Mick Schumacher (23) verließ das Fahrerlager von Abu Dhabi am Sonntagabend um 19.43 Uhr mit einem Lächeln. Der jetzige Ex-Haas-Pilot winkte einer Reporterin zu, dann verschwand er durch das Drehkreuz des Fahrerlagers in die Winterpause. Wenige Minuten später folgte ihm auch Managerin Sabine Kehm mit gepacktem Koffer.
Das Kapitel Haas ist für das Team rund um den Schumi-Sohn, zu dem auch Michael Schumachers Ex-Physiotherapeut Kai Schnapka zählt, abgeschlossen. Der Stammplatz in der Formel 1 ist weg. Die Bilanz, die bleibt: zwölf Punkte, ein sechster Platz in Österreich als bestes Ergebnis, die WM-Plätze 19 und 16. Mit im Gepäck: viele Lehren. Unter anderem die, dass das Fahrerlager der Königsklasse selbst für einen Schumacher ein Haifischbecken ist.
Doch auch wenn Schumi Junior 2023 nicht (von Anfang an) in der Startaufstellung stehen wird, muss das nicht zwangsläufig das Ende seiner Formel-1-Karriere sein. Zwei Teams stehen parat, um dem Deutschen eine neue Heimat als Testfahrer zu geben: Alpine und Mercedes.
Mick Schumacher ist seinen Formel-1-Stammplatz los. Vorerst zumindest.

Auto Bild weiß: Alpine hatte schon ein Auge auf Mick geworfen, als Pierre Gasly als Nachfolger von Fernando Alonso noch nicht verfügbar war. Teamchef Otmar Szafnauer lobte Schumacher gegenüber dessen Mutter Corinna in Zandvoort in den höchsten Tönen. Als allerdings Gasly frei wurde, setzten die Franzosen lieber auf den erfahrenen Landsmann. Schumacher fiel durch den Rost – das Interesse aber blieb.
Öffentlich bekennt sich derzeit nur Mercedes zum Deutschen mit Wohnsitz in der Schweiz. „Wir haben zwar noch nicht vernünftig gesprochen. Aber mir war es einfach wichtig, in der schwierigen Zeit für Mick festzuhalten, dass wir ihn schätzen“, sagt Teamchef Toto Wolff. „Er verdient einen Platz auf der Startaufstellung und nicht als Testpilot. Vielleicht gibt es einen Zwischenschritt, bei welchem wir eine Rolle spielen können.“
Schumacher wäre nicht der erste Formel-1-Star, der in seiner frühen Karriere zurück auf die Ersatzbank geschickt wurde.
Fernando Alonso wurde nach seiner Debütsaison bei Minardi 2001 von Renault verpflichtet, musste in seinem ersten Jahr dort allerdings Jenson Button und Jarno Trulli zuschauen. 2003 bekam er das versprochene Stammcockpit und bedankte sich direkt mit dem ersten Sieg in Ungarn. 2005 entthronte er Michael Schumacher und gewann seinen ersten von zwei WM-Titeln.
Oder Felipe Massa. Der wurde 2002 beim GP Spanien im Sauber sogar Fünfter und landete acht Mal in den Top Ten. Dennoch waren die Schweizer nicht von ihm überzeugt und ersetzten den Brasilianer vorm GP der USA durch Heinz-Harald Frentzen. Massa bekam ein weiteres Lernjahr als Ferrari-Testfahrer und wurde 2004 von Sauber zurück in die Startaufstellung der Königsklasse geholt. 2006 stieg er zu Ferrari auf, 2008 wurde er Vizeweltmeister.
Auch Alex Albon schaffte den Sprung zurück in die Formel 1.

Zuletzt wurde Alex Albon von Red Bull  aussortiert und zu einem Jahr in der DTM verdonnert. Dennoch schaffte er dank der Hilfe des Energy Drink-Konzerns den Sprung zurück in die Formel 1 zu Williams und überzeugte dort so sehr, dass sein Vertrag verlängert wurde.
Der Vergangenheit kann Schumacher also Hoffnung machen. Das sieht er auch selbst so. „In meinem Kopf denke ich schon daran, wie ich 2024 zurückkommen kann, wenn nicht sogar schon 2023″, gibt sich der Rekordweltmeister-Sohn kämpferisch: „Ich werde auch meine Routine weiterbehalten und mich im Januar und Februar auf die Saison vorbereiten, wie wenn ich selber fahren würde – einfach um sicherzustellen, dass ich eine Chance auch ergreifen kann, falls sie kommt.“
Für Schumacher spricht auch: Ein Jahr Renn-Pause macht frei im Kopf. Sowohl bei Mercedes als auch Alpine kann er die Abläufe eines Top-Teams lernen und in Telemetriedaten die Fahrstile der Top-Stars studieren. Sollte ein Stammpilot ausfallen, wäre das seine Chance. Die nutzte auch Mercedes-Youngster George Russell: Als er als Hamilton-Ersatz in Bahrain 2020 mit einer siegreifen Fahrt überzeugte, stand der Wechsel zu Mercedes fest.
Allerdings ließ Toto Wolff auch ihn noch ein weiteres Jahr bei Williams schmoren. Weil für die entscheidenden zwei Schritte nach vorn manchmal auch der berühmte Schritt zurück nicht schaden kann.

Von

Bianca Garloff