Michael Schumacher lobt Felipe Massa als Ferraris Nummer 1. Außerdem spricht er über seine Freundschaft zum Brasilianer und gibt zu, 2006 selbst von seinem damaligen Teamkollegen gelernt zu haben.
Den Sieg seines brasilianischen Kollegens Rubens Barrichello hat Ferrari-Pilot Felipe Massa (28) nach seinem schweren Unfall beim Großen Preis von Ungarn vor vier Wochen zu Hause vorm Fernseher in Sao Paulo verfolgt. In Gedanken war der Formel-1-Zirkus aber auch bei ihm. Brawn-Fahrer Barrichello sendete eine Grußbotschaft per Helmdesign. Und Ferrari-Berater und Fast-Ersatzmann Michael Schumacher nahm sich Zeit für ein zehnminütiges Exklusiv-Interview mit brasilianischen Journalisten. autobildmotorsport.de durfte als einziges nicht-brasilianisches Medium zuhören. Detailliert schildert Schumi den Samstag des Massa-Crashs: "Ich war total schockiert zu sehen, wie quasi mein kleiner Bruder in so einen unglücklichen Unfall involviert wurde (eine Fahrwerksfeder aus Rubens Barrichellos Brawn wurde bei Tempo 220 an seinen Helm geschleudert; d. Red.). Ich bin sofort in Kontakt mit Stefano Domenicali (Ferrari-Teamchef; d Red.) getreten. Auch Luca di Montezemolo (Ferrari-Präsident; d. Red.) hat mich direkt kontaktiert, um mich auf dem Laufenden zu halten."
Massa: "Bin schon in Valencia zurück!"
Noch im Budapester AEK-Krankenhaus (Foto) besuchte Michael Schumacher seinen Freund Felipe Massa nach dessen Unfall.
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Eine Woche später besuchte der Kerpener selbst seinen Kumpel im Budapester AEK-Krankenhaus. "Als ich ihn am Samstag nach dem Unfall in Budapest sah, war er schon wieder so gut drauf, dass ich zu ihm sagte: 'Ey, lass uns Fußball spielen! Mach nur keinen Kopfball!'" Über ein mögliches Comeback Massas in Brasilien will der Rekordweltmeister aber noch nicht sprechen: "Es ist schön zu sehen, wie er sich erholt. Wir vermissen ihn hier alle sehr. Im Krankenhaus sagte er mir sogar: ,Kein Problem, ich bin schon in Valencia zurück!’ Aber das liegt in der Natur des Rennfahrers. Der will immer so schnell wie möglich zurück auf die Strecke. Felipe erholt sich tatsächlich sehr schnell. Aber: Er sollte sich jetzt die Zeit nehmen komplett zu genesen. Er war unser Nummer-1-Pilot. Und als den wollen wir ihn wieder zurück haben." Zu viele Spekulationen seien deshalb nur kontraproduktiv. Schumi: "Wir sollten ihm genug Zeit geben und keinen Druck ausüben."
Schumi will Massa beim Comeback helfen
Schumis Angebot: Sobald Massa dazu fähig ist, will er mit ihm Kartfahren gehen.
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Beim Comeback will der siebenmalige Champion seinen Freund aber auf jeden Fall unterstützen. "Ich bin sicher, wir werden vorher ein paar Kart-Rennen fahren", prophezeit Schumi schmunzelnd. "Ich habe jedenfalls keine Zweifel, absolut keine Zweifel, dass er so stark zurückkommt, wie er früher war. Bei mir war es damals nach meinem Beinbruch sogar so, dass ich mit voll aufgeladenen Akkus irgendwie erfrischt war. Wenn er ähnlich viel Motivation aus seiner Pause schöpfen kann, könnte er sogar besser sein als je zuvor. Es gibt auf jeden Fall absolut keinen Grund, warum er schlechter sein sollte." Seine Freundschaft zum Brasilianer beschreibt Schumi so: "Wir waren schon Freunde, als er noch Ferrari-Testfahrer war. 2006 war er dann ein so guter Teamkollege, dass wir enge Kumpels wurden. Das kannte ich vorher nicht. Bevor Felipe für Ferrari fuhr, war mein Verhältnis zum Teamkollegen (bei Ferrari zunächst Eddie Irvine, später Rubens Barrichello; d. Red.) eher schwierig und kompliziert. Felipe war so lernbegierig. Es fühlte sich an, als hättest du deinen besten Freund neben Dir und versuchst einfach nur so schnell zu fahren wie möglich. Manchmal schlug er mich und ich war dann sogar stolz auf ihn. Denn ab einem gewissen Zeitpunkt wusste ich ja, dass ich ihm mein Cockpit überlassen würde."
