Formel 1: Bilder vom Russland GP

Formel 1: Mercedes-Fehler bleibt ungestraft

Teamorder-Klatsche für tapferen Vettel

Lewis Hamilton gewinnt den Russland GP. Valtteri Bottas lässt seinen Teamkollegen vorbei. Sebastian Vettel wird Dritter. Alle Infos zum Rennen:
War's das für Sebastian Vettel und Ferrari im WM-Kampf? Stark, stärker, Mercedes! Das Weltmeisterteam demonstriert in Sotchi mit einem Doppelsieg, dass man Ferrari technisch und strategisch endgültig hinter sich gelassen hat. Lewis Hamilton gewinnt vor Valtteri Bottas, holt seinen 70. Formel-1-Erfolg. In der WM hat der Brite damit 50 Punkte Vorsprung auf Vettel, der über Rang drei nicht hinauskommt.
Alle Ergebnisse hier: Zeiten und Zahlen im Überblick
Eins kann man Vettel aber nicht vorwerfen: dass er sich seinem Schicksal einfach so ergibt. Der Ferrari-Star fährt auch im Russland GP tapfer am Limit. Allein sein roter Renner kann mit dem silber-petrol-farbenen Produkt aus Brackley nicht mithalten.
Roter Angriff Nummer eins: Am Start schiebt sich Vettel neben den Zweitplatzierten Hamilton. Doch der Brite profitiert vom Windschatten seines führenden Teamkollegen Valtteri Bottas und entkommt aus Vettels Fängen.

Heißes Duell der WM-Rivalen Vettel und Hamilton

Nächster Versuch: ein sogenannter Undercut. Heißt: Vettel kommt eine Runde vor Hamilton an die Box und Mercedes begeht einen Strategiefehler. Hamilton kommt auf seiner Inlap in den Verkehr hinter Williams-Pilot Sergey Sirotkin und verliert dabei Zeit. Als der Brite den Silberpfeil seinerseits aus der Boxengasse zurück auf die Strecke lenkt, biegt Vettel wenige Zentimeter vor dem Mercedes um die erste Kurve.
„Wir haben Lewis eine Runde zu spät reingeholt, weil ich mich gerade mit James Vowles unterhalten habe“, gesteht Motorsportchef Toto Wolff später. „Das war mein Fehler, ich kam mir danach vor wie ein Idiot.“
Auch danach wehrt Vettel tapfer eine Attacke des amtierenden Champions ab. Der Heppenheimer verteidigt sich dabei so hart, dass Hamilton sich über einen doppelten Spurwechsel beschwert. „Schaut euch das Manöver an, er hat sich zweimal bewegt!“, meckert der Mercedes-Star am Funk. Allein: Die Rennkommissare sehen keinen Grund den Hessen zu bestrafen.
Heißes Duell der WM-Rivalen: "Muss hart aber fair bleiben"
Hamilton hat das wenige Meter eh schon allein erledigt, zieht am Ende der langgezogenen Kurve drei an Vettel vorbei. Besser kann der Superstar aus England die Stärke seines Autos nicht demonstrieren. Vettel ist erschreckend chancenlos.
Aber: Er bleibt dran. Deshalb muss Mercedes handeln. Der Funkspruch an Bottas: „Du musst Lewis diese Runde in Kurve 13 vorbeilassen.“ In Runde 25 „parkt“ der Finne seinen Silberpfeil neben der Ideallinie und lässt Hamilton passieren.

Stallorder bei Mercedes: Bottas bremst für Hamilton

Immerhin bekommt der brave Mercedes-Soldat eine Erklärung dafür, dass er den sicheren Sieg herschenken muss. Strategiechef James Vowles persönlich erklärt dem „Wingman“ am Funk: „Sorry, wir mussten das machen. Wir hatten eine kleine Blase auf Lewis Reifen und hätten sonst riskiert, dass Vettel an ihm vorbeikommt.“
Als Bottas eine Runde vor Schluss noch einmal fragt, wie Mercedes das Rennen beendet, folgt die nächste Klatsche für ihn: „Die Positionen bleiben, wie sie sind. Wir reden später darüber.“ Sieger Hamilton: „Ich verstehe, wie schwierig das für Valtteri war. Er hat wie ein echter Gentleman reagiert. Das war heute eine absolute Team-Leistung.“
Mercedes opfert Bottas: Stallregie überschattet Doppelsieg
Weiter hinten liefert Max Verstappen an seinem 21. Geburtstag eine irre Aufholjagd. Nach Motorstrafe startet der Holländer nur vom 19. Startplatz, pflügt aber schnell durchs Feld. Nach drei Runden ist der Red-Bull-Pilot schon wieder in den Top-10, nach acht Runden sogar in den Top-5. Nach den Boxenstopps der Konkurrenz führt er lange Zeit das Rennen an, muss erst spät seine härteren Reifen wechseln und kommt am Ende als Fünfter ins Ziel.
Nico Hülkenberg wird Zwölfter, Lokalmatador Sergey Sirotkin Letzter.

