Pro: Revolution sollte Standard werden

Von Ralf Bach
Das erste Qualifying-Rennen ist nun Geschichte. Und ich meine: Jedes Rennen mehr am Wochenende ist gut für die Fans. Man muss auch der Formel 1 die Chance geben sich weiterzuentwickeln. Hört mir auf mit Argumenten, dass früher alles besser war.
Machen wir uns nichts vor: So wie es in Deutschland 80 Millionen Bundestrainer gibt, so gibt es ebenso viele Formel-1-Experten, die denken: Sie wissen, worauf es in der Königsklasse ankommt, nur weil sie den Führerschein haben. Wir sollten uns gerade in Deutschland davon verabschieden, an alten Traditionen festzuhalten, nur weil sie alte Traditionen sind.
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Formel-1-Sportchef Ross Brawn hat recht behalten mit seiner Vermutung, dass das neue System die verstaubte F1-Legende ein wenig durcheinanderwirbeln kann. Als positives Beispiel nenne ich Fernando Alonso: Durch seine phantastische erste Runde auf der weicheren Reifenmischung konnte er sich im Sprintrennen von Platz elf auf sieben verbessern. Er zeigte, warum Rennfahrer Rennfahrer heißen und nicht Heißsporne, die nur auf Grund bestimmter Fahrzeugeinstellungen eine Runde heiß laufen können.
Max Verstappen gewann den ersten Sprint der F1
Negatives Beispiel – aber im Sinn der Sache durchaus positiv zu werten – ist Sergio Perez: Der Red- Bull-Pilot wäre bei normalem Qualifying von Platz fünf gestartet. So aber riskierte er im Rennen zu viel, drehte sich von der Strecke und startet nun als Letzter. Mit Spannungsgarantie, weil er im Hauptrennen vden Speed für die ersten Sechs hat. Deshalb sage ich: Haltet an dem neuen System fest!
Nur eine Sache würde ich anpassen. Pole-Mann Max Verstappen, der Sieger des Sprintrennens, sagte ja selbst: Er muss sich erst daran gewöhnen, auf diese Weise die Pole Position für die Statistik ergattert zu haben. Er hat Recht. Deshalb mein Vorschlag: Gebt Lewis Hamilton, dem schnellsten Mann auf der ultimativen schnellsten Runde im Qualifying am Freitag, eine "Pole-Position" mehr für seine Zahlenvita.

Kontra: Nur der Start war gut

Von Bianca Garloff
Das also war die Formel-1-Revolution: ein Sprint über 100 Kilometer, in dem die Fahrer Vollgas geben können. Mag sein, dass einige Stars am Steuer es genossen haben, ihr Auto mit halbleeren Tanks am Limit durchs Kurvengeschlängel von Silverstone zu prügeln. Doch längst nicht jeder ist vom Sprint-Format überzeugt.
Sebastian Vettel unkte im Gespräch mit Sky. „Ich gebe jetzt hier länger Interviews, als das Rennen gedauert hat.“ Wer ihn kennt, der weiß: Das war nichts für ihn. Für mich auch nicht.
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Formel 1 in der Übersicht bei SKY Q
Ich gebe zu: Das Qualifying am Freitag fand ich ganz prickelnd. Spannung schon am ersten Tag eines Rennwochenendes, an dem die Teams sonst nie die Hosen runterlassen; das traf auch meinen Geschmack. Das zweite Training am Samstagvormittag dagegen war sinnlos, beim Sprint nur der Start spannend – und Fernando Alonso, der sich erst nach vorn katapultierte und dann mit Händen und Füßen seine Position verteidigte.
Ansonsten bekamen die Fans jene Prozession zu sehen, die Lewis Hamilton schon im Vorfeld befürchtet hatte. Diese Autos sind einfach nicht darauf ausgelegt, ohne strategische Spielereien spannende Rennen zu liefern.
Nur der Start bot wirklich Spannung beim Sprint

Noch nicht einmal Premierensieger Max Verstappen wusste sich so richtig zu freuen. Nach der absolut schnellsten Runde am Limit sprudelt das Adrenalin eben höher als nach 30 Minuten Vornewegfahren. Und auch für die Zuschauer sind drei Quali-Abschnitte mit einer Stunde Hochspannung interessanter als dieser Mini-GP. Zeitenjagd de Luxe mit mehreren Spannungsmomenten dicht an dicht.
Dazu kommt: Die meisten Rätsel des Wochenendes sind nun schon im Vorfeld des Grand Prixs gelöst. Mick Schumacher weiß, dass er am Sonntag „nicht bei der Musik“ sein wird. Mercedes weiß, dass Red Bull das klar schnellere Auto hat. Vettel weiß, dass sein Aston Martin zum Überholen in Silverstone nicht taugt. Das Sprintrennen taugt nicht zum Pokern.
Ja, man sollte immer offen sein für Neues. Wenn die Königsklasse den Sprint also dennoch durchziehen will, muss er getunt werden. Vorschlag Toto Wolff: „Statt 17 Runden können wir auch fünf oder acht Runden fahren, weil niemand nach dem Start mehr Risiko eingehen will.“
Fest steht: Der Samstag braucht mehr Spannung, als er heute zu bieten hatte. Ein echtes Qualifying am Mittag, einen kürzeren Sprint am Nachmittag. Damit könnten bestimmt auch die Kritiker leben.

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Ralf Bach