Der Welpenschutz ist vorbei. Für seinen Unfall im dritten freien Training zum Großen Preis von Ungarn bekommt Mick Schumacher (23) erstmals in diesem Jahr eine verbale Ohrfeige von seinem Haas-Oberlehrer Günther Steiner. „Wir haben einen Punkt erreicht, wo wir daran arbeiten müssen, weniger Unfälle zu haben“, kritisiert der Teamchef in einer kleinen Presserunde nach dem Qualifying auf dem Hungaroring.
Hintergrund: Schumacher junior ist das Zeittraining nicht gefahren, weil die Mechaniker seinen Haas nicht mehr rechtzeitig reparieren konnten. In das Rennen vor den Toren Budapests startet er damit vom letzten Platz. Viel schlimmer aber: Jede Reparatur kostet das klamme Team unnötig Geld.
Steiner sauer: „Wir haben Zusatzkosten – und das ohne Grund. Die Unfälle passieren zu häufig und sind zu schwer. Im dritten freien Training riskiert man nicht so viel, dass man das Qualifying nicht fahren kann.“
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Dabei hat der Teamchef vor allem Mick Schumacher im Visier, der nach Unfällen in Monaco (FP3), Frankreich (Qualifying) und nun eben Ungarn im Mittelpunkt der Kritik steht. „Nikita (Mazepin; d. Red.) hat sich zuletzt gut benommen“, urteilt Steiner. „Mick hatte einige Unfälle, das muss besser werden.“
Mick Schumacher begutachtet den Schaden am Haas
Konkret wünscht sich der Südtiroler eine bessere Risikoabwägung: Wann macht es Sinn, ans absolute Limit zu gehen – und wann nicht?
Steiner: „Was man jungen Leuten erklären muss: Sie müssen einschätzen können, wann es wert ist, ein Risiko einzugehen. Das dritte freie Training ist dafür nicht der richtige Zeitpunkt. Vielleicht müssen wir uns noch mal hinsetzen und das große Bild erklären: dass diese Unfälle nämlich hohe Kosten verursachen! Zu wachsen bedeutet auch, das zu verstehen, das Team und Risiken managen zu können.“
Eine Kritik, die sitzt!
Doch Mick Schumacher lässt sich in seiner Herangehensweise nicht beirren. „Ich gebe immer mein Bestes, versuche kleine Dinge hier und da zu finden, weil wir eben hinten liegen“, erklärt der Deutsche und gibt die Kritik damit teilweise zurück. „Das Auto reagiert sehr stark auf Wind und eine veränderte Oberflächentemperatur der Reifen. Ich habe nicht kommen sehen, dass das Heck in der Kurve ausbricht“, bittet er um Verständnis.
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Überraschende Rückendeckung bekommt er von seinem Teamkollegen. „Diese Autos sind so kompliziert zu fahren”, betont Nikita Mazepin. „Da kann man leicht mal vom Wind oder Gripverlust überrascht werden, denn diese Reifen verzeihen nichts.” Es gebe auch keine Garantie, dass ihm in Zukunft keine ähnlichen Fehler passieren. „Wir operieren bei Höchstgeschwindigkeit und sind nicht perfekt. Jeder macht mal einen Fehler. Das ist völlig normal.”
Glaubt auch Micks Onkel Ralf Schumacher. „Diese Unfall ist ärgerlich, aber er kann passieren, wenn man mit einem Auto, das schwer zu fahren ist, ans Limit geht.“
Immerhin: Steiners Frust-Skala war drei Stunden nach dem Crash schon wieder bei einem Wert von fünf angelangt. „Direkt nach dem Unfall war sie bei zehn!“, gibt er zu. Dabei kann er froh sein, dass seinem Fahrer nichts Schlimmeres passiert ist. Schumacher ist mit 31g, also dem 31fachen seines Körpergewichts in die Reifen gerauscht. Schumi junior grinst unter seiner Maske: „Das ist nichts, worauf ich stolz bin, aber es war der härteste Crash meiner Formel-1-Karriere.“

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