So lief das Qualifying:

Das ist eine echte Klatsche für Ferrari. Eine Demonstration von Mercedes' Stärke. Das Weltmeisterteam dominiert nach dem freien Training auch das Qualifying zum Großen Preis von Russland in Sotschi. An der Stelle seines ersten Sieges im Jahr 2017 holt Valtteri Bottas die Pole-Position knapp eineinhalb Zehntelsekunden vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton.
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Interessant: Sotschi-Spezialist Bottas ist in Russland nie außerhalb der Top-3 losgefahren. Die Pole hat er allerdings einem kleinen Fahrfehler von Mercedes-Star Hamilton in Kurve sieben zu verdanken.

In Kurve sieben vergeigt Hamilton seine Pole-Chance

"Glückwunsch an Valtteri, er hat heute den besseren Job gemacht. Meine beinden letzten Runden waren nicht so besonders. Aber man kann nicht immer alles richtig machen", sagt Hamilton nach seinem Ausrutscher. "Wenigstens bin ich immer noch in einer guten Ausgangsposition für morgen." Denn den Fehler kann sich Hamilton locker leisten, Ferrari ist im Qualifying viel zu weit weg.
Sebastian Vettel bleibt mit 0,556 Sekunden Rückstand nur Platz drei vorm zweiten roten Renner mit Kimi Räikkönen - ein schlechtes Resultat für Ferraris WM-Hoffnungen.
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Überraschend schafft es Kevin Magnussen im Haas-Ferrari auf den fünften Rang, Charles Leclerc im Alfa Romeo-Sauber wird Siebter. All das aber auch, weil Red Bull keine Lust hatte auf Qualifying...
Der zweite Qualifyingabschnitt verkommt zur Formel gähn. Max Verstappen, Daniel Ricciardo und Pierre Gasly (Toro Rosso) treten im zweiten Qualifyingabschnitt gar nicht mehr an, können ihre Reifen für den Start so frei wählen. Grund: Alle drei Red Bull-Piloten erwartet ohnehin eine Rückversetzung wegen eines Motorwechsels.
Red Bull startet von hinten: Zoff mit Renault
Auch Nico Hülkenberg ist bereits vor einer schnellen Runde in Q2 aus seinem Auto ausgestiegen. Ohne Startplatzstrafe kann er sich darauf verlassen, auch ohne gezeitete Runde als Zwölfter hinter seinem Teamkollegen Carlos Sainz zu starten.
Schlimm: Doppelweltmeister Fernando Alonso wird im McLaren nur 17., muss aufgrund einer Motorstrafe sogar noch weiter zurück.
Große Pleite auch für Williams: Lance Stroll wird 20. und Letzter, zwei Plätze hinter Sergey Sirotkin. Ausgerechnet bei seinem Heim-Qualifying dreht sich der Russe am Ende von Q1. Ärger kriegt deshalb auch Max Verstappen. Der Holländer verlangsamt unter gelber Flagge nicht ausreichend, bekommt zwei Strafpunkte auf seine Linzenz aufgebrummt. Immerhin: Die drei Startplätze Strafe, die es zusätzlich obendrauf gibt, müssen Verstappen wegen Red Bulls Motoren-Misere schon gar nicht mehr jucken.

So lief das Abschlusstraining:

Irgendwie bezeichnend für Ferraris bisherigen Auftritt am Schwarzen Meer: Sebastian Vettel strandet am Ende des Abschlusstrainings am Ausgang der Boxengasse, muss zu Fuß zurück zu seiner Box trotten. Ferrari schickt den Deutschen für einen Übungsstart zu spät los. Just als Vettel die Boxengasse verlassen will, schaltet die Ampel auf rot und der Deutsche muss eine Vollbremsung hinlegen, um keine Strafe zu kassieren.

Gestrandet: Vettel ganz allein am Boxengassen-Ende

Weit mehr schmerzen als der Wegfall der Startübung dürfte den Deutschen der Blick auf den Zeitenmonitor. Dort ist der Rückstand auf WM-Rivale Lewis Hamilton über Nacht noch um ein weiteres Zehntel angewachsen. Nach einer halben Sekunde am Freitag, fehlen Vettel im letzten Training vor dem Kampf um die Startplätze sogar 0,600 Sekunden auf seinen Widersacher im Silberpfeil. Der zieht an der Spitze in Sotschi einsam seine Kreise - und hämmert mit einer Zeit von 1:33.067 Minuten mal eben einen neuen Streckenrekord in den Asphalt.
Hamilton-Helfer Valtteri Bottas sortiert sich zweieinhalb Zehntel hinter dem Weltmeister als Zweiter ein - bedingt durch Mercedes' starke Form auf dem Sotschi Autodrom muss Vettel nun fürchten, dass sich der Finne auch im Qualifying (14:00 Uhr, RTL und F1 TV) als Puffer zwischen ihn und Hamilton schiebt.

So lief der Freitag:

Starke Vorstellung der Silberpfeile am Freitag in Russland: Lewis Hamilton sichert sich im Nachmittagstraining in 1:33.385 Minuten die Tagesbestzeit in Sotschi, zwei Zehntel vor Teamkollege Valtteri Bottas. Der Kurs am Schwarzen Meer liegt Mercedes traditionell - seit der Erstaustragung 2014 gewannen die Stuttgarter alle vier Rennen.

