Formel 1: Nico Rosberg

Formel 1: Keke und Nico Rosberg

So verschieden wurden sie Champion

Vater und Sohn Rosberg sind Formel-1-Weltmeister. Doch der Weg zum Titelgewinn von Keke Rosberg 1982 und Nico Rosberg 2016 verlief völlig unterschiedlich.
Eigentlich war Nico Rosberg nie besonders stolz darauf ein „Sohn von…“ zu sein. Plötzlich liebt er es. Rosberg junior: „Es ist sehr emotional, dass ich erreicht habe, was er vor 34 Jahren erreicht hat. Das mit ihm zu teilen ist sehr speziell.“ Allein: Die WM-Fahrt in Abu Dhabi war knallhart. Rosberg musste nur Dritter werden, was im überlegenen Mercedes W07 Hybrid eigentlich als leichte Aufgabe erschien. Aber Lewis Hamilton wollte ihn in die Falle rennen lassen und bremste ihn so stark ein, dass Sebastian Vettel und Max Verstappen schon an Rosbergs Heck klebten.
Ganz anders das Finalrennen 1982, in dem Vater Keke Rosberg den Titel holte. Nur der Schauplatz war ähnlich spektakulär wie Abu Dhabi: Gefahren wurde in Las Vegas, auf dem Parkplatz des Cesars Palace, eines der größten Hotels der Spieler-City. Rosberg ging mit neun Punkten Vorsprung auf John Watson in das Saisonfinale. Beim damaligen Punktesystem, das nur neun Zähler für den Sieger vorsah, musste Watson darauf hoffen, dass er gewinnt und Rosberg gleichzeitig ohne Zähler bleibt. Mit Rang fünf erfüllte Rosberg das Pflichtprogramm.
Es war nicht der einzige zentrale Unterschied zwischen dem Titelgewinn Keke Rosbergs 1982 und dem von Nico Rosberg 2016. Unterschiedlicher kann man nicht Weltmeister werden. Mercedes war 2016 das überlegene Team. 1982 dagegen gab es elf verschiedene Sieger. Mit Renault, McLaren, Ferrari, Brabham, Lotus, Williams und Tyrrell siegten sieben unterschiedliche Autos. Keke Rosberg reichte ein Triumph zum Titelgewinn, Nico räumte neun Mal den Siegerpokal ab.
Und: Keke Rosberg hatte viel mehr Gegner. Nur einer war keine Gefahr: der Teamkollege. Nach zwei Rennen schmiss Ex-Weltmeister Alan Jones entnervt hin, Mario Andretti sprang nur für ein Rennen ein, Derek Daly hatte keine Chance. Nico Rosberg dagegen hatte nur einen Rivalen: Stallgefährte Lewis Hamilton.

Keke Rosberg wurde 1982 Weltmeister

Keke Rosberg hatte indes noch einen ganz anderen Gegner: die Gefahr. Mit Gilles Villeneuve überlebte ein WM-Rivale die Saison nicht, Vizemeister Didier Pironi verletzte sich schwer. Ganz anders 2016: Mit Fernando Alonsos Crash beim Auftakt in Australien gab es einen der übelsten Unfälle der letzten Jahre. Aber: Alonso zwängte sich aus dem völlig ruinierten und auf dem Dach liegenden Wrack, klopfte sich ein paar Mal auf die Knie und war nach einem Rennen Pause wieder am Start. Nie war die Sicherheit in der Formel 1 so gut wie 2016.
Mit diesem Risiko 1982 mussten die Fahrer ganz andere Typen sein. Auch die Charaktere der Rosbergs sind also völlig verschieden. Keke Rosberg musste sich alles hart erkämpfen. Auch seine Eltern Lars Erik Rosberg und Lea Aino Marjatta Lautala waren Rallyefahrer, aber nur auf Amateur-Niveau. Sie konnten Keke nicht unter die Arme greifen. Nico Rosberg profitierte vom Know-How, den Kontakten und dem Geld von Keke Rosberg. Seine ersten Nachwuchs-Formel-Rennen bestritt er im familieneigenen Team.
Auch Zeit nach dem Titel könnte unterschiedlicher nicht sein. Nico Rosberg trat direkt zurück, für Keke Rosberg war noch lange nicht Schluss. Vier weitere Jahre fuhr er noch Formel 1. Drei bei Williams, wo er seine Teamkollegen Jacques Laffite und Nigel Mansell im Griff hatte. Erst 1986 stieß er bei McLaren gegen Alain Prost an seine Grenzen. Prost wurde Weltmeister, Rosberg nur WM-Sechster. Der McLaren-Porsche war nicht nach dem Geschmack von Rosberg, erst als er mehr Erfahrung bei der Abstimmungsarbeit hatte, wurde er besser, holte die Pole-Position in Hockenheim und dominierte bis zu seinem Reifenschaden sein letztes Rennen in Australien.
Als Keke Rosberg dann unter dem Schock des tödlichen Testunfalls von Elio de Angelis zurücktrat, war er 37 Jahre alt. Trotzdem sagte er im Nachhinein: „Der Rücktritt kam viel zu früh.“ Comeback-Versuche mit Benetton 1989, Onyx 1990 und Jordan 1991 scheiterten. Aber immerhin fuhr er noch DTM. Nico Rosberg hat ein F1-Comeback ausgeschlossen, in anderen Rennserien könnten wir den gebürtigen Wiesbadener aber durchaus wiedersehen.
Im Video: Die Highlights 2016

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Montage ABMS / PIcture-alliance

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