Formel 1: Testfahrten in Bahrain
Mercedes mit Problemen, Hülkenberg "beeindruckt"

Trotz Bestzeit für Alfa Romeo: Red Bull und Max Verstappen weiter in Topform. Defekt bei Mercedes, Nico Hülkenberg bekommt großes Lob.
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- Frederik Hackbarth
Tag zwei in der Wüste von Bahrain und Weltmeister Max Verstappen ist mit seinem Red-Bull-Rennstall weiter das Maß der Dinge: Zwar schnappt in der Schlussphase am Freitag Guanyu Zhou im Alfa Romeo Verstappen knapp die Tagesbestzeit weg, der Chinese setzt dabei jedoch die weichste und deutlich schnellere C5-Reifenmischung ein. Zum Vergleich: Verstappen ist auf den zwei Stufen härteren C3-Pneus lediglich 0,04 Sekunden langsamer.
Der Niederländer beendet den Tag nach 47 Runden als Zweiter. Am Vormittag ist Teamkollege Sergio Perez im Einsatz. Besonders alarmierend für die Konkurrenz sind dabei vor allem Longrun-Zeiten des Mexikaners. Nach über zwanzig Runden beträgt sein Zeitverlust durch den Reifenverschleiß deutlich unter einer Sekunde pro Runde - da kann die Konkurrenz im Quervergleich beileibe nicht mithalten. Will heißen: Der RB19 ist nicht nur schnell, er schont auch noch die Reifen.

Lange Gesichter bei Mercedes und George Russell
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Sorgenfalten ob der eigenen Performance gibt es indes bei Mercedes: George Russell bleibt am Nachmittag mit einem Hydraulikleck in Kurve zehn liegen und sorgt für die rote Flagge. Für die schwarzen Silberpfeile ist der Tag mit dem Defekt vorzeitig beendet. Russell findet sich am Ende auf Rang 13 des Klassements wieder, noch zwei Plätze vor Teamkollege Lewis Hamilton, der in der ersten Tageshälfte für die Stuttgarter hinterm Lenkrad sitzt und ebenfalls mit kleineren Problemen zu kämpfen hat.
Reibungsloser läuft der Tag zwar bei Ferrari: Carlos Sainz hat zur Mittagspause immerhin die zwischenzeitliche Bestzeit inne. Diese wird von Verstappen anschließend allerdings auf der gleichen Reifenmischung um fast eine Sekunde pulverisiert. Am Ende findet sich der Spanier auf Rang sechs wieder, Teamkollege Charles Leclerc wird Achter.
Ein gutes Ergebnis gibt es am Freitag für Nico Hülkenberg, der als Fünfter noch vor beiden Ferraris landet. Der Haas-Pilot strahlt über seine Formel-1-Rückkehr: "Es fühlt sich großartig an wieder im Cockpit zu sitzen! Es ist natürlich ein bekanntes Gefühl, aber auch eines, das ich vermisst habe", sagt Hülkenberg.

Max Verstappen und Nico Hülkenberg in Bahrain
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Spuren von Einrostung kann er jedenfalls keine feststellen: "Ich habe meine Hausaufgaben über den Winter gemacht und bin bereit loszulegen. Außerdem ist es mit dem Rennfahren ein bisschen wie mit dem Fahrradfahren. Das verlernt man auch nicht, die Gesetzmäßigkeiten bleiben die gleichen."
Für Hülkenberg geht es jetzt vor allem darum: "Möglichst schnell ein Gefühl mit diesem Auto zu bekommen und je stärker das dann wird, desto wettbewerbsfähiger und schneller wirst du. Das gilt aber im Prinzip für alle, wir müssen alle wieder neu dazulernen." Mit Blick auf sein neues Team erklärt der einzige Deutsche im Feld: "Es war ein guter Start, aber natürlich gibt es wie immer noch viel Verbesserungspotenzial und viel zu entdecken. Wir stehen ja erst ganz am Anfang einer sehr langen Saison."
Teamchef Günther Steiner ist jedenfalls schon begeistert vom Nachfolger von Mick Schumacher: "Es war eindrucksvoll wie Nico gestern ins Auto kam und sich gleich sehr schnell wohlgefühlt hat. Er hat sofort losgelegt und seinen Job gemacht, es fühlte sich tatsächlich so an als wäre er schon ein Jahr hier", lobt Steiner und fügt hinzu: "Ich übertreibe nicht, ich war wirklich ziemlich beeindruckt. Das ist sehr gut."