Heißes Duell der WM-Rivalen Vettel und Hamilton

Für Hamilton ist die Bestzeit das erste Mal seit der Sommerpause, dass er wieder in einem Training an der Spitze liegt - trotz zwei Siegen und einem zweiten Platz war Hamilton seitdem immer nur dann vorne zu finden, wenn es im Qualifying oder Rennen darauf ankam. Bei Ferrari schrillen derweil die Alarmglocken.
Denn Sebastian Vettel, im ersten Training mit besseren Reifen noch Schnellster, muss sich in der zweiten Session mit über einer halben Sekunde Rückstand auf Hamilton lediglich als Fünfter einordnen - noch hinter den Red Bulls von Max Verstappen und Daniel Ricciardo.
"Unser Auto funktioniert hier überraschend gut. Nur mit den Reifen ist es tricky, aber von der Pace her sieht es eng aus mit Ferrari", sagt Verstappen, dem als Drittem aber auch schon mehr als vier Zehntel auf die Bestzeit fehlen. Auch wenn Ferrari am Freitag damit nur die dritte Kraft ist, Sorgen müssen sich Vettel und Co. wegen Red Bull nicht machen. Sowohl Verstappen als auch Ricciardo werden das Rennen nach Motorwechsel-Strafen von hinten aufnehmen.

Verkehrte Richtung: Vettel dreht sich in Kurve 13

Die große Lücke zu Mercedes bereitet der Scuderia aber trotzdem Kopfschmerzen. Denn nicht nur über eine schnelle Runde, auch auf dem Longrun nimmt Hamilton WM-Rivale Vettel am Freitag im Schnitt fast eine halbe Sekunde ab - Tendenz bei längerer Laufleistung steigend, weil Ferrari die Reifen in Sotschi zu schnell aufarbeitet. Bei Vettel führt dies auf der Rennsimulation mit abgefahrenen Hypersoft-Reifen dann sogar zu einem Dreher in Kurve 13.
Auch Teamkollege Kimi Räikkönen kommt schlecht mit dem SF71H zurecht, beendet den Freitag als Sechster mit über einer Sekunde Rückstand auf Spitzenreiter Hamilton.
Gedrückte Stimmung auch bei Nico Hülkenberg. Der deutsche Renault-Pilot kommt am Nachmittag nicht über die 14. Position hinaus, zwei Plätze hinter seinem Teamkollegen Carlos Sainz - obwohl der Spanier die erste Session zugunsten des russischen Paydrivers Artem Markelov aussetzen musste.

So lief das Auftakttraining:

Ordentlicher Auftakt in den Russland GP für Sebastian Vettel. Der deutsche Ferrari-Star erzielt am Freitagvormittag die Bestzeit im ersten Training in Sotschi. Mit einer Rundenzeit von 1:34.488 Minuten ist Vettel 0,050 Sekunden schneller als Max Verstappen im Red Bull.
WM-Rivale Lewis Hamilton, der aktuell mit 40 Punkten Vorsprung die Meisterschaft anführt, reiht sich als Dritter 0,330 Sekunden hinter der Spitze ein. Anders als Vettel und Verstappen, die beide auf die schnellen Hypersoft-Reifen setzen, fahren sowohl Hamilton als auch Silberpfeil-Kollege Valtteri Bottas (P4) allerdings mit der weichen Mischung. Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari versucht sich indes auf den Ultrasoft-Pneus, wird damit nur Siebter.
Auf der noch grünen Strecke auf dem ehemaligen Olympiagelände in Sotschi, auf der sonst im Jahr nicht viel gefahren wird, tun sich die Piloten zu Beginn noch etwas schwer. Lando Norris, der nächstes Jahr für McLaren startet und deswegen im Training schon mal im Auto von Fernando Alonso ran darf, dreht sich in Kurve vier - genauso wie Williams-Pilot Lance Stroll in Turn 14. Für beide geht es aber ohne Schaden weiter.
Weniger gut läuft die Session für Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo. Der Australier beendet das Training zwar als Fünfter, muss seinen Red Bull aber schon nach gut 40 Minuten in der Box abstellen - Rauchentwicklung am Heck inklusive. Wenig später erklärt Ricciardo: "Wir haben Anzeichen gesehen, dass etwas nicht stimmt. Der Auspuff wurde sehr heiß. Wir haben dann als Vorsichtsmaßnahme das Getriebe auseinandergenommen, um zu checken, ob alles okay ist."
Der nächstjährige Renault-Pilot verliert dadurch viel Zeit, kann im ersten Training nicht mehr eingreifen. Auch bei seinem zukünftigen Renault-Teamkollegen Nico Hülkenberg gibt es kleinere Schwierigkeit. Zehn Minuten vor Ende der Session wird der Deutsche von seinem Team angewiesen, das Auto wegen eines Problems an der Box abzustellen. Das Training beendet Hülkenberg schließlich als Neunter.

Autoren: Bianca Garloff, Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance / F1 TV

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