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Formel 1: Stallorder und Schönwetterauto

Ferrari hat zwei Probleme

Sebastian Vettel holt in China sein erstes Podium der Saison. Trotzdem gibt es Unruhe bei Ferrari - um Charles Leclerc und um die Launen des Autos.
Ferrari hat zwei Grundprobleme. Das ist schon nach dem dritten Saisonrennen in China klar geworden. Erstens: Der SF 90H funktioniert nur dann optimal, wenn er perfekte Rahmenbedingungen hat. Zweitens: Mit dem jungen Charles Leclerc (20) hat sich die Scuderia einen Teamkollegen für Sebastian Vettel ins Haus geholt, der schon im dritten Rennen kein Lehrling mehr sein will, sondern Meister.
Er begehrt auf, unterwirft sich nur widerwillig der Teamentscheidung, den in Shanghai vermeintlich schnelleren Vettel vorbei zu lassen. Fest steht: Die Harmonie im Team ist schon nach dem dritten Rennen nicht mehr rosarot. Dunkle, schwarze Stimmungswolken zogen in China auf und die könnten bald zum stürmischen Gewitter werden.
Kommen wir zum Auto. Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer (67) glaubt die Probleme des Ferrari zu erkennen. Der Schweizer zu AUTO BILD MOTORSPORT: "Ferrari hat im Vergleich zu Mercedes ein Auto gebaut, das weniger Abtrieb hat. Damit hast du zwar einen Vorteil auf den Geraden, aber einen Nachteil besonders in langsamen und mittelschnellen Kurven. Ferrari braucht deshalb entweder hohe Asphalttemperaturen wie in Bahrain oder einen extrem rauen Streckenbelag wie in Barcelona, um die Reifen ins optimale Arbeitsfenster zu bekommen. Deshalb waren sie in Spanien beim Wintertest so stark und auch in Bahrain überlegen. Nicht aber in Melbourne oder jetzt in China."
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Surer weiter: "Dort rutschte das Auto zu viel, die Reifen entwickelten zu wenig Grip und bauten deshalb zu schnell ab. Wenn es in Baku in 14 Tagen ebenfalls kühler ist, dann sehe ich dort auch schwarz für die Roten. Denn der Stadtkurs hat viel zu viele langsame Kurven, wo sie entscheidende Zeit verlieren werden. Ferrari muss für die Zukunft sein Konzept eventuell überdenken, denn ich bin nicht sicher, um es genug Rennen geben wird, die genau ins Ferrari-Schema passen."

Charles Leclerc war nicht happy mit der Teamorder

Sebastian Vettel und Teamchef Mattia Binotto (49) geben Surer zum Teil recht. "Wir verlieren die Zeit in den Kurven", sagt der Deutsche, "da ist Mercedes im Moment viel stärker." Und Binotto erklärt: "Wir müssen erst mal zuhause in Maranello die Daten studieren, um zu wissen, warum wir in China zu langsam waren. Aber Shanghai war ein Rennen, man muss an die ganze Saison denken. Ich denke, die Kräfteverhältnisse können sich Wochenende für Wochenende verschieben."
Das zweite Problem ist vielleicht sogar schwieriger zu lösen. Der interne Kampf zwischen Altmeister Vettel und dem aufstrebenden Ferrari-Youngster Leclerc droht schon bald zum erbitterten Stallduell zu werden. Grund: Leclerc muckt jetzt schon auf und will sich nicht mit der ihm eigentlich zugedachten Helferrolle für den vierfachen Weltmeister abfinden. Das wurde in China mehr als deutlich. Schon während des Rennens bezweifelte der Monegasse, dass der wegen eines verlorenen Starts direkt hinter ihm fahrende Vettel wirklich schneller war und stellte die Entscheidung der Box teils ironisch (den gesamten Dialog gibt's hier in unserem Rennbericht) infrage, den Deutschen vorbeizulassen.
Er wirkte auch nach dem Rennen noch verärgert. "Bevor ich etwas Unüberlegtes sage, will ich mir erst mal die Daten anschauen", gab er vielsagend mit versteinertem Blick zu Protokoll. "Ich muss das komplette Bild verstehen und mit den Ingenieuren sprechen, um die Entscheidung zu verstehen. Ich bin mir sicher, dass es eine Erklärung dafür gibt."
Mit bloßem Auge aber zu erkennen: Vettel hing seinem Teamkollegen rundenlang im Getriebe und ruinierte sich die Reifen. Klar, dass er nach dem Platztausch keinen großen Vorsprung mehr rausfahren konnte. Perfekt durchgezogen hätte die Stallorder demnach früher kommen müssen.
Vettel selbst sagt: "Ich hing im ersten Stint hinter Charles fest, hab mit Sicherheit meine Reifen nicht schonen können. Dann habe ich mich zunächst schwergetan, die Pace zu gehen, die ich konnte."
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Fest steht: Leclerc verlor durch die Ferrari-Strategie den vierten Platz an Red Bulls Max Verstappen. Die Konkurrenz profitierte also schon in China vom Teamscharmützel. "Sagen wir mal so", erklärt Red-Bull-Chefberater Helmut Marko (75) gegenüber ABMS, "Ferrari hat nicht so glücklich agiert. Es war jedenfalls zu unserem Vorteil."
Binotto steht aber zu der Entscheidung. "Charles hat das Recht enttäuscht zu sein, ich verstehe seine Gefühle. Aber Seb war schneller und wir mussten ihm einfach die Möglichkeit geben, den Mercedes besser zu folgen. Das nächste Mal könnte es auch eine Entscheidung geben, die zum Vorteil für Charles ist." Was Leclerc vergisst: In Melbourne und China war Vettel grundsätzlich in allen Sitzungen der schnellere Ferrari-Pilot. Nur in Bahrain war es Leclerc, der dominierte.
Allein: Für die Zuschauer bietet das Ferrari-Duell eine Menge Zündstoff. "Es wird immer eng werden zwischen den beiden", stellt Ex-Ferrari-Pilot Gerhard Berger (59) schmunzelnd fest, "da können wir uns auf ein spannendes Stallduell freuen."
Der Tiroler rät aber Ferrari, nicht die Flinte ins Korn zu werfen. Berger zu ABMS: "Fakt ist, dass sie in Bahrain überlegen waren und zumindest Bottas in China in Reichweite war. Nur Hamilton fuhr in einer anderen Liga. Ferrari muss jetzt cool bleiben und ruhig weiterarbeiten. Dafür ist Binotto auch genau der richtige Mann. Und wenn es stimmt, dass Ferrari höhere Temperaturen braucht, dann könnten sie im Sommer, wo es meistens heiß wird, Vorteile haben."

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Autoren: Ralf Bach,

Fotos: Picture-Alliance

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