Sebastian Vettel (33) hat seinen immer noch zahlreichen Fans schon beim ersten Rennen im neuen Rennstall Aston Martin keinen Gefallen getan. Die kommen nämlich in heftige Erklärungsnot, wenn es darum geht ihren Lieblingspiloten bei seinem ersten Auftritt in Bahrain weiter zu verteidigen. Dabei geht es weniger um seinen fehlenden Speed, den er das ganze Wochenende vermissen ließ.
Den 15. Platz im Rennen und den 18. im Qualifying kann man noch analytisch erklären: Vettel wechselte das Team, kennt das neue Auto, den neuen Motor und die neuen Leute kaum. Beim Wintertest sorgten technische Probleme dafür, dass ihm die nötigen Kilometer fehlten, um sich in sein neues Umfeld einzugewöhnen. So gesehen war das erste Rennen immer noch eine Fahrstunde für den Heppenheimer.

Vettel wieder mit Fahrfehler

Was aber nur schwer nachzuvollziehen ist: Dass er sowohl im Training als auch im Rennen merkwürdige Fehler machte, die man bei einem Rookie noch im Ordner Welpenschutz ablegen könnte, nicht aber bei einem vierfachen Weltmeister, der noch vor nicht allzu langer Zeit als einer der besten Rennfahrer aller Zeiten galt. Im Qualifying ignorierte er ein querstehendes Auto von Nikita Mazepin, wurde drei Startplätze zurückversetzt. Im Rennen fuhr er Alpine-Pilot Esteban Ocon ins Heck. Beide konnten nach einem Dreher weiterfahren. Insgesamt bekam Vettel für seine Vergehen fünf Strafpunkte im “Flensburg-Register” der FIA.
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Besonders beim Vorfall mit Ocon gibt der Heppenheimer Rätsel auf: Statt nach dem selbstverschuldeten Crash sofort auf „Mea Culpa“ zu machen, gab er erst mal dem Franzosen die Schuld. Der hätte verbotenerweise die Straßenseite gewechselt. Das jedenfalls war Vettels eigene Sichtweise: Denn objektiv betrachtet war es nicht so. Das belegen die Kameras. Fakt ist: Vettel unterschätzte den Abstand zum Vordermann, deshalb kam es zur Kollision. Erst später entschuldigte er sich und gab seinen Fehler zumindest teilweise zu.
Rästelraten um Vettels Fehlerquote
Sebastian Vettel steckt auch bei Aston Martin im Teufelskreis fest.
Entsprechend schwierig ist es, sich der Seele des Heppenheimers anzunähern. Gerhard Berger, der 2008 in Monza gemeinsam mit dem Hessen als Mitbesitzer von Toro Rosso Vettels ersten Formel-1-Sieg feiern konnte, versucht es: „Sebastian setzt sich selbst zu sehr unter Druck“, analysiert der ehemalige Formel-1-Star und heutige DTM-Boss bei ABMS. „Er will dann Dinge erzwingen, die man nicht erzwingen kann. Das verpatzte Überholmanöver gegen Ocon ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Er muss jetzt zu seiner Lockerheit zurückfinden. Auch wenn sein übertriebener Ehrgeiz zeigt, dass er immer noch motiviert ist.“
Sky-Experte Ralf Schumacher, eigentlich ein Fan von Vettel, sieht es ähnlich. Der ehemalige Grand-Prix-Gewinner meint bei ABMS: „Es ist nur sehr schwer nachzuvollziehen, was er beim Überholvorgang gegen Ocon gedacht hat. Es war aber klar sein Fehler, da gibt es keine zwei Meinungen. Was mich ärgerte: Dass er zuerst Ocon die Schuld gab. Das verstehe ich nicht. Ich würde wirklich gerne mal wissen, was bei Sebastian gerade los ist. Denn dass er das Fahren verlernt hat, will mir noch nicht in den Kopf gehen.“
Sein Ex-Teamchef bei Toro Rosso Franz Tost glaubt: „Der Aston Martin ist kein gutes Auto. Im Heck ist der Wagen besonders beim harten Anbremsen extrem instabil. Ein Perfektionist wie Sebastian hat damit schwer zu kämpfen.“
Auch Vettel selbst ist sich noch nicht ganz sicher, was in seinem Formel-1-Kosmos schiefläuft. Immerhin deutete er an, dass ihm die Konzentration derzeit schwer fällt: „Es gibt gerade Dinge, die extrem gegen mich laufen. Es fällt mir sehr schwer, mich ganz aufs Fahren fokussieren zu können.“ Allein: Welche Dinge es sind, die ihm zu schaffen machen, lässt er offen.
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Fest steht: Der Heppenheimer muss die Zeit bis zum nächsten Rennen in Imola jetzt nutzen, um sich zu reloaden. Noch hat er die Unterstützung des neuen Teams. Doch viele Fehler kann er sich nicht mehr erlauben. Denn ABMS erfuhr: Besonders bei einigen englischen Medienvertretern ist er unbeliebt. Denen kommen die Fehler gerade recht, um hinter den Kulissen bei Aston Martin heftig Politik gegen ihn zu machen.

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Von

Ralf Bach