapintos siebter Platz beweist es. Aber Gasly macht daraus etwas Besonderes.
Vielleicht sollte Flavio Briatore deshalb an diesem Wochenende einfach einmal nichts mehr sagen. Sein Fahrer hat längst alles gesagt.
Mit dem rechten Fuß.