Der Sündenbock nach dem Großen Preis von Saudi-Arabien ist ausgemacht: Max Verstappen (24) hat für den Auffahrunfall mit Lewis Hamilton (36) nachträglich eine Zehn-Sekunden-Strafe bekommen. Die ändert zwar nichts am Rennergebnis, signalisiert aber: Der Red Bull-Star agiert über dem Limit.
Das spielt vorm Finale in Abu Dhabi am kommenden Wochenende vor allem Lewis Hamilton in die Karten. Der legt verbal deshalb zusätzlich den Finger in die Wunde: „Ich versuchte hier wirklich, im Auto die Fassung zu bewahren“, sagt der Mercedes-Star. „Ich bin in 28 Jahren Rennsport gegen viele Piloten gefahren, und da gab es unter den Top-Piloten einige, die ein wenig über dem Limit operierten; Fahrer, für die Regeln offenbar nicht gelten, oder sie denken nicht an die Vorschriften.“
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In Saudi-Arabien sind die Titel-Rivalen gleich dreimal aneinander geraten. Zweimal kürzte Verstappen in der ersten Schikane ab, riss Hamilton einmal mit neben die Piste. Zuletzt dann das von der FIA als Bremstest deklarierte Manöver, im Zuge dessen Hamilton den Platztausch verweigert. Mittlerweile ist klar: Verstappen ist mit einem Druck von 62 bar auf die Bremse gestiegen. Sein Red Bull hat mit 2,4g verzögert.
Hamilton kocht: „Max ist über dem Limit ganz sicher. Ich habe jetzt so oft Kollisionen mit ihm zu verhindern versucht. Es macht mir nichts aus, diese Rolle zu übernehmen, denn es gibt immer ein nächstes Mal. So wie heute auch."
Lewis Hamilton legt im WM-Duell gegen Max Verstappen nach dem Saudi-Arabien-GP verbal nach.
Der Sieger des Premierenrennens in Saudi-Arabien bleibt bei seiner Version der Geschehnisse: „Ich hatte keine Information darüber, dass ich eine Position erhalte. Auf einmal wird er langsamer, dann lässt er seinen Wagen rübertragen und ich denke: Was für eine verrückte Taktik ist das? Dann kam die Information, wonach er mir den Platz zurückgeben muss, und plötzlich bremst er stark. Um ein Haar  hätte er uns beide abgeräumt."
Hamilton fühlt sich mittlerweile „wie im Boxring. Und ich bin bereit.“
Doch Red Bull will das so nicht stehen lassen. „Wenn Max hart gegen Hamilton fährt, dann ist es eine Strafe, wenn Hamilton ihn von der Strecke boxt, dann ist das scheinbar ein Kavaliersdelikt“, betont Motorsportberater Helmut Marko bei ServusTV. „Aber so kann das nicht weitergehen.“
Hintergrund: Beim zweiten Platztausch hat Hamilton Verstappen ebenso von der Strecke gedrückt – ohne Strafe. Marko: „Also scheinen die Maßstäbe hier etwas anders gehandhabt zu werden.“
Verstappen versteht die ganze Aufregung sowieso nicht. „Das ist nicht mehr die Formel 1, wie ich sie im Fernsehen geschaut habe“, ärgert er sich. „Heute geht es ja mehr um Regeln als um Racing.“
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Dafür bekommt er nicht nur Kritik. Sky-Experte Ralf Schumacher, der während des Rennens noch klar auf Hamiltons Seite war, sagt im AvD Motor und Sport Magazin: „Ich liebe das Risiko, das Verstappen eingeht. Max muss nur aufpassen, dass er es nicht übertreibt. Das wird bei ihm schon mal grenzwertig, manchmal muss er da etwas cleverer sein.“
Insgesamt duelliere sich der Holländer mit dem siebenmaligen Champion aber auf hohem Niveau. Schumacher: „Er hat trotz seiner erst 24 Jahre alles auf dem Schirm, er nutzt jeden Winkel aus. In der Hinsicht braucht Hamilton manchmal deutlich mehr Hilfe vom Team. Max hat einfach ein super Potenzial. Er sitzt im Moment nur leider im schlechteren Auto.“

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Von

Bianca Garloff