"Ich selbst habe immer Zweifel"
Damals habe der heutige Ferrari-Berater sich sogar einiges bei Massa abgeschaut: "Felipe ist so relaxt. Ich selbst habe immer Zweifel, fühle mich stets unsicher. Das hört sich komisch an, ist aber so. Und ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass ich mich immer weiter verbessert habe. Felipe war immer sehr zuversichtlich und selbstbewusst. Ich habe dann gedacht: Wenn er zuversichtlich sein kann, kann ich das auch." In den nächsten Tagen will sich Massa zunächst noch einmal in Brasilien gründlich durchchecken lassen. Anschließend wird er sich zu weiteren Untersuchungen in die USA zum ehemaligen ChampCar- und MotoGP-Arzt Dr. Steve Olvey begeben. Der US-Amerikaner hatte 2001 Alex Zanardi nach dessen schwerem Unfall auf dem Eurospeedway Lausitz, bei dem der Italiener beide Unterschenkel verlor, das Leben gerettet. Mitte September könne Massa dann mehr über ein mögliches Comeback sagen.
Schumacher trainiert angeblich weiter
Absage: Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali hält eine Renn-Rückkehr von Schumi in dieser Saison für unmöglich.
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Doch trotz des katastrophalen Auftritts von Ferrari-Testfahrer Luca Badoer in Valencia schließt Ferrari derzeit einen zweiten Comeback-Versuch von Michael Schumacher aus. "Er wird dieses Jahr keinen Ferrari im Rennen fahren", sagt Teamchef Stefano Domenicali, "definitiv nicht." Aus Schumis Umfeld ist zwar zu hören, dass eine Rückkehr ins Cockpit trotz der schweren Nackenverletzungen möglich sei. "Es kann gehen, schon bald", sagt ein medizinischer Betreuer zu AUTO BILD MOTORSPORT. "Und er trainiert weiter wie ein Wahnsinniger." Doch noch bis vor ein paar Tagen nahm der Ex-Weltmeister Medikamente gegen das "Zwicken" im tatsächlich weniger muskulösen Nackenbereich. Auch der eigentlich geplante, zweite Mugello-Test wurde nicht nur wegen der besorgniserregenden Untersuchungsergebnisse abgesagt, sondern weil die Schmerzen nach dem ersten F1-Versuch eine Woche zuvor einfach nicht nachließen. Und das, obwohl der Kerpener sich damals nach jeder Ausfahrt massieren ließ.
Luca Badoer muss mächtig Gas geben
Unter Druck: Ferraris offizieller Ersatzfahrer Luca Badoer patzte beim ersten Rennen als Massas Vertreter.
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Doch selbst, wenn der Altmeister tatsächlich nicht zur Verfügung stünde, muss Massa-Ersatzmann Luca Badoer jetzt richtig Gas geben. "Wir rechnen mit einer erheblichen Steigerung am kommenden Wochenende in Spa", sagt Domenicali. "Sonst werden wir reagieren." Badoer war im Rennen so überfordert, dass er in der anschließenden Presserunde noch immer nicht wusste, wer den Grand Prix eigentlich gewonnen hatte. Im Gespräch als seine Nachfolger sind derzeit der zweite Ferrari-Tester Marc Gené und Force-India-Pilot Giancarlo Fisichella. Dessen Wechsel zu Ferrari scheint möglich, weil sein Team den Roten aus Maranello immer noch Leasingraten für die Motoren des vergangenen Jahres schuldet. Und der Italiener würde in der kommenden Saison sowieso gerne als Ferrari-Tester anheuern.
Nico Hülkenberg bereit für Ferrari
Trotz Williams-Engagement für Ferrari bereit: der deutsche Nachwuchs-Pilot Nico Hülkenberg.
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Den ganz großen Coup plant derweil Willi Weber. Der Schumi-Manager will seinen zweiten Schützling, GP2-Spitzenreiter und Williams-Tester Nicolas Hülkenberg, in den Ferrari setzen und hofft auf Schumis Fürsprache. Eine Option von Williams für einen Stammplatz im kommenden Jahr dürfte kein Problem darstellen. Dank einer Klausel in Hülkenbergs Williams-Vertrag darf der Emmericher in diesem Jahr Rennen fahren, wo er will. Darüber hat Weber Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali bereits in Kenntnis gesetzt.