Haas-Pilot Hülkenberg ist 2023 der einzige Deutsche im Feld
Bild: Haas
Für Prognosen zu Haas' Erfolgsaussichten in der neuen Saison ist es laut dem Südtiroler aber noch zu früh: "Bisher ist das Feedback gut. Aber wie unser Auto im Vergleich zu den anderen ist, das wissen wir natürlich erst in einer Woche am Rennwochenende", sagt Steiner. "Es gibt noch neun andere Teams und keines von denen ist schwach: So ist das mittlerweile in der Formel 1, aber das ist eine gute Sache. Ich denke, es wird noch enger im Mittelfeld."
Den Beweis dafür liefert in Bahrain weiterhin Aston Martin: Fernando Alonso landet am Freitag auf Platz drei und damit wie schon am Vortag direkt hinter Weltmeister Verstappen. Das britische Team zeigt sich erneut formverbessert und mausert sich langsam zur positiven Überraschung der Tests.
Die Gegner im Mittelfeld sind jedenfalls gewarnt. "Sie sehen wirklich stark aus. Mit Fernando haben sie aber auch einen herausragenden Fahrer in Ihren Reihen, ihn im Auto zu haben hilft dem Team natürlich nach vorne zu kommen", streut McLaren-Boss Zak Brown seinem Ex-Piloten Rosen.

Schöne Stimmung, aber bei McLaren läuft's noch nicht
Bild: McLaren
Beim Traditionsteam aus Woking laufen die Testfahrten hingegen wie schon in der Vorsaison nicht so berauschend. "Wir hatten gestern schon einige Probleme, wenngleich das die üblichen Kinderkrankheiten waren. Zwar haben wir noch viel in der Pipeline, aber wir haben auch einige unserer Entwicklungsziele nicht getroffen und wollen diesbezüglich ehrlich sein", räumt Brown ein.
Auch Alpine, die sich 2022 noch bis zum letzten Rennen mit McLaren um Platz vier in der Konstrukteurs-WM und damit die Vorherrschaft im Mittelfeld duellierten, präsentiert sich bis dato eher mau.
Im Gegensatz dazu stehen am Freitag die Auftritte von AlphaTauri und Williams: Nyck de Vries schafft die viertschnellste Zeit für Red Bulls B-Team. Noch wichtiger aber: Gemeinsam mit Teamkollege Yuki Tsunoda dreht er mit 159 Runden die meisten des Tages für die Scuderia aus Faenza. Kilometermäßig kann da nur Williams mithalten, die es in der Tagesendabrechnung auf nur fünf Umläufe weniger bringen. Rookie Logan Sargeant erzielt dabei immerhin die siebtschnellste Zeit.

Williams-Rookie Logan Sargeant mit einem Verbremser
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Ergebnis: Formel 1 Testfahrten Bahrain 1. Tag
1. Guanyu Zhou (Alfa Romeo) 1:31,610 Minuten (C5-Reifen) 133 Runden
2. Max Verstappen (Red Bull) 1:31,650 (C3) 47
3. Fernando Alonso (Aston Martin) 1:32,205 (C3) 130
4. Nyck de Vries (AlphaTauri) 1:32,222 (C4) 74
5. Nico Hülkenberg (Haas) 1:32,466 (C4) 68
6. Carlos Sainz (Ferrari) 1:32,486 (C3) 70
7. Logan Sargeant (Williams) 1:32,549 (C5) 154
8. Charles Leclerc (Ferrari) 1:32,725 (C3) 68
9. Oscar Piastri (McLaren) 1:33,175 (C3) 74
10. Pierre Gasly (Alpine) 1:33,186 (C3) 59
11. Kevin Magnussen (Haas) 1:33,442 (C3) 67
12. Esteban Ocon (Alpine) 1:33,490 (C3) 49
13. George Russell (Mercedes) 1:33,654 (C3) 26
14. Sergio Perez (Red Bull) 1:33,751 (C3) 76
15. Lewis Hamilton (Mercedes) 1:33,954 (C3) 72
16. Lando Norris (McLaren) 1:35,522 (C2) 65
17. Yuki Tsunoda (AlphaTauri) 1:35,708 (C2) 85
2. Max Verstappen (Red Bull) 1:31,650 (C3) 47
3. Fernando Alonso (Aston Martin) 1:32,205 (C3) 130
4. Nyck de Vries (AlphaTauri) 1:32,222 (C4) 74
5. Nico Hülkenberg (Haas) 1:32,466 (C4) 68
6. Carlos Sainz (Ferrari) 1:32,486 (C3) 70
7. Logan Sargeant (Williams) 1:32,549 (C5) 154
8. Charles Leclerc (Ferrari) 1:32,725 (C3) 68
9. Oscar Piastri (McLaren) 1:33,175 (C3) 74
10. Pierre Gasly (Alpine) 1:33,186 (C3) 59
11. Kevin Magnussen (Haas) 1:33,442 (C3) 67
12. Esteban Ocon (Alpine) 1:33,490 (C3) 49
13. George Russell (Mercedes) 1:33,654 (C3) 26
14. Sergio Perez (Red Bull) 1:33,751 (C3) 76
15. Lewis Hamilton (Mercedes) 1:33,954 (C3) 72
16. Lando Norris (McLaren) 1:35,522 (C2) 65
17. Yuki Tsunoda (AlphaTauri) 1:35,708 (C2) 